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Full text of "Pseudo-antike Literatur des Mittelalters"

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STUDIEN DER BIBLIOTHEK WARBURG 
HERAUSGEGEBEN VON FRITZ SAXL 


XUl PAUL LEHMANN , PSEUDO-ANTIKE LITERATUR DES MITTELALTERS 


B.G.TEUBNER-: LEIPZIG :- BERLIN: 1927 


PN 
PAULI LEHMANN 
PSEUDO-ANTIKE LITERATUR 


DES MITTELALTERS 


BG.TEUBNER.LEIPZIG:- BERLIN. 1927 


ur Au RATaLiiIZ 


MEINER FRAU 
ZU EIGEN 


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nn — 


Rhetoric 


Marrass, 
I 24-2 
ıy3ıC4 
INHALT 
Seite 
Einleitung. u. 0 2 0. u ee ee a Bee a BAER I 
Pseudo-Ovidiana . . 22.222 02020 a ei ee re eier 2 
Pseudo-Martialis . . 2. 2 22 22er. Be Sa ae ren Bares Nadal u 1. 16 
Pseudo-Apuleas: nu... Sea a a ar ee ae ee 16 
Pseudo-Fulgentiana . . . 2. 2 2.2.2 .. Be a gi 20 
Valerius de non ducenda uxore . 2. 2 2 2 0 re nr Er ern. 23 
Flavianus und fingierte Inschriften . . 2.2.2 22 2 0 0222 nn. 25 
Boethius de disciplina scolarium . 2.2.2 2 22 0 ren nr ren. 27 
Gesta Romanorum: „u... za a # Se Eee ee a en 28 
ANHanp. 2 Se a N ea BB 31 
I. Die Pyramus- und Thisbe-Dichtung des Matthaeus von Vendöme . ... . 31 
IIa. Die Pyramusdichtung des Dietrich . . . . 2 2 2 2 2 2 2 2 2 020. . 35 
IIbundc. Anonyme Pyramusdichtungen DR er a gl Aa ae; 440 
III. Ovidiusde somni6 2.03 0. Su u wu 2 waren 2ve...63 
IV. Heroiden des Baudri de Bourgueil. . . . 2. 2 2 2 2 2 2 er 0 2 en. 65 
V. Venus verteilt die Frauen . ...2.. 22 2 2 2 nen ee a0 nn... 88 
VI. Mittelalterliche Listen ovidianischer und pseudo-ovidianischer Dichtungen . 89 
Anmerkungen. . .. 2.2.2... u 92 
Verzeichnis der Abbildungen . . 2.2.2 2 2 0 0 En u Er Er Ener. 104 
Abbildungen Tafel I—VI. 
Register .. .... Be ee ee a a ee 105 


Als im 13. Jahrh. eine große lateinische Dichtung auftauchte, dieOvids 
poetisches Testament sein sollte, da erzählte man, sie wärein elfenbeinerner 
Kapsel auf einem Friedhofe in Dioscurias in einem Grabe gefunden, das 
durch eine Inschrift in armenischer Sprache als letzte Ruhestätte Ovids 
bezeichnet gewesen wäre. Man hätte das Buch nach Konstantinopel ge- 
schickt und von dort aus den Text als Schlußdichtung Ovids verbreitet. 

Für uns besteht kein Zweifel, daß es sich um ein mittelalterliches 
Machwerk handelt, nicht um antike Poesie, und man könnte von einer 
Fälschung sprechen | 

Im Hinblick auf diese und andere Erdichtungen, von denen ich 
zu reden haben werde, lag es mir nahe, meinem Vortrag den Titel 
„Mittelalterliche Fälschungen antiker Werke‘ zu geben und dadurch 
anzulocken, da romanhaft und kriminalistisch Aufgeputztes leichter Ohr 
und Augen beim Publikum findet, zumal in einem Jahre, wo wir aus 
Italien durch die Liviusfabeln aufgeregt worden sind. Mir schien es besser, 
auf den Kniff zu verzichten. Denn einmal ist keineswegs alles Fälschung 
im modernen Sinne, was unter entlehnten Namen in die Welt hinaus- 
geschickt ist. Neben den Erdichtungen aus Böswilligkeit und Eigennutz, 
die im Mittelalter vorhanden sind, aber sehr viel weniger in der pseudo- 
antiken Literatur als in Chroniken, Legenden, Urkunden, stehen Fiktionen, 
die, ohne ehrgeizige und habsüchtige Ziele, rein ein Spiel von Phantasie 
undLaune, eineÜbung der Sprache, des Geistessind, Lehrdichtungen, deren 
guter Zweck die Mittel geheiligt hat, Machwerke, bei denen das Fremde, 
Erborgte nur ein leichter durchsichtiger Schleier über dem Mittelalter- 
lichen ist, Fiktionen schließlich, bei denen Mißverständnisse oder Un- 
verstand Späterer zur falschen Firma und zum Fälschungsverdacht ge- 
führt haben. Der Titel Fälschungen würde zu Unrecht verallgemeinern 
und mich wie meine Forschungen anders erscheinen lassen als ich es 
möchte. Ich stehe nicht zu aufreizender oder behaglicher Unterhaltung 
vor Ihnen, und wir wollen nicht, wie man es gegenüber mittelalterlichem 
Geistesleben so oft getan hat, anklagen, nicht vom Throne moderner 
Selbstgefälligkeit richten, sondern schlicht untersuchen, um etwas vom 
Wesen und Geist des Mittelalters kennen zu lernen, 

Studien der Bibliothek Warburg 13. Heft: Lehmann I 


2 Ovids Nachleben 


Durch viele Jahrhunderte hindurch ist wohl am meisten von allen 
römischen Autoren Vergil, namentlich seine Aeneis, abgeschrieben, ge- 
lesen, erklärt worden, im hohen und im späten Mittelalter wetteifert mit 
ihm durch seine fabulösen Metamorphosen und seine Liebesdichtungen 
Ovid. Meines Wissens hat kein alter heidnischer Schriftsteller lateinischer 
Zunge, auch nicht Vergil, seit seinem Tode so viele Werke nach sich ge- 
zogen, die ohne von ihm zu stammen, seinen Namen führen. Die mittel- 
alterliche Geschichte von Ovids Nachleben!), die manches reizvolle Kapitel 
haben müßte, z.B. über die Überlieferung der echten Dichtungen, ist 
noch nicht geschrieben und sollte nur von einem vielseitig gebildeten 
Meister angepackt werden, der zu sammeln und zu sichten und zu 
schreiben versteht. Allein die Behandlung der Pseudo-Ovidiana würde, 
wenn sie Neues bringen, Altes sichern und das Material einigermaßen 
erfassen sollte, Anforderungen stellen, die in kurzer Frist nicht leicht zu 
erfüllen sind. Vorarbeiten gibt es in großer Zahl vom 17. Jahrh. an bis 
zu unserer Zeit?). | 

Ovid ist schon im Altertum nachgeahmt, das Corpus seiner echten 
Werke sehr bald durch Dichtungen anderer erweitert worden. Im 
frühen Mittelalter ist der Einfluß Ovids nicht sonderlich groß, erst seit 
dem ıı./12. Jahrh. wird er eine literarische Großmacht, die man gern zu: 
Hilfe ruft, ob es sich nun um lebensfrohe, farben- und tönereiche Poe- 
sie®), oder um ernste wissenschaftliche und erbauliche Darlegungen han- 
delt. Frankreich und England scheinen voranzugehen. In diesen Gebieten 
und dieser Zeit häufen sich die Handschriften der echten Ovidwerke, und: 
ihnen gliedern sich in bunter Fülle Dichtungen an, die fälschlich Ovids 
Namen am Anfang oder Ende tragen. Ä 

‘ Die Zahl der bekannten Pseudo-Ovidiana ist hoch genug, auch wenn 
man die Gedichte ausscheidet, die nichts weiter sind als gelegentlich 
für sich und mit besonderen Bezeichnungen überlieferte Ausschnitte aus 
größeren Werken Ovids wie ‘Desomnio’ oder das ‘Somnium’?), die ‘Auro- 

a’, ‘De meridie’, der ‘Psittacus’, der ‘Anulus’, die alles Elegien der 
ovidianischen Amores sind, “De aetate’ aus der Ars amandi, ‘De incon- 
stantia rerum’ aus ‘Ex Ponto’®) u. a. mehr. Einige Pseudo-Ovidiana 
waren bisher unveröffentlicht. Daß noch andere auftauchen werden, ist 
wohl möglich. Auf zwei die Forschung erschwerende Momente darf ich 
wohl gleich hinweisen: auf die Zerstreuung des Materials über viele 
Bibliotheken ganz Europas®), deren Bestände nicht immer hinreichend 
katalogisiert sind, und auf die verschiedenartigen Titel, unter denen 
sich bald ein längst bekanntes, bald ein neues Stück verbirgt. | 

Überblickt man die Pseudo-Ovidiana im Ganzen, fällt die Buntheit 
des Inhaltes auf. Man läßt die Nachtigall ertönen, führt aber auch 


Ovisdius de philomela 


den Floh, die Laus und die harmlose Schnecke vor, berühmter be 
paare trauriges Schicksal bringen die Dichter neben tragikomischen 
Liebesabenteuern, aber auch Rezepte für und gegen die Liebe, Rezepte 
gegen Krankheiten, man singt für und wider die Freuden des Bacchus und 
klagt über die Macht des Geldes. Ja man lehrt unter Ovids Namen 
gutes Benehmen bei Tische und Brettspiele. Vielfach bleiben die Ge: 
dichte auf der Erde, vielfach steigen sie auf zu den Olympiern oder gar 
zum Christengotte. Ein seltsames Sammelsurium, in und durch das man 
sich den Weg des Verständnisses nicht selten mühsam bahnen muß. 

Wie ist man dazu gekommen, Ovid zum Vater aller dieser Erzeug- 
nisse zu machen ? Ich glaube, man kann die Erklärung zu einem großen 
Teile finden, wenn man die mittelalterlichen Ovidiana an die antiken 
echten Werke anknüpft oder sie doch zu ihnen und dem Bild, das man 
sich von Ovid machte, in Beziehung zu setzen sucht. 

Wir haben in vielen Hss. eine sehnsüchtige Klage der Nachtigall 
unter Ovids Namen.?) Melchior Goldast (f 1635), jener kenntnisreiche 
und verdienstvolle, jedoch skrupellose Gelehrte, der den — ihn vielfach 
unterschätzenden — Forschern oft zu schaffen machte, fand oder, ver- 
mutlich, erfand einen Namensvetter in einem Albius Ovidius Juventinus. 
Wir gehen diesen Ausweg nicht mit, sondern bleiben beim altbekannten 
Ovid, nicht freilich um die Philomelaverse als sein Gut anzusprechen, son- 
dern um die ziemlich späte Zuweisung an ihn zu verstehen. Man bedenke 
bloß, daß das fragliche Gedicht von der Nachtigall ‘De philomela’ 
“ handelte und daß es ja Ovid gewesen, der im 6. Buche seiner Meta- 
morphosen die Geschichte der attischen Königstochter Philomela er- 
zählt hatte, die von ihrem Schwager entehrt und der Zunge beraubt, dann 
von den gnädigen Göttern in eine Nachtigall verwandelt ward. Für 
einen mittelalterlichen Gelehrten — sagen wir des I2. Jahrhunderts — 
war es verführerisch, die von ihm vorgefundene Klage der Philomela 
dem Dichter, also Ovid, zuzuschreiben, in dessen Metamorphosen er die 
Schicksale der Philomela kennen gelernt hatte, wie der Franzose Chrestien 
de Iroyes um 1168 seine altfranzösische Philomena den Metamorphosen 
nachdichtete. Das Zitat des Jeremia da Montagnone?) am me des 


14. Jahrhunderts: Ovidius de phylomena. 


Tu valeas felix cew longo tempore Fenıx, 
Te foveat tellus veluti papillis vitellus. 


auf ein mittellateinisches Seitenstück zu Chrestien von Troyes zu beziehen, 
dürfte falsch sein. Denn seit dem 13./14. Jahrhundert haben mehrere 
Codices?) die Verse als Schluß des alten Philomelagedichts ‘Dulcis amica 


veni’. Es liegt also nicht das Fragment einer wertvollen neuen Bear- 
ı* 


4 | Pyramus und Thisbe 
beitung der Metamorphosenfabel vor, sondern ein etwa im I2. Jahrhun- 
dert verbrochener Zusatz zu der alten längst vorhandenen Klage. 

Bei der Lektüre der Metamorphosen machte fernerhin von jeher bis 
heute tiefen Eindruck die Liebe und das traurige Ende von Pyramus 
und Thisbe. In allen Literaturen der verschiedensten Sprachen des 
Abendlandes sind die beiden verewigt worden, in der Antike, im Mittel- 
alter, in der Neuzeit!°). Auch die bildende Kunst bezeugt, frühzeitig 
und merkwürdig, das lebhafte Interesse für den Stoff, der zur Unter- 
haltung wie zur Moralisierung und zur Symbolisierung von Christi Opfers 
tod dienen konnte, benutzt ihn gegen 1200 im Basler Münster auf 
Steinskulpturen, verarbeitet ihn anderwärts für Elfenbeinplastik, Gobe- 
lins und Buchkunst.!!) Die durch den Verfasser wichtigste mittellateinische 
Bearbeitung dieses Stoffes war bis zu diesem Augenblick unveröffent- 
licht, obwohl man mehrmals auf einen überliefernden Cambridger Codex 
hingewiesen?) und Rudolf Peiper eine Ausgabe beabsichtigt hatte: 
Freilich, gerade diejenigen modernen Forscher, die ausführlich und in 
mancher Hinsicht vortrefflich über Pyramus und Thisbe im Mittelalter 
geschrieben haben, erwähnen sie nicht; Faralgedenkt ihrer erst jetzt.!3) 
Ich meine eine Dichtung des Matthaeus von Vendöme!#), der sich in 
der zweiten Hälfte des ı2. Jahrhunderts einen großen Namen durch 
seinen Tobias, seine Poetik u. a. errungen hat. Außerdem haben wir 90 
erst kürzlich veröffentlichte!5) Distichen einer, wie es scheint, nicht 
vollständig erhaltenen Pyramusdichtung, in derselben Glasgower Hand- 
schrift 35 noch nicht in Druck gegebene Distichen!$) über dasselbe Thema, 
eine von mir einstweilen nur in Münchener Codices gefundene Dichtung!”) 
und 2 ebenfalls mittellateinische Pyramus- und Thisbe-Poeme, auf die 
vor 200 Jahren Polycarp Leyser aufmerksam machte, die dann in unserer 
Zeit Georg Hart und vor ıı Jahren Edmond Faral herausgaben. Alle 
drei benutzten nur eine einzige Handschrift des 15. Jahrhunderts, er- 
halten in Helmstedt, jetzt in Wolfenbüttel. Die Überlieferung ist in- 
dessen viel reicher.18) Bei schnellem Durcharbeiten der Handschriften- 
verzeichnisse sind mir sowohl in München wie in Krakau, Wittingau, 
St. Petersburg und Kopenhagen unbenutzte Textzeugen aufgestoßen. 
Obwohl der Wortlaut nur geringfügig geändert zu werden braucht, ver- 
dient nicht nur die Helmstedter Hs. Beachtung. Denn mehrere der 
erstmals von mir herangezogenen Codices haben die Gedichte mit Autor- 
namen ausgestattet. Der Münchener Codex überschreibt das eine Ovidius 
in cwculo. Aus den Manuskripten von Petersburg und Krakau erfährt 
man, daß der Verfasser des anderen mittellateinischen Pyramuspoems 
ein Dietrich gewesen ist. Er wird sowohl in Überschriften und Unter- 
schriften der Codices genannt wie durch 16 Anhangsverse, die in der 


Ovidius in cuculo 5 
Helmstedter Überlieferung gefehlt haben. Und wir sind auch in der Lage 
festzustellen, daß zum mindesten dieser Tidericus nicht erst im 15. Jahr- 
hundert gedichtet hat, aus welcher Zeit alle genannten Codices stammen. 
Georg Hart und Edmond Faral schlossen sich Karl Bartsch an und hielten 
das ı2. oder 13. Jahrhundert für die mutmaßliche Entstehungszeit, 
sahen sich aber offenbar die wichtige Stelle, auf die sich Bartsch bei 
seiner Datierung gestützt hatte, nicht gleich an. Sonst hätten sie von 
Anfang an keinen Zweifel mehr gehabt, daß ans 15. Jahrhundert 
ganz und gar nicht zu denken ist. Führt doch Hugo von Trimberg 
a.d. 1280 in seinem ‘Registrum multorum auctorum’ ausdrücklich (v. 
880ff.) die beiden Anfangsverse des einen Gedichts an!?), so daß wir 
einen festen Terminus ante quem haben: 


Item libellus parvulus hic eciam locetur, 

in quo dolor ei amor Pyrami docetur. 
‘Carmina fingo, licet iam nullus carmina curet. 
Heu quid carminibus prevalet usus opum.' 


Das sind die ersten Verse des Dietrichgedichtes. Es kann von einem 
Deutschen verfaßt sein. Starke Beeinflussung durch die lateinische 
Elegie des vielgelesenen französischen Dichters scheint mir jedoch durch 
viele Ähnlichkeiten der Schilderungs- und Ausdrucksweise nahegelegt 
zu werden. Diese Annahme des Zusammenhanges zwischen Matthaeus 
und Dietrich und die Bekanntschaft, die Hugo verrät, lassen uns für 
das Gedicht ‘Carmina fingo’ den Zeitraum zwischen der zweiten Hälfte 
des 12. Jahrhunderts und 1280. Das andere mit den Worten ‘Querat 
nemo decus’ beginnende Poem?®), das Hugo von Trimberg nicht nennt, 
ist schwerlich wesentlich jünger. Da wo (v. 75{f.) Thisbe ausruft: 


Dulcıs amice, veni! Te corde gerens ego vent. 
Campus habet flores cum gramine multicolores, 
Est arbor plena fructu nec abest philomena. 
Diligit hec prata Venus; hec loca sint tibi grata! 
Hic pretiosa thorum dat nobis purbura florum. 
Dulcis amice, veni! Nisi tu venias, male veni! 


liegt eine deutliche Reminiszenz an das alte pseudo-ovidianische Philo- 
melagedicht vor, und gerade an dieser Stelle hört man die poetische 
. Liebessprache des 12./13. Jahrhunderts heraus.?*) 

Unklar ist mir einstweilen, warum die Münchener Hs. als Titel 
Ovidius in cuculo gibt. Was hat der Kuckuck mit jener ovidianischen 
Liebeselegie zu tun? Und ist es nur ein närrischer Zufall, womit der 
Setzerteufel uns äffen will, wenn auch das Philomelagedicht in einem 


6 Tierdichtungen 


Frühdruck?!°) Cuculus Ovidii genannt wird? Mit dem Cuculus Ovids 
ist doch gewöhnlich etwas ganz anderes gemeint, ein Pseudo-Ovidianum, 
das unter dem begreiflichen Symbol des Kuckucks den siegreichen 
Kampf des Frühlings gegen den Winter besingt. Da wendet sich die 
Frage anders: Wie kommt dieses’ karolingische Streitgedicht, das man 
in die Umgebung Alcuins setzt??), zu dem gelegentlich anstelle anderer 
Autorbezeichnungen auftauchenden Namen Ovid? Noch weiß ich 
keine bestimmte vollbefriedigende Antwort. Man könnte daran denken, 
daß jener Dichter aus dem Kreise Karls des Großen, der den halb 
scherzhaften, halb ehrenvollen Beinamen Naso führte, der Dichter 
der Elegie gewesen und sein Nasoname später zur Überweisung der. 
Verse ‘an den antiken Ovidius Naso verleitet hätte. Wahrschein- 
licher ıst mir, daß der Dichterruhm Ovids hier wie in anderen 
Fällen gewisse herrenlos in den Hss. umhergehende Dichtungen an sich 
gezogen hat, die einigermaßen zu Ovid paßten und vielleicht gar in den 
mittelalterlichen Anthologien zwischen echten oder angeblichen Ovid- 
poemen standen. Man kann solche magnetische Wirkung des schrift- 
stellerischen Renomees in der mittelalterlichen Überlieferung immer und 
immer wieder beobachten, mag es nun ein heidnischer Klassiker, mag es 
ein Kirchenvater wie Augustin, ein Kirchenlehrer wie Thomas von 
Aquin oder wer sonst sein. Dem namhaften Autor werden in gutem 
Glauben viele Schriften untergeschoben, die nach unserem Urteil nie 
und nimmer von ihm sind und nicht einmal stets zu seiner Art passen. 
Und Ovid war Jahrhunderte lang solche faszinierende Autorität. 
Merkwürdig groß ist die Zahl der unter Ovids Namen gehenden z. T. 
scherzhaften, z. T. belehrenden Gedichte, die von Tieren handeln. Da 
haben wir das satirisch unterhaltende Poem vom Wolf2®), der Mönch 
ward, das vom Floh?®), der es auf der Mädchen Fleisch und Blut abge- 
sehen hat, von der Laus®®) und von der grotesken Jagd auf eine Schnecke, 
wodurch unter des antiken Dichters schützendem Schilde ein franzö- 
sischer Scholar die Lombarden zu verspotten trachtete.#) Ich gehe auf 
diese Stücke ebensowenig ein wie auf andere pseudo-ovidianische Kleinig- 
keiten, die weite Verbreitung gefunden haben, so auch nicht auf den 
Streit des Magens mit den Gliedern?”) und die aus Eugenius von Toledo 
(saec. VII) gestohlenen Verse über Bacchus®®), in denen vor übermäßigem 
Trinken und allem .Prassen und Schlemmen gewarnt wird. Einige Worte 
dagegen gestatte ich mir über ein Gedicht, das erst I9I3 und zwar in 
einer leicht zu übersehenden Festschrift veröffentlicht worden ist.*®) 
In 126 leoninischen Hexametern soll ‘Ovidius’ de mirabilibus mundi 
gedichtet haben, d.h. hauptsächlich über Tiere und ihre wunderbaren 
Eigenschaften und Gewohnheiten. Den Kunsthistoriker dürfte es inter- 


Weltwunder Ovids 7 


essieren, daß der Herausgeber M. R. James in den Versen Erläuterungen 
zu Bildern vermutet und an Fresken oder Gobelins gedacht hat. Da be- 
kanntlich die Bildteppiche des Mittelalters literarische Stöffe und Texte 
gern verwertet haben, kann er recht haben. Mir ist es allerdings bei der 
großen Zahl der Verse wahrscheinlicher, daß sie anfangs bildliche Dar- 
stellungen in einem Buch begleitet haben. Das letzte Wort über dieses 
Pseudo-Ovidianum ist noch nicht gesprochen. Anfang und Ende scheinen 
zu fehlen. Es wird also jeder Überlieferungszeuge, den der vorzügliche 
englische Forscher nicht berücksichtigt hat, geprüft werden müssen. 
Noch ist auch mir kein reicherer Text bekannt geworden, obwohl ich von 
mehreren Handschriften weiß, die der Herausgeber nicht herangezogen 
hat. Für die Datierung konnte James, außer auf das Alter des Codex 
Cambridge Fitz William Museum M° Clean Ms. 7 saec. XI/XII, auf die 
Anführung dreier Verse (De ira leonis und De hyaena) in dem Bestia- 
rium hinweisen, das unter den Werken Hugos de S. Victore gedruckt ®®) 
wohl von Hugo de Folieto aus dem ı2. Jahrhundert stammt. Ich füge 
hinzu, daß ebenso der normannische Historiker Ordericus Vitalis (f 1142) 
im 8. Buche seiner originellen Historia eu) die bei Ps. -Ovid 
stehenden Verse | 


Parcere prostratis scit nobilis ira leonis. 
Tu quoque fac simile, quisquis dominaris in orbe 


aus dem /ibellus de mirabilibus mundi eines sagax Poeta zitierte und bald. 
darauf der rheinische Erzpoet seine Beichte mit den Rhythmen beschloß 


Parcit enim subditis leo rex ferarum, 

et est erga subditos immemor irarum. 

Et vos idem facite, principes terrarum: 
QOuod caret dulcedine, nimis est amarum, 


demnach auch er Ovidius de mirabilibus mundi direkt oder indirekt ge- 
kannt hat.?2) | 
Ob die Zuweisung an Ovid ursprünglich ist oder dicht, läßt sich 
schwerlich sagen. Könnte man den Ovidius de mirabilibus mundi mit dem 
antiken Autornamen zeitlich vor die Gedichte von Wolf, Floh, Laus, 
Schnecke usw. rücken, dann würde ich die Behauptung wagen, daß jenes 
Gedicht von den wundersamen Tieren die anderen nach sich gezogen 
hätte. Ratsamer ist es, sich mit der allgemeinen Annahme zu begnügen, 
daß, nachdem einmal irgend einer irgend ein Tiergedicht mit der Marke 
Ovid auf den Markt geworfen hatte, spätere sich nicht mehr scheuten, 
auch andere Gedichte von Tieren und ähnlichem durch Ovids Namen 
zu schmücken. Die unmittelbaren Berührungen mit echten Ovidstellen 


8 Ovid als Erotiker 


fehlen zumeist. Nur das befestigte begreiflicherweise die Verknüpfung 
mit Ovids Namen, daß der alte Dichter in seinen Metamorphosen ja von 
vielen merkwürdigen Erscheinungen der Natur, von vielen wunderbaren 
Mythen und Geschichten gesprochen hatte. Und dann sind als Nach- 
dichtungen und Neudichtungen und Zuweisungen hervorrufende Kräfte 
das Unterhaltende und das Erotische, Laszive der ovidianischen Dich- 
tungen zu betonen. 


Nicht nur wer von berühmten Liebespaaren und von Liebeshändeln 
sang, konnte sich auf die Metamorphosen und andere Werke Ovids 
berufen, sondern auch wer indiskrete und schmutzige Kleinigkeiten 
wie den ‚Floh‘, die ‚„Laus‘“ dichtete, fand genug beim alten Ovidius 
Naso. Ovid war dem Mittelalter der führende Verherrlicher des Welt- 
genusses, der Dichter der irdischen, fleischlichen Liebe, der Erotiker. 
Der mittellateinische Dichter, der in seinem witzigen ‘Liebeskonzil 
von Remiremont’ die Precepla Ovidii doctoris egregii als quasi evan- 
gelium verlesen ließ?®), jener andere®®), der in Versen von einem eifer- 
süchtigen Priester sich auf die decreta pape Nasonis berief, sie wußten, 
was Ovid vielen ihrer Zeitgenossen war. Tausende haben gierig die 
erotischen Werke des römischen Poeten verschlungen, viele ihre neuen 
Liebesdichtungen nach seinem Vorbilde gesungen. Daß die Vaganten- 
poesie, daß die Lieder und Gesänge der Trouveres und Troubadours aufs 
stärkste angeregt und befruchtet sind, nicht bloß vom fabulösen, sondern 
vor allem auch vom leichtfertigen, in den Lebens- und Liebeskünsten 
bewanderten Ovid sind längst bekannte Tatsachen, an die ich nur zu 
erinnern brauche. Ich beschränke mich hier auf die Dichtungen, die 
 Ovids Namen führen. Eine Gesamtgeschichte der Ovidnachahmungen 
im Einzelnen und im Ganzen würde viel mehr umfassen müssen. 


Man findet mehrfach den Einfluß der Bücher Amores und der 
Heroiden auf das Mittelalter weit geringer eingeschätzt?®) als die Wir- 
kung der Ars Amandi und der Remedia amoris. Mit dieser an sich 
meiner Meinung nach richtigen Vorstellung ist aber eine gewisse Unter- 
schätzung verbunden. So übersieht man etwas, daß die Amores allein 
schon durch ihre Situationsschilderungen vorbildlich wirkten. Die im 
Mittelalter gern aus dem Rahmen des Gesamtwerkes losgelöste 5. Elegie 
des III. Buches regte zusammen mit dem von Ovid. Ex Ponto III, 3, 5ff. 
erzählten Traum mittelalterliche Poeten an, ihrerseits Traumbilder zu 
erfinden. Der Angelsachse Aethilwulf dichtete®®) ein *Somnium’: 


Tempus erat noctis, Ilucem cum praedicat ales, 
algida post ymnos laxassem membra quieli, 
furtive adveniens somnus subrebsit ocells. 


Traumbilder; Streitgedichte 9 
Walahfrid Strabo ‘De quodam somnio’?”?) 


Nox erat et magni alternis per climata caelı 
ignibus auxerunt astra vemota iubar; 


ein Ire um 850°®): 
Umbrifera quadam nocie de dectore somnum 
carbebam fessıs luminibusque meis. 


Auricomae quaedam tunc fulgens mitra puellae 
clarıor enituit sole rubente mihi, 


ein Unbekannter — das Gedicht??) vielleicht unvollendet lassend —: 


Nox erat et toto fulgebant sidera caelo; 
cogebat saevus cuncta silere sobor. 


Als im ıı., spätestens 12. Jahrhundert ein uns dem Namen nach un- 
bekannter Dichter den Kampf zwischen Fuscus von Jericho und Dicheo- 
philus von Jerusalem beschreiben wollte,?%) griff er zu dem beliebten 
Mittel einer Traumvision, indem er mit dem Verse 


Nox erat et lentus carpebat <lumina somnus'> 

anhub, der deutlich den Anfang jener ovidianischen Elegie imitierte: 
Nox erat et somnus lassos submisit ocellos. 

Ein anderer begann ähnlich“): 
Nox erat et blacido capiebam Pectore sombpnum 


um dann Tod, Zwietracht, Furcht und Jammer im Kampfe vorzuführen. 
Feiner und klarer in der Malerei ist das Streitgedicht Ovidius de luco®), 
eine Vision, die sich schon weit vom antiken Ovid entfernt: Ein Heer 
von eleganten weibischen Rittern errichtet in einem Hain für die Königin, 
die Luxuria, Thron und Tisch. Paris und Ganymedes lagern sich vor 
dem Throne. Da erscheint, vom Durst geplagt, Diogenes und trinkt aus 
der hohlen Hand Quellwasser. Als ihn die Königin ob seiner Armut 
schilt und ihm kostbare Gefäße mit edlem Wein reichen läßt, stimmt er 
ein Loblied der echten Vornehmheit an und kehrt der Luxuria den 
Rücken. Da enteilen die Ritter in Verwirrung. 

Die echte Elegie ‘Nox erat et somnus lassos submisit ocellos’ geht 
gelegentlich, so in der Hs. München lat. 18895, unter dem Titel Ovidius 
de rustico. Drum mag hier angemerkt werden, daß es noch ein Gedicht mit 
derselben Aufschrift ‘Ovidiusderustico’ gibt, dasin der poetischen Samm- 
lung des alten Codex Salmasianus als Martialis de habilatione ruris steht“®) 
und mit dem Verse Rure morans quid agam, resbondeo bauca, rogatus 
anfängt. In Berlin lat. fol. 49 saec. XV? sind die Verse I, 2, 4, 6 dieses 
Stückes einer ganzen andersartigen Dichtung vorausgeschickt und das 


10 Heroiden und Baudri von Bourgueil 


Ganze wiederum ‘Ovidius de rustico’ genannt. Häufiger heißt der zweite 
Teil ‘Ovidius in rusticum’ und steht für sich allein, eine Häufung von 
Schimpfwörtern, die nicht gerade einem Landmann zugedacht sein 
ee Rustice lustrivage capribes cornute bimembris.**) 

Schon im ıı. Jahrhundert schreibt der Parisin. lat. 8094 diese Verse 
ee Ovidius Naso in amatoria arte de Pan pastore dicit. 

Vielleicht wichtiger als die Wirkungen der Amores waren, ist die 
Vorbildlichkeit der Heroiden für den literarischen Briefwechsel und den 
Austausch wie die Darstellung von Liebesgefühlen und Liebesschick- 
salen gewesen. Einige Beispiele mögen das andeuten. Da ist vor allem 
Baudri von Bourgueil, dessen Gedichte nur zu einem Teile gedruckt 
vorliegen. Er ist zwar erst 1130 gestorben. Da er sein Leben aber schon 
1046 begonnen hat), dürfen wir ihn nach seiner sich in verschiedenen 
Poesien ausprägenden Bildung für das ıı. Jahrhundert in Anspruch 
nehmen, als einen frühen Zeugen für die rege altertumfreundliche und 
doch der neuen und originellen Züge nicht entbehrende literarische Tä- 
tigkeit, die uns in Nordfrankreich und in Südengland entgegentritt. Seine 
Meisterschaft in der poetischen Epistel#®) ist nicht am wenigsten der Be- 
Herrschung ovidianischer Diktion zu verdanken. Mönch, Abt, schließlich 
Erzbischof ist er Christ seiner Gesinnung nach und doch ein feuriger 
Liebhaber antiken Stoffes und antiker Form. In einem 1098 entstan- 
denen Gedichte an Gräfin Adele von Blois, Tochter Wilhelms des Er- 
oberers, läßt er ihren Palast mit Gobelins und sonstigen Kunstwerken 
geschmückt sein, deren Beschreibung Ovidkenntnisse bezeugt.*”) Nur un- 
gern trennt er sich von seinem Ovidexemplar und würdigt die Gefahr, daß 
man ihm seinen ausgeliehenen Ovid gestohlen haben könnte, eines be- 
sonderen Poems.*®) Und Baudri war auch einer derjenigen, die Heroiden- 
umdichtungen und neue Heroiden versuchten.) Ein jetzt römischer 
Codex enthält von’ihm in 61 eleganten Distichen einen Brief von Florus 
an Ovidius, und Ovids Antwort in 87 Distichen. Die ovidianische Korre- 
spondenz zwischen Paris und Helena bringt er in eine seinem Zeitge- 
schmack entsprechende Form, und er scheut sich auch nicht vor Ana- 
chronismen, indem er die Weine der Loireufer rühmt und ihre Bevor- 
zugung durch Könige erwähnt. Den Autor eines von A. Riese aus einem 
Parisinus des 12. Jahrhunderts herausgegebenen 5°) Versbriefes der Dei- 
damia an Achilles kennt man nicht näher. Wie bei Baudri sind Ton und 
Art Ovids nicht übel nachgeahmt, ohne daß man es sich versagt hätte, 
allzu Heidnisches zu mildern und Christliches durchblicken zu lassen. 
Die Absicht zu fälschen lag offenbar in allen Fällen fern. Man hat an 


„Scherzrezepte; Liebesanleitung; Liebesbote ıI 


poetische Stilübungen zu denken. Gewiß kennen wir davon nur erst. 
einen Teil. | u 

1250 erwähnt Richard von Fournival ein ganzes Buch mit Heroiden, 
durch die Ovid ergänzt werden sollte.5!) Leider scheint diese Sammlung 
verloren zu sein, so daß über ihren Inhalt nichts zu sagen ist. Im selben 
Bande standen außer echten Liebesdichtungen Ovids mehrere Pseudo- 
Ovidiana: Ovidii libellus de cuculo, de pulice, de sompno, de medicamine 
surdi. Der Katalog bestätigt so in willkommener Weise, daß die genann- 
ten Gedichte schon vor I250 entstanden oder Ovid untergeschoben sind. 
‘De medicamine surdi’ steht neben dem echten ‘De medicamine faciei’ 
Wir kennen aus nicht wenigen Hss. dieses poetische Rezept gegen die 
Taubheit2), das natürlich in Nachahmung von Ovids Gedicht über die 
weiblichen Schönheitsmittel verfaßt und oft mit ebenfalls angeblich ovi- 
dianischen Versen über die vier menschlichen Temperamente5®) ver- 
bunden ist. Weiter: Die alte Anleitung, wie man eine lästige Liebes- 
leidenschaft loswerden könne, Ovids echte Remedia amoris, hat einen 
neuen Ovidius de remediis amoris auf den Plan gerufen, der vor den 
fetten, den allzu mageren, den kleinen und den übergroßen, den bleichen, 
‚den dunkelhäutigen, den rotharigen und den flachsblonden Frauen warnt, 
das Mittelmaß bei der Geliebten empfiehlt und schließlich einige Winke 
gibt, wie man von Sinnenlust befreit werde.5*) In mehreren Codices geht 
ein Stück voraus®°), das mehr von der Ars amandi beeinflußt ist, eine 
Anleitung zur Liebe, zum erotischen Siege durch Schmeichelei, Ge- 
schenke und Gewalt. Beide Poeme sind als Werke Ovids unter dem Titel 
“Ars procandi’ oder ‘Ars procatoria’ zusammengefaßt:°®) Die Kunst der 
Liebesfrechheit. Val. Rose5”) nannte sie humanistisch-barbarisch und 
machte einen liederlichen Dichterling des 15. Jahrhunderts, den Deut- 
schen Samuel Karoch zum Verfasser. Die Überlieferung, die jenen Stük- 
ken besondere Verbreitung in unseren Landen verschaffte5®), führt uns 
jedoch ins 14. Jahrhundert, die Entstehung ist schwerlich nach dem 
13. Jahrhundert zu vermuten. Auch Dichtungen gegen Ovids Erotik 
sind entstanden.) | 

Mehr Selbständigkeit und Erfindungsgabe verraten die sog. Elegien- 
komödien, die nach Ovid ihren Namen tragen: Der schlaue Liebes- 
bote, auch der Mädchenovid genannt, und Der Dreimäderlovid. 
Der Liebesbote®®): ein mittelalterlicher Dichter läßt einen Verliebten er- 
zählen, wie er seinen Diener mit Geschenken zur Auserwäh'ten seines 
Herzens gehen läßt und der Bote klug und keck die Liebenden zusammen- 
bringt und was ihm dann geschieht, als er das Mädchen zurückgeleitet. 
Von den Frühdrucken an bis auf den heutigen Tag hatte man sich mit der 
fragmentarischen Überlieferung des Gedichtes begnügen müssen, die 


I2 | Pamphilus; Dreimäderlovid 


nach v. 297 abbricht. Bei erneuter nochmaliger Prüfung der Hand- 
schriften ist es mir endlich geglückt, den fehlenden Rest ganz oder zum 
Teil, jedenfalls nicht weniger als 79 Verse wiederzufinden.®!) Der „Lie- 
besbote‘“ hat sich von Anfang an einer ziemlich großen Beliebtheit er- 
freut. Schon vor der Mitte des I2. Jahrhunderts hat man Verse daraus 
ın einem Liebesbriefe als ovidianisch angeführt.*) Und bald darauf 
dichtete unter Benutzung des Nuntius sagax ein Mann, vermutlich ein 
Franzose oder ein Engländer, dessen Namen man noch nicht kennt, 
seinen Pamphilus de amore®°), der schnell zu einem der beliebtesten 
Bücher des Abendlandes geworden ist und als Pamphiletus zu der Bildung 
des Wortes Pamphlet Anlaß gegeben hat, das anfangs ganz allgemein 
ein kleines Buch beliebigen Inhaltes bedeutet. Der Pamphilus ist ganz 
und gar nicht eine Schmähschrift, vielmehr eine sehr gewandte Elegie 
mit Monolog und Dialog von Liebessehnsucht, Liebesdienst, Liebeslist und 
Liebeserfüllung. In dieser Dichtung, die in der Hauptsache eine Verfüh- 
rungs- und Kuppelgeschichte bietet, ist auch viel Ovidianisches aus der 
Ars amandi, den Remedia und den Amores, und zuweilen hat man direkt 
in Ovid den Verfasser gesehen. Eine irrige Zuweisung, die wir jedoch be- 
greifen. Denn in keiner anderen Elegienkomödie ist der Ton der erotischen 
Dichtungen Ovids, die Mischung leichter Frivolität und tiefer Leiden- 
schaftlichkeit so glücklich getroffen wie in Pamphilus. Der Ovidius 
trium puellarum®), der Dreimäderlovid, kann sich mit ihm an Be- 
liebtheit und Treffsicherheit nicht messen. Ganz dürfen wir unser Kom- 
pliment allerdings dem unbekannten Dichter nicht versagen. Flott 
schildert er in Distichen eine Begegnung mit drei Mädchen irdischen 
Geschlechts, die ihn und uns natürlich an Minerva, Juno und Venus 
denken lassen. Sie singen um die Wette, und er erteilt als Kavalier der 
schönsten Sängerin den Preis. Sein Lohn ist dann ihre Liebesgunst, die 
deutlich genug zu schildern begonnen wird. Er schließt mit den neckischen 
Worten: ‘Was soll ich tun? Soll, was wir ferner taten, ich berichten ? 
Die Scham verbeut’s, mein Mägdlein will’s mit nichten. Der Schluß stand 
noch bevor. Doch, ob er gut, ob schlecht gelungen ? Amor weiß alles und 
meine Venus auch, der ich dies Lied gesungen. ’ 

Die Datierung ist einstweilen unbestimmt. Die Bemerkung G. Groe- 
bers®5), daß Motiv und Ausführung mehr auf die Humanistenzeit zu 
deuten schienen, ist m. E. gefährlich. Ein Humanist des 15. Jahrhunderts 
würde nicht so viele Reime eingestreut haben. Die Moıvs die graziöse 
Frechheit passen sehr gut ins 12. Jahrhundert. 

Während beim Liebesboten und dem Dreimäderlovid der Name 
des antiken Dichters stets in der Überlieferung zu finden ist, begegnet er 
bei anderen Elegienkomödien nur gelegentlich, so erscheint in einem 


nn ib ein 


Ovidius de vetula | I3 


Lambacher Katalog®®) Ovidius de milite et de Afra, womit zwei Stücke, 
entweder der ‘Miles gloriosus’ eines unbekannten Verfassers oder die 
‘Comoedia de Milone Constantinopolitano et Afra’ des Matthaeus 
von Vendöme gemeint sein können. 

Von den vielen Dichtungen und Erzählungen, die von der Liebes- 
kunst Ovids und vom mittelalterlichen Pamphilus ausgegangen sind, 
sei nur noch eine Ihnen kurz vorgeführt: Ovidius de vetula.®) 

Nach einem späten, jedoch nicht unglaubwürdigen Zeugnis?) ist 
sein wirklicher Dichter ein den Romanisten und historisch gerichteten 
Bücherfreunden wohlbekannter Mann gewesen, der bereits vorhin von 
mir erwähnte Richard de Fournival, dessen französische Werke intime 
Kenntnis von Ovid und eine ähnliche Geistesrichtung wie De vetula be- 
kunden. Selbst bekannte sich Richard nicht dazu. In seiner großen 
Biblionomia ist die Fiktion ‘Ovidius de vetula’ aufrecht erhalten. Diese 
Fiktion beschränkt sich nicht, wie sonst so oft, auf den Titel, den ja 
irgend ein Abschreiber dazugesetzt haben könnte. Ovid spricht von 
Anfang bis zu Ende von sich, tut so, als ob er De vetula unter Kaiser 
Augustus im Jahre 6 vor Christus oder kurz danach geschrieben habe. 
Zudem hat man gewißlich schon ursprünglich dem Poem ein hexametrisches 
Argumentum Leonis protonotarii sacri palatii Bizantei sub Vatachio prin- 
cipe beigegeben. Darin und in den Prosaerklärungen, die in vielen Mss. 
zu finden sind, ist klar und deutlich Ovidius Naso Pelignensis ruris 
alumnus der Poeta dieses genannt. Es wäre sein letztes im Exil geschrie- 
benes Werk gewesen, das er mit ins Grab genommen. Dort hätte man es 
gefunden, nach Byzanz geschickt, der Protonotar Leo es dann heraus- 
gegeben. Natürlich ist die Auffindungsgeschichte?®) erfunden, der Proto- 
notar selbst eine fingierte Person. Mit dem Kaiser Vatachius ist Jo- 
hannes III. Dukas Vatatzes gemeint, der von 1222—1254 regierte, frei- 
lich nie in Byzanz, sondern in Nikea. Aus den fingierten Angaben ge- 
winnen wir somit die Datierung des ganzen Gedichtes. Es ist nach 1222 
und, wir dürfen hinzusetzen, wahrscheinlich vor 1250 entstanden. Um 
1250 nennen Richard von Fournival”!) und Vincenz von Beauvais”?) es 
„bereits. Und bald — vielleicht schon früher — zitieren es andere ohne 

Scheu als echtes Werk Ovids. Selbst der Gelehrte, der wie kaum ein 
anderer im Mittelalter zu philologischer und historischer Kritik befähigt 
und geneigt war, selbst Roger Baco’”?) hat fest an die behauptete Ver- 
fasserschaft des Ovidius Naso geglaubt und aus gewissen Versen des 3. 
Buches den Schluß gezogen, daß im Jahre 6 vor unserer Zeitrechnung 
durch den Heiden Ovid die jungfräuliche Geburt Christi prophezeit wäre. 
Als gut beglaubigtes und glaubwürdiges Werk, als literarisches Testa- 
ment”*) Ovids ist diese Dichtung des frühen 13. Jahrhunderts, die ein 


14 Ovidius de vetula‘ 
Jugendwerk Richards von Fournival gewesen sein kann, in die Welt ge- 
gangen, häufig abgeschrieben, häufig gelesen, ins Französische und an- 
dere Sprachen übersetzt worden. Als einer der ersten hat Fr. Petrarca 
energisch die Autorschaft Ovids bestritten, aber für viele umsonst.?5) 


Die Dichtung ist eine Art Autobiographie. In 3 langen Büchern von 
etwa 3000 Hexametern schildert Ovidius zuerst sein Leben der irdischen 
Liebe; hier folgt er deutlich den Spuren des echten Ovid, zumal der Ars 
Amandi. Einebunte Bilderreihe mit außerordentlich interessantem kultur- 
historischen Detail entrollt sich vor uns, so daß schon der Beigaben und 
des Hintergrundes wegen die Dichtung eine kritische Ausgabe verdient, 
die noch nicht gegeben ist.) Der Dichter schildert uns neben anderem 
sein bequemes Schlafgemach, erzählt, wie er den Tag zugebracht, daß 
er, da man ja nicht immer zu Hause bei der Geliebten bleiben könne, 
auf die Jagd gegangen sei nach Vögeln aller Art, nach Füchsen, Hasen, 
Rehen, Hirschen und sonstigem Wild, wie er und wie man sich beim 
Würfelspiel ergötze und namentlich wie gut man mit Zahlenrätseln, arith- 
metischen und mathematischen Übungen und Rechnungen angenehm 
‚und nützlich die Langeweile vertreibe. Im 2. Buch folgen wieder Er- 
örterungen über Kunst und Wissenschaft. Den Kern bildet die Er- 
zählung, warum er seinen Lebenswandel geändert habe. Besonders mit 
Rücksicht darauf heißt das ganze Opus bald ‘De immutatione vitae’, 
bald ‘De vetula’. Die Amme seiner Geliebten, die Vetula, vermittelt ihm 
ein nächtliches Stelldichein. In der Dunkelheit genießt er aber nicht in 
den Armen der jungen Auserkorenen, sondern durch Zufall bei der häß- 
lichen Alten das ersehnte Liebesglück. Dann verheiratet sich das junge 
Mädchen mit einem andern, und erst nach 20 Jahren wird sie durch den 
Tod ihres Mannes für Ovid frei. Sie bietet dem treuen Liebhaber ihre 
Hand an, dieser heiratet sie, jedoch nicht, um nun endlich bei ihr sich 
des Liebesglückes zu erfreuen, sondern um sich dem Studium zu widmen. 
Wie er die Zukunft ausfüllt, führt er im 3. Buche aus: nicht mehr mit 
wilder und wechselnder Erotik wie früher, nicht mehr mit Jagd und der- 
gleichen Zeitvertreib. Nein, nur gelehrte Beschäftigung wird zugelassen: 


Adiciamque iocos docıles mathesisque sequaces 
sumptibus exiguis aliquatenus aedificabo 
concernens ad maleriam geometrica quaedam, 
sic abstracta quidem, quod non sine materia sınt. 
Algebraegue memor (er gehört zu den ersten, die das arab. 
Wort Algebra im Lat. gebrauchen) gwi ludus arıthmeticorum. 
Admittam ludum, qui ritmimachia vocatur 


Schachspiel; Tischzucht; Sittenspiegel I5 
| De cantu capiam partem, quam musica scribit, 
er creatoris laudem mea cantıca vertam 
= USW, USW, 


Alles das hat zum Ziele, in die Geheimnisse des Alls einzudringen 
und Gott zu verehren. Ein sonderbarer Ovid, derunsda entgegentritt. Selt- 
sam bis zur Lächerlichkeit, — und doch steckt sehr viel Beachtliches darin, 
allein schon für die Geschichte der mittelalterlichen Jagd, der Mathema- 
tik, Astronomie und Astrologie, der Rechen-, Brett- und Würfelspiele. 
Wenn in mehreren spätmittelalterlichen Hss. ein Gedicht ‘De ludo scac- 
corum’, das weit verbreitet war und bereits in der 2. Hälfte des ıı. Jahr- 
hunderts abgeschrieben wurde, unter Ovids Namen geht’”), so ist, das 
wahrscheinlich eine Folge davon, daß im Ovidius de vetula das Schach- 
spiel lang und breit beliandelt ist. 

Man konnte Ovid über Zimmerausstattung und menschlichen Ver- 
kehr, über Jagd und vornehme Unterhaltungsspiele sprechen lassen, weil 
er im Mittelalter zum Vertreter des weltmännischen Wesens geworden 
war. Als Weltmann hatte er 'sich ja in. seinen alten erotischen Dich- 
tungen genugsam erwiesen. Von Ovid dem Weltmann konnte man alles: 
Herrenmäßige erwarten, selbst eine christliche Anweisung zum guten Be- 
nehmen bei Tische, die beispielsweise in einem Münchener Codex als 
Liber Ovidii de facecia mensae steht.) Tatsächlich hatte ja auch der an- 
tike Ovid gelegentlich dem Liebenden Winke solcher Art, wenngleich nicht 
jene gegeben. Ovid, der Liebhaber und Verführer, Ovid der Weltmann, 
der auf der Höhe der Zivilisation genießerisch lebt, — viele von mir 
genannte und ungenannte Pseudo-Ovidiana lassen sich auf diese beiden 
Typen beziehen — schließlich Ovid der ernste Gelehrte und gläubige Christ. 
Der Mann, der ein frivoles Jugendleben genossen und geschildert, ganz in 
der Welt sich bewegt hat, schließt als gen Himmel Strebender mit einem 
Gebet an die Jungfrau Maria. De Vetula vereinigt die drei Typen, und 
darin liegt eine der Besonderheiten dieses auch in den Einzelheiten 
eigentümlichen Werkes. Nun sind dem mittelalterlichen Menschen die 
Freiheiten und Frechheiten des leichtlebigen antiken Dichters nicht mehr 
Steine des Anstoßes, sondern Marksteine der Entwicklung, die im echten 
Christentum mündet. Wenn man seitdem im 13. und namentlich im 
14. Jahrhundert Ovid einen christlich gefärbten Sittenspiegel”®) verfassen, 
wenn man ihn zum Schluß seiner Metamorphosen zum dreieinigen Gott 
beten läßt3%), wenn man dasselbe Fabelwerk allegorisiert und moralisiert, 
so sind das bezeichnende Versuche, Ovid in den Dienst der mittelalter- 
lichen Sitten- und Glaubenslehre zu stellen, die schon in der ersten Hälfte 
des 13. Jahrhunderts Richard de Fournival durch eine fast geniale Fiktion 
übertroffen hat. 


16  Pseudo-Martialis 
Von den anderen römischen Dichtern, die im Mittelalter bei neuen Er- 
zeugnissen Gevatter standen, sei noch einer, der Epigrammatiker Martia- 
lis genannt. Auch er war bereits in der Antike nachgeahmt und verfälscht 
worden. Größtes Ansehen erlangte er im ı2. Jahrhundert, zumal bei den 
zu Witz und Satire geneigten Engländern. Der eigenartige, eigensinnige 
Giraldus Cambrensis, der unter Heinrich II. von England lebte, zitiert 
in seinem Buch über Fürstenerziehung zweimal (Buch I, Kap. ı8) den 
echten Martial als ‘Martialis cocus’ und bezeugt durch eine Anekdote die 
Beliebtheit des Dichters. Derselbe Giraldus führt aber im gleichen Werke 
unter Martials Namen Verse an, von denen der moderne Herausgeber 
G. F. Warner 1891 mit Recht, jedoch allzu wortkarg bemerkt:®!) “Die 
Verse stehen nicht bei Martial’. Eine Fülle von Pseudo-Martialversen 
findet man dann in den 30er und 4oer Jahren des 13. Jahrhunderts bei 
Albertanus von Brescia in christlich moralphilosophischen Traktaten®2), 
im Anfang des 14. Jahrhunderts bei Jeremia da Montagnone in seiner 
Sentenzensammlung®?) und bei-dem Anonymus des Veroneser Florilegs®®) 
von 1329, das namentlich wegen der Anführung von Catull und anderen 
seltenen Autoren bei den Philologen Beachtung gefunden hat. Alle diese 
Verse, auch die von Warner veıgeblich bei Martial gesuchten, stammen 
von einem mittelalterlichen Autor, einem um Iıoo dichtenden Gottfried 
von Winchester. Daß man sie unter dem Namen des Martialis oder Mar- 
tialis cocus gehen ließ, wird begreiflich, wenn man sieht, daß Gottfried 
mit unverkennbarem Geschick den alten Epigrammenkünstler bewußt 
nachgeahmt hat.3) Von Fälschungsabsicht zu sprechen wäre falsch. Wir 
haben Hss., z. B. einen Codex Parisinus, die den Martial nachahmenden 
‘Liber proverbiorum’ richtig und offen als Werk Gottfrieds bezeichnen. 
Ein anderes Manuskript, in Florenz, nennt dagegen den Verfasser Mar- 
tialis, fügt allerdings vorsichtig hinzu: si sua sunt. In beiden Über- 
lieferungsträgern geht unmittelbar der wahre Martialis voraus.®) Bei 
dieser Verbindung und der tatsächlichen Verwandtschaft und Ähnlich- 
keit der alten mit den neuen Epigrammen lag es für die mittelalterlichen 
Benutzer, die nicht an literarhistorische Kritik gewöhnt waren, nahe, die 
Martialimitation Gottfrieds einfach unter Martials Namen anzuführen. 
Das Mittelalter wegen solcher Irrtümer und Willkürlichkeiten zu ver- 
spotten, wäre unbillig. Selbst im ıg. und 20. Jahrhundert noch haben 
berufene und geschulte Kritiker in mehr als einem Falle für antik ge- 
halten, was erst im Mittelalter oder in der italienischen Renaissance 
entstanden war. An einem Beispiel kann ich Ihnen das gleich zeigen. 
Sie wissen, daß frühzeitig etliche Schriften nach Apuleius benannt 
worden sind, die nicht von dem afrikanischen Platoniker und Rhetor 
Apuleius herrühren. Ich erinnere an das hermetische Gespräch Asclepios, 


Pseudo A 7 
an die Kräuterbücher. Sie alle sind noch im Altertume entstanden. Frag- 
mente eines Apuleiuswerkes über Orthographie, die in der Renaissance 
auftauchten und Jahrhundertelang für antik gehalten wurden, sind von 
J. N. Madvig®”) und O. Crusius®®) als freche Fälschungen eines italieni- 
schen Humanisten, wahrscheinlich des Caelius Rhodiginus, gebrand- 
markt worden. Mit diesen Bruchstücken hat vor rund einem Säkulum 
Friedrich Osann den sogen. Apuleius Minor herausgegeben®®), vermeintlich 
als erster, faktisch, nachdem man schon im 15. Jahrhundert diese unter 
dem Namen Apuleius gehenden Abhandlungen Denota aspirationis und De 
diphthongis gedruckt hatte.?%) Über sie ist Verschiedenes zu sagen, das 
weiterführt. 1827 behauptete Grotefend?!), sie wären nicht vor 1327 ge- 
schrieben, Th. Birt??) setzte sie IgoI nach 1400 an. Dagegen gaben Teuf- 
fel®3), Sabbadini®*) u. a. als Entstehungszeit ‘um das 10. Jahrhundert’ bzw. 
‘frühestens Io. Jahrhundert’ an. Bei M. Schanz?5) aber war seit 1905 
zu lesen, die Traktate gehörten noch dem Altertume an. Welche Datie- 
rung hat zu gelten? Die Ansicht und Behauptung von Schanz ist leicht 
zu widerlegen. Da in diesem Pseudo-Apuleianum Papst Gregor der Große 
‘ und Isidor von Sevilla, also Schriftsteller des 6. und 7. Jahrhunderts, 
zitiert werden, so scheidet das Altertum. ohne weiteres aus. Andererseits 
haben Grotefend und Birt die Traktate viel zu jung gemacht. Grotefend, 
weil er sagt, laut Rhodiginus zitiere Apuleius den Griechen Maximus 
Planudes, dererst 1327 ins Abendland gekommen wäre. In Wahrheit wird 
Planudes, der nach neueren Forschungen schon 1296 in Venedig erschien, 
nicht in den Einzelschriften über dieAspiration und die Diphthonge, son- 
dern in jenen Fragmenten angeführt, die erst gegen Ende des 15. Jahr- 
hunderts erdichtet worden sind. Birts Datierung stützt sich auf das 
scheinbare Vorkommen von Erichthonius und Phthia mit doppelter 
Aspirierung bei Pseudo-Apuleius, was nach W. Schulze®) erst im Quattro- 
cento üblich geworden wäre. Ich halte dieses orthographische Zeitsym- 
ptom für trügerisch. Ist die Doppelaspirierung allgemein auch wirklich 
erst nach 1400 Gewohnheit der Gelehrten geworden, so doch vorher 
weder unmöglich noch ungebraucht. Ich kenne einige Belege aus dem 
Io. Jahrhundert?”) und bin überzeugt, daß man bei längerem Suchen noch 
weit mehr Zeugnisse für die praktische Verwendung finden wird. Daß 
den mittelalterlichen Theoretikern das Nebeneinander zweier Aspira- 
tionen nicht fremd war, kann ich einem orthographischen Traktat des 
Codex Monacensis Lat. 21566 vom Anfang des 13. Jahrhunderts ent- 
nehmen, wo es fol. 12" heißt: h muta non potest esse, quia bis ponitur in 
eadem sillaba cum duabus mutis, ut Phythius, Erichthonius. Die reiche 
handschriftliche Überlieferung jener Pseudo-Apuleiana ist zwar jung. 
Mir sind bisher nur Hss. aus dem 15. Jahrhundert bekannt geworden. 
Studien der Bibliothek Warburg 13. Heft: Lehmann 2 


18 Johannes de Janua; Roger Baco 
Und wir dürfen als den Entdecker der Texte den Liebling Bessarions, 
einen Schüler von Vittorino da Feltre und Guarino, nämlich Niccolo 
Perotti ansehen, der sich späterhin als Metriker und Grammatiker einen 
großen Namen gemacht hat. In Rom®®) soll das Original seiner Abschrift 
liegen. Sie und Kopien von ihr machen durch ihre Unterschrift: Apdulei 
fragmentum de dibhthongis, quod in vetustissimo codice repertum_ est, 
finit foeliciter per Nicolaum Perottum, quum Ferrarie abud magnificum 
ei generosissimum virum A. Gulielmum CR. esset duodevicesimumgue 
aetatis suae annum ageret, wahrscheinlich, daß die Pseudo-Apuleiana erst 
1447/48 in die Renaissanceüberlieferung eingeführt sind. Der in der 
Subscription genannte ‘Gulielmus CR’ ist meines Erachtens der vornehme 
und reiche Engländer William Grey, der, gleichfalls Schüler Guarinos, 
den armen und jungen Perotti in Ferrara in sein Haus aufnahm, nicht den 
20jährigen Perotti, wie G. Voigt schreibt, sondern bereits den 18jährigen. 
Daß er und andere Humanisten sowohl durch den Autornamen wie 
durch den Inhalt angezogen wurden, ist begreiflich. Ob aber Perotti die 
Schriften für antik gehalten hat; vermag ich zur Zeit nicht zu sagen. 
Jedenfalls sind die Schriften nur scheinbar antik und, was wir in diesem 
Falle Perotti verdanken, ist nicht ein Neufund, sondern eine Wieder- 
entdeckung. 

Zum mindesten schon der italienische Dominikaner Johannes de 
Janua kannte, was meist — nicht immer — übersehen wird, die Schriften 
und zitierte siein seinem I286 abgeschlossenen Catholicon unter viermaliger 
Nennung von Apuleius.®) Außerdem glaube ich auffällige Übereinstim- 
mungen mit Sätzen desOpus tertium und anderer Werke von Roger Baco01%) 
entdeckt zu haben. Hat Pseudo-Apuleius Roger Bacos Werke heran- 
gezogen, so ist er zwischen dem Opus tertium und dem Catholicon, d.h. 
zwischen 1267 und 1286 anzusetzen. Nimmt man umgekehrt Benutzung 
durch Roger Baco an, kommt man vor das Jahr 1267. Möglich ist frei- 
lich, daß Baco und Apuleius eine gemeinsame Quelle haben. Nach dem 
Dominikaner des 13. Jahrhunderts, aber vor Perotti benutzte 1417 der 
Karthäuser Oswald Ps.-Apuleius, dessen Bemerkungen mit denen des 
Catholicon zusammenschweißend.!%t) Daß man die Traktate bis ins 
Io. Jahrhundert hinaufrücken dürfte, glaube ich nicht, ohne einstweilen 
dafür festzwingende Gründe nennen zu können. Dem Gesamteindruck 
nach passen sie m. E. schlecht in so frühe Zeit und auch Einzelheiten wie 
die Besprechung des ‘usus modernus’ michi und nichtl statt mihi und 
nihil zu schreiben, spricht für spätere Entstehung. Erst seit dem ıı. Jahr- 
hundert kommt jene in der Antike und im Frühmittelalter nur gelegent- 
lich angewandte Schreibweise, die man im Io. Jahrhundert schwerlich 
eine moderne Gepflogenheit gescholten hätte, massenhaft in Schrift- 


Michi und nichil; Varro Ig 


stücken aller Art vor!) und führt nun bei den Grammatikern, bei dem 
Priscianerklärer des 12. Jahrhunderts Petrus Helie!®), bei Roger Baco!%%) 
u.a. zu lebhaften Diskussionen, die dann im 15. Jahrhundert von den 
Humanisten in anderer Weise und noch heftiger, unduldsamer fortgesetzt 
werden. Ich denke mir das 13. Jahrhundert als Entstehungszeit, lasse 
jedoch bis auf weiteres Spielraum vom II.—ı3. Jahrhundert. Das Ent- 
stehungsland ist für mich Italien. Die Worte: Ita Heinricus, Humber- 
tus ei quaedam alia virorum nomina, quae moderno tempore a transalbinis 
accebimus, aspiramus, quontam constat testimontüs eiusdem linguae peri- 
forum, quod haec nomina ab eisdem Iransalpinis non sine aspiratione 
spiritus proferantur (Ösann S. 112) sind dieeinesmittelalterlichen Italieners. 
Vielleicht — mehr als vielleicht sage ich nicht — ist er im Kloster Monte- 
cassino oder nicht weit davon zu suchen. An der Spitze der Überlieferung 
von Apuleius’ Apologie, Metamorphosen und Florida steht eine Cas$ineser 
Hs. saec. XI. Auf diesen Codex Laurentianus gehen alle erhaltenen Manu- 
skripte mit jenen Werken in irgendeiner Weise zurück. Ich kann mir vor- 
stellen, daß ein mittelalterlicher Grammatiker Süditaliens unter dem Ein- 
druck, den im Wirkungsbereich Montecassinos das Wiederfinden oder 
Vorhandensein der echten Apuleiusschriften gemacht haben wird, seine 
eigenen Arbeiten mit dem die Beachtung sichernden Autornamen Apuleius 
versah. Gerade an Montecassino zu denken veranlaßten mich noch andere 
überlieferungsgeschichtliche Beobachtungen. Bekanntlich ist die für 
Varro de lingua latina maßgebende Hs. Laur. LI 10, aus der allein man 
erst in der Renaissance den Text verbreitet hat, ein Casinensis des aus- 
gehenden ıı. Jahrhunderts, und der ältere Auszug im Paris. Lat. 7530 
stammt seinen süditalienisch-beneventanischen Schriftzügen nach eben- 
falls aus Montecassino oder aus seiner Nähe. Nach der Behauptung. von 
Georg Goetz und Friedrich Schoell!P5), die uns die beste kritische Aus- 
gabe geliefert haben, hätte niemand im Mittelalter Varro direkt benutzt 
außer Petrus Diaconus von Montecassino. Alle Varrozitate bei anderen 
mittelalterlichen Schriftstellern wären aus bekannten Mittelquellen wie 
Priscian und Isidor geschöpft. Diese Behauptungen sind deshalb unrichtig, 
weil sie einen, freilich noch ungedruckten, frühmittelalterlichen Orosius- 
kommentar!®), und vor allem Pseudo-Apuleius unberücksichtigt lassen. 
Da dieser mehrere Varrostellen hat!), die sich nicht mit Zitaten beiälte- 
ren Schriftstellern decken, dürfen wir annehmen, daß Pseudo-Apuleius 
direkt eine Varro-Hs. herangezogen hat. War das damals anderswo als in 
Montecassino oder einer Montecassino benachbarten Bibliothek möglich ? 
Es scheint nicht so. Freilich ergeben sich aus der Vergleichung der Var- 
rostellen des Ps.-Apuleius mit dem Cassineser Text einige Schwierigkeiten. 
Doch dürften sie durch die Annahme zu beheben sein, daß Ps.-Apuleius 


2# 


20 Pseudo-Fulgentiana 


den Varronischen Wortlaut nachlässig wiedergegeben und einige Beispiele 
hinzugefügt, diese. aber nicht als Zutaten kenntlich gemacht hat. In 
dieser Erklärung der Diskrepanzen stimme ich mit Th. Mommsen!®) und 
Th. Birt!%) überein, die ganz nebenbei zu den pseudo-apuleianischen 
Varrozitaten Stellung genommen haben. Nun der mittelalterliche Ur- 
sprung der Traktate gesichert ist, werden die Varrokritiker nicht umhin 
können, die Stellen endlich einmal gründlich zu prüfen und das Auf- 
tauchen Varros bei Pseudo-Apuleius überlieferungsgeschichtlich zu er- 
klären. | 

An Apuleius reihen wir einen anderen Afrikaner, Fulgentius, der 
ins 5./6. nachchristliche Jahrhundert gesetzt wird. Für verloren gilt sein 
Physiologus. Es gibt zwar in einer Münchener Handschrift vom Jahre 
1387, CLM. 8979, einen ‘Fulgentius de naturisrerum’, der zur 
Physiölogusliteratur gehört. Indes werden in seinem Texte mittelalter- 
liche Autoren wie Isidor, Beda, Hrabanus Maurus zitiert, und aus anderen 
Codices ist zu ersehen, daß der Verfasser in Wahrheit Hugo geheißen hat, 
wahrscheinlich Hugo de Folieto, ein französischer Theologe des ı2. Jahr- 
hunderts, gewesen ist.11%) Wer in diesem Falle Fulgentius statt Hugo 
schrieb, hatte sich vielleicht jener Worte erinnert, die der echte Fulgen- 
tius über seinen — heute verschollenen — Physiologus ausgesprochen 
hat.!!!) Übrigens wird auch die Expositio Virgilianae continentiae des 
Fabius Planciades Fulgentius gelegentlich ‘Physiologia’ genannt.!!2) Eine 
bewußte betrügerische Verfälschung der Autorschaft bedeutet die Adap- 
tion des Namens Fulgentius schwerlich. Wir können mehr als einmal be- 
obachten, daß die Bezeichnung Fulgentius im Mittelalter fast zum Gat- 
tungsnamen für allegorische Auslegungen geworden ist. Es gibt nament- 
lich aus dem 14. Jahrhundert mehrere durch viele Hss. überlieferte Aus- 
züge und Erweiterungen der Mythologiae des Fulgentius, die oft kurz- 
weg zum Titel haben ‘Fulgentius de imaginibus deorum’ und 
dgl. Ihre wirklichen Autoren sind Alexander Neckam, Johannes Ridewall, 
Robert Holkot u.a. Auch die sogen. Mythographi II und III werden 
zuweilen ‘Fulgentius fabularum’ genannt und Sätze aus ihnen als ful- 
gentianisch zitiert, die doch anderer Herkunft sind. Die außerordentlich 
schwierige Erforschung der in der Tradition oft mit Fulgentius verknüpf- 
ten, moralisierenden Bilderbücher der heidnischen Götterwelt, wichtig 
auch für Literatur und bildende Kunst der Renaissance, ist namentlich 
durch Professor A. Warburg selbst, dann durch den ebenso gelehrten wie 
emsigen Warburgbibliothekar F. Saxl!12) und auf ihre Anregung hin durch 
H. Liebeschütz!!#) sehr gefördert worden. Obwohl ich auch über Liebe- 
schütz’ Forschungen noch vor diesem — am 29. November 1924 gehaltenen 
—- Vortrage unterrichtet worden bin, möchte ich hier nicht näher 


Pseudo-Fulgentiana | | 21 


darauf eingehen, nur die Hoffnung aussprechen, daß den Problemen 
weiter nachgegangen wird. Über die Verfasser der behandelten Werke, z.B. 
über Robert Holkot, ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Ungeklärt 
ist ferner manches Zitat der Texte. Sowohl in den mit ‘Narrat ma- 
gister’ wie in den mit ‘Refert Fulgencius’ beginnenden ‘Imagines 
virtutum et viciorum secundum Fulgencium’ werden Titel angeführt, 
mit denen ich einstweilen nichts Rechtes anzufangen weiß: ‘Ful- 
gencius de ornatu orbis’, ‘Fulgencius libro de contemptu mundi’. Man 
muß natürlich damit rechnen, daß unter anderen Namen bekannte Werke 
anderer Verfasser hier und da als Fulgentiusschriften gehen, daß Schrift- 
steller verwechselt wurden, die ähnliche Gegenstände behandelten und 
oft schon in den Kopien vereinigt waren, z. B. Fulgentius der Mytho- 
graph und Honorius Augustodunensis!!5), weiterhin damit rechnen, daß 
echte Fulgentiana einen auffälligen nicht sofort erklärbaren Titel erhalten 
haben. Verhältnismäßig schnell konnte ich einen ‘Fulgentius de fugiendis 
litteris’ in Pommersfelden!!®) mit Fulgentius deaetatibus mundi et hominis 
identifizieren. Dagegen konnte ich über einen 1412 bei Amplonius 
Ratinck befindlichen Kommentar des Fulgentius zu Martianus Capella!!”) 
noch nicht ins klare kommen. Es könnte dort Fulgentius für Alexander 
Neckam stehen.!!18) An sich ist die Verknüpfung der beiden mit der Alle- 
gorie arbeitenden Mythographen Afrikas begreiflich. Und entschuldbar 
ist bis zu einem gewissen Grade, daß 1424 in der Enzyklopädie des Arnold 
von Rotterdam der Mythograph Fulgentius zu den Historikern gerechnet 
ist!19), entschuldbar, wenn der Rotterdamer sich z. B. auf Robert Holkot 
gestützt hat, der in Kap. XX seiner Moralitates eine bildliche Darstellung 
Amors einleitet mit den Worten: Habet Fulgentius in libro quodam de 
gestis Romanorum. “Gesta Romanorum’ war im späten MA. häufig gleich- 
bedeutend mit römischer Geschichte. So wird das Werk des Titus Livius 
gern Gesta Romanorum genannt. Noch häufiger ist G. R. der Titel des 
in verschiedenen Fassungen überlieferten Geschichtsbuches, das Hun- 
derte von moralisierten oder moralisierenden Parabeln, Fabeln aus alter 
und neuer Zeit römischer und nicht römischer Historie bringt, nicht ein 
Geschichtswerk, sondern ein Unterhaltungsbuch mit didaktischer Ten- 
denz. Fulgentius hat weder diese Gesta Romanorum noch eine wirkliche 
römische Geschichte geschrieben. Aber die echt fulgentianischen 'My- 
thologiarum libri’ und die aus ihnen schöpfenden Götterbücher, die unter 
- Fulgentius’ Namen gingen, haben für die Gesta Romanorum Stoff gelie- 
fert und sind auch in der Überlieferung zuweilen mit den Gesta Ro- 
manorum verbunden!?®), so daß wohl einer meinen konnte, Fulgentius 
hätte selbst ‘De gestis Romanorum’ geschrieben. 

Ich begann meine Ausführungen über die Pseudo-Fulgentiana, indem 


22 Fulgentius de musica 


ich an die verlorene echte Physiologie des Afrikaners F. erinnerte. Aus 
einer anderen verlorenen Schrift desselben Mannes über Musik sollten 
nach K. Sittl in der Bibliotheca Vallicelliana zu Rom Bruchstücke vor- 
handen gewesen sein. Ich habe diese vermeintliche Entdeckung, die so- 
gar in der 6. Auflage von Teuffels Römischer Literaturgeschichte ($ 480, 
3) und im letzten Bande von M. Schanz (S. 204, Berichtigung S. 353) 
einer Erwähnung gewürdigt ist, in der Berliner Philol. Wochenschrift!?!) 
abgetan, als ich die angeblich verschollene Hs. wieder aufgespürt hatte. 
Es handelt sich um einen mittelalterlichen Auszug aus den Mythologiae, 
der nichts aus eigenem hinzutut, sich selbst gar nicht als ein besonderes 
Werk ausgibt, vielmehr deutlich genug als excerptum ex libro de ficticiis 
boetarum bezeichnet ist. Zufällig wird nun noch ein anderer musiktheore- 
tischer Traktat in einigen mittelalterlichen Hss. (z. B. Erfurt Amp]. 8° 93 
u. 94) Fulgentius zugeschrieben. Nicht die ganze Überlieferung teilt diese 
Autorbezeichnung, die bestimmt falsch ist. Aus dem Prolog!2) geht her- 
vor, daß die Schrift nur einem Fulgentius gewidmet, von einem Johannes 
verfaßt ist. Dieser scheint ein Engländer des 11./12. Jahrhunderts gewesen 
zu sein und John Cotton geheißen zu haben.12?) Wer mit Fulgentius ge- 
meint ist, hat sich noch nicht ganz sicherstellen lassen. Nach der Auf- 
schrift einiger Codices1?4) wäre er englischer Bischof gewesen. Da sich in 
den Bischofslisten kein Kirchenfürst dieses Namens findet, könnte man 
in Fulgentius einen ehrenden Beinamen sehen und sowohl daran erinnern, 
daß die Engländer mit Bei- und Spitznamen frühzeitig zur Hand waren, 
wie daran, daß auch anderwärts mit Fulgentius in Erinnerung an den 
alten Schriftsteller und an die Bedeutung des Wortes ‘fulgere’ gespielt, 
bereits im 9. Jahrhundert der Häretiker Gottschalk ehrend Fulgentius 
genannt worden ist.125) Vielleicht nennt aber trotzdem Johannes Cotto 
den Mann, den er durch sein musiktheoretischesWerk ehrt, mit dem Haupt- 
namen Fulgentius. Da käme vor allem der erste Abt des brabantischen 
Benediktinerklosters Afflighem Fulgentius (1088—ı122) in Betracht !?®). 

Eine Schwierigkeit darf allerdings nicht leicht genommen werden: 
in einem Teil der Überlieferung heißt es innerhalb der Widmung Anglo- 
rum anüisti oder Anglorum ebiscobo. Sind die Handschriften gründlicher 
als bisher durchforscht, dann wird man es vielleicht wagen können in 
Anglorum eine falsche nachträgliche Auflösung von A. oder AFFL gleich 
Affligensium der Vorlage zu sehen, eine Auflösung, die durch die gelegent- 
liche Bezugnahme des Textes auf die ‘Angli’ nahegelegt war. In die Zeit 
des Fulgentius von Afflighem paßt Johanns Werk nach dem Stande seiner 
musiktheoretischen Meinungen und nach der äußeren Bezeugung. Am 
frühesten wird er durch den Prüfeninger Liber de viris illustribus (An- 
onymus Mellicensis um I140, cap. LIX: Johannes musicus natione Angli- 


——. 


Valerius de non ducenda uxore 23 


cus vir admodum subtilis ingenii fuit, qui et libellum Prestantissimum de 
musica arte composuit erwähnt. Beziehungen eines Engländers zu einem 
belgischen Abte sind’nichts Auffallendes. Dagegen schwebt die im An- 
schluß an Johannes Trithemius versuchte Identifizierung mit einem um 
1050 lebenden Scholasticus Johannes von St. Mathias in Trier!?”) ganz in 
der Luft. Den englischen Ursprung des Johannes Cotton aufzugeben, 
haben wir keinen Grund. 
Mit den Engländern werden wir es auch im Folgenden mehrfach zu 
tun haben. | 
Unter den Briefen des hl. Hieronymus steht in den Drucken, z.B. 
in Mignes Patrologie!2®), und in einigen jungen Hss. eine ‘Epistola Valerii 
ad Rufinum de non ducenda uxore.’ Sie ist keineswegs aus der Feder 
des Kirchenvaters geflossen. Wir sehen in Valerius einen Decknamen. 
Im Mittelalter, das außerordentlich großes Gefallen an der misogynen 
Briefabhandlung fand, sie vom 13.—I5. Jahrhundert sehr oft abschrieb 
und verschiedentlich lang und breit erklärte, hielt man Valerius, durch den 
Namen und den anekdotischen Inhalt verführt, für einen antiken Schrift- 
steller. Sz autem queritur quis fuit isie Valerius et hic Rufinus, videtur 
mihi adpresens Romanus fuisse et eundem fuisse Valerium qui historias 
Romanorum prosaice scripsit, non Valerium Martialem poetam schreibt 
ein anonymer Kommentator!2?), ein anderer sagt noch klarer!?%) Tal: 
affeccione el dileccione scridsit Valerius Maximus epistolam amico suo 
Ruffino ad consulendum et exhortandum ne duceret uxorem. — — — 
Iste Valerius scripsit de memorabilibus dictis ei factis Romanorum usw. 
Auch Thomas de Hibernia im ‘Manipulus florum’ und andere identi- 
fizieren den Briefschreiber mit dem antiken Valerius Maximus. Dagegen 
bemerkt Nicolaus Triveth!?!), ein namhafter englischer Schriftsteller, 
der bis 1328 lebte: Sciendum, quod tres fuerunt Valerii et omnes erant 
Romani. Unus erat Valerius Marcialis cocus, qui fecit ebigrammata lu- 
dicra. Alius fuit Valerius Maximus, qui scripsü de dictis et factıs memo- 
yabılıbus ad Tiberium Cesarem. Tercius fuit ıste Valerius et non fuit idem 
alicui primorum, licet auctor manipuli florum dicat eum esse secundum 
predictorum. Rufinus fuit bhilosophus ei Romanus. Ohne die Zuwei- 
sung an Valerius Maximus zu billigen, hält Tr. am altrömischen Ursprung 
fest. Daß das Werkchen im Mittelalter von einem seiner englischen 
Landsleute verfaßt war, ahnte der gelehrte Dominikaner nicht. Sogar 
moderne Forscher waren von der Wahrheit noch reichlich weit entfernt, 
so Lucian Müller!#), als er die Briefabhandlung ins 6. Jahrhundert 
setzte. Man muß sechs Jahrhunderte dazu rechnen, um zu dem richtigen 
Urheber, .zu Walter Map, zu kommen. Map konnte solange verkannt 
werden, da in der überaus reichen Einzelüberlieferung des Briefes fast 


24 Walter Map, De nugis curialium 


immer nur Valerius steht. Eine einzige Hs. hat die Aufschrift Eistola 
mag. Walteri Map ad quemdam socium suum, ul dicit, uxorari volentem. 
Selbst dieser Angabe wäre nicht zu trauen, zumal da auch sonst Werke, 
namentlich poetische, unter Maps Namen gehen, die nicht von ihm sind. 
Jedoch bezeugt Walter Map, der bis in die ersten Jahre des 13. Jahr- 
hunderts am englischen Königshofe, als geistlicher Würdenträger in 
Oxford und anderswo lebte, ausdrücklich von dem sicher von ihm her- 
rührenden auch nur in einem Codex überlieferten Werke ‘De nugis curia- 
lum’, daß er den Brief fingiert hat. Er berichtet von einem philo- 
sophisch gebildeten Freunde, den er nach langer Trennung wieder ge- 
sehen und ganz verändert, einsilbig, bleich, verstört gefunden habe. 
Wodurch dieser Wandel? Uxorari tendebat! Walter habe mit ihm spre- 
chen wollen, sei aber nicht angehört worden; u? omnes amicicie vices 
implerem, ebistolam ei scribsi, mutatis nominibus, me qui Walterus sum 
Valerium vocans, idbsum qui Johannes est et ruffus Ruffinum, pretitulavi 
ebistolam sic ‘Dissuasio Valerii ad Ruffinum philosobhum ne uxorem 
ducat’. Nach Hintons!#) Untersuchungen ist das betreffende Stück 
von Maps De nugis curialium Sept. ıı8r fertiggestellt worden. Den 
Brief allein hatte Walter schon früher veröffentlicht. Sein Freund Petrus 
“von Blois!%#) hat ihn sehr bald nach Erscheinen literarisch benutzt, 
wie andererseits Map manches Peter verdankt. Daß man die Brief- 
abhandlung gern gelesen und abgeschrieben, aber seine Autorschaft be- 
zweifelt hätte, erzählt Map selbst (p. 158): Scimus hanc placuisse multis, 
avide rapitur, transcribitur intente, blena iocunditate legitur. Meam tamen 
esse quidam, sed de plebe, negant. Epistole enim invident, decorem suum 
ei violenter auferunt et auctorem. Hoc solum deliqui, sed vivo. Verump- 
tamen hoc morte mea corrigere consilium non habeo. Und dann spricht er 
mehr spottend als klagend über die Unsitte, neue Schriften, weil sie neu 
sind, geringer zu schätzen als alte. Mit Rücksicht darauf habe er sich 
seinem Werke als Darsteller einer früheren Zeit ausgegeben usw. 

Das vor der Ehe warnende Schreiben dieses Valerius-Walter ist voll 
von Beispielen, Belegen, Berichten aus der biblischen und der griechisch- 
römischen Überlieferung. Manches ist aus der Heiligen Schrift selbst, 
anderes aus Hieronymus und Augustinus, anderes aus Ovid, Vergil, 
Horaz, Juvenal, Aulus Gellius, Cicero, Martial, Martianus Capella ge- 
nommen. Für mehrere Namen und Anekdoten ist die Quelle noch nicht 
wiederentdeckt, obwohl danach gesucht ist, namentlich vom letzten 
Herausgeber M.R. James, von James Hinton!#) und natürlich auch 
von mir. Daß Map alles, was wir heute nicht bei früheren Autoren be- 
legen können, einfach aus der Luft gegriffen hätte, glaube ich nicht. 
Wenn er z. B. den Mann, der Caesar kurz vor seiner Ermordung gewarnt 


Caecilius Balbus und Flavianus 25 


haben soll, Tongillus oder Tongtlius nennt, so widerspricht das zwar 
der antiken Überlieferung. Aber erfunden ist der verhältnismäßig seltene 
Name nicht. Bei Juvenal (VII 130) kommt ein sonst unbekannter auf- 
spielerischer Protz Tongilius, bei Martial (II 40) ein Tongilius vor, der 
sich krank stellt, um von seinen Freunden Leckerbissen zu erhalten!?), 
und in verschiedenen alten Glossaren!?”). erscheint ein Parasit jenes 
Namens. Martial und Juvenal waren Map gut bekannt. Ob er den 
Namen direkt von ihnen übernommen hat oder auf anderem Wege dazu 
gekommen ist, läßt sich kaum sagen. Wir stehen bei Map in einer Sphäre, 
wo man sich gern mit Fetzen und Federn aus der antiken Literatur 
schmückte und dabei nicht von vielen Skrupeln sich stören ließ. 

So wäre hier.der Platz, ausführlich von zwei angeblich antiken Schrif- 
ten zu reden, die im ı2. Jahrhundert auftauchten und in neuerer Zeit 
die klassische Philologie beschäftigt haben: Ich meine CaeciliusBalbus 
de nugis philosophorum, dessen Entdeckungsgeschichte mit Hamburg 
verknüpft ist, und Flavianus de vestigiis et dogmate philosophorum. 
Beide werden bei Johann von Salisbury (f 1180) angeführt3®) und bringen 
allerlei Aussprüche und Geschichten ausdem Altertum. Seitdem A. Reiffer- 
scheid im Rheinischen Museum!#®) streitbar und siegreich gegen E. Wölff- 
lin auftrat, leugnet man mit guten Gründen die Existenz eines antiken 
Schriftstellers Caecilius Balbus. Dagegen ist durch Eduard Wölfflin, Wil- 
helm Meyer!@%), Scheibmaier!#) u. a. richtig gezeigt worden, daß das 
Material, dem Johann v. Salisbury den Namen Caecilius Balbus beigegeben 
hat, mit wirklich alten Sentenzensammlungen zusammenhängt. Die Un- 
tersuchung dieser wie anderer Spruchsammlungen ist freilich noch weit 
vom Abschluß entfernt. Darum gehe ich auf die Probleme, die sich an 
sie und Caecilius Balbus knüpfen, nicht weiter ein. Bei Flavianus hat 
man Johann von Salisbury weit mehr Glauben geschenkt. Die meisten 
Gelehrten identifizieren ihn mit Virius Nicomachus Flavianus!@), der 
um 400 n.Chr. lebte. Johann von Salisbury soll tatsächlich ein sonst 
verschollenes Werk dieses Mannes ‘De vestigns et dogmate philoso- 
phorum’ gekannt und benutzt haben. Wenig beachtet wurde, daß 
Valentin Rose1%), der doch ein beachtenswerter Gelehrter war, die 
Meinung ausgesprochen hatte, es handle sich um ein Werk desjenigen 
Flavian, den der Langobarde Paulus Diaconus im 8. Jahrhundert seinen 
Lehrer genannt hat. Für mich ist die Flavianusfrage keineswegs gelöst. 
Es kann auch ein viel späterer Flavianus gemeint sein. Der Name Flavian 
kommt mehr als einmal vor. Ja, an einen Decknamen für einen mittel- 
alterlichen Schriftsteller oder Sammler zu denken, ist durchaus nicht 
absurd; ein englischer Bibliothekskatalog!) des 15. Jahrhunderts führt 
‘Versus Flaviani ad Quintillianum de curia vitanda’ auf. Dieser Flavian 


26 | Anekdoten und Inschriften 


ist doch schwerlich ein echter Zeitgenosse des Rhetorikers Quintilian 
gewesen. Stutzig macht mich unter anderem ferner, daß gelegentlich 
im 14./15. Jahrhundert, von ‘Flavianus in gestis Grecorum’ gesprochen 
wird. Auf ihn berufen sich die leider noch nicht gedruckten und nicht 
näher untersuchten Flores morales eines Codex Sangermanensis in Paris.145) 

Das ist doch wohl derselbe pseudo-antike Autor, von dem eine Jenaer 
Hs. des 15. Jahrhunderts mit der Einführung Hec Flavianus recilat in 
Grecorum gestis de urbe Romana’ erzählt, daß auf den vier Toren Roms 
je 3x3C, 3x 3F, 3x 3L, 3x 3V in folgenden Versen gestanden 


er .146 
hätten :'#) Caritas Castitas Combassio refrigescunt, 


Census Caro Crudelitas incalescunt, 
Consilia Concordia Coniugia evanescunt. 
Fortes Fideles Filir regnaverunt, 
Ficti Falsi Fatui successerunt, 

Fures Fastes Feminei succreverunt. 
Lex Latet veritatis sub Livore, 

Laus Languet sanctitatis sub Liquore, 
Lux Luget civitalis sub Labore. 

Vxor Voluptas Vsus prevaluerunt, 
Vsura Vates et Vanıtas insonuerunt, 
Virtus Vigor et Valor evanuerunt. 


Merkwürdigerweise bringen der einzige Textzeuge von Maps De 
nugis curlalium in einem Anhang'!#”), der nicht von Map stammen dürfte, 
und dann noch zwei andere englische Hss.1#) dasselbe ausführlicher für 
Karthago. Da läßt man Hannibal durch Vergil über die Tore und die 
seltsamen Verse aufklären. Der Gewährsmann heißt bald Flavianus, 
bald Flaccianus, bald Flaccensius, das Werk Gesta Grecorum capıtulo 
de prudencia oder Gesta Carthaginiensium. Merkwürdigerweise werden 
verschiedentlich noch andere Anekdoten desselben Historikers erzählt. 149) 
Sie werden verstehen, daß durch die Nachricht von den Versen eines 
Flavianus an Quintilianus, durch die wunderlichen Geschichten von 
den Toren Roms bzw. Karthagos meine Bedenken gegen den Flavianus 
des Johannes von Salisbury gesteigert sind. Ich gebe zu, daß die Verse 
an Quintilian und die Gesta Grecorum nachträglich in Erinnerung an 
die Flavianzitate Johanns fingiert sein können. Jedoch passen alle 
Anekdoten so in der Art zusammen, daß ich sie ein und derselben Quelle 
zuschreiben möchte. Diese mag antikes Gut mit sich geführt haben. 
Sie im Ganzen antik zu nennen wage ich nicht. Einstweilen glaube ich, 
daß man es mit einer mittelalterlichen Kompilation zu tun hat, zu der 
ein Gelehrter etwa des ız. Jahrhunderts unter dem erborgten Namen 


Boethius de disciplina scolarium 27 


Flavians von überall her Merkwürdigkeiten zusammensuchte und bei 
der auch die Phantasie stark mitgewirkt hat. Von Sicherheit oder 
Wahrscheinlichkeit kann man weder*gegenüber dem Problem Caecilius 
Balbus noch gegenüber dem Problem Flavianus sprechen, wie es auch 
noch ungeklärt ist, daß man in alten Marginalnotizen zu Johann von 
Salisbury15%) mehrfach einem Schriftsteller Catulus Parmensis begegnet, 
der sonst unbekannt ist, vielleicht ein Fiktionsprodukt aus Cassius 
Parmensis!5t) und Catullus Veronensis. Ich bekenne mich zur Skepsis 
und möchte zweierlei grundsätzlich betonen: 

Wir kennen zwar die antikes Erbe und mittelalterliches Neugut ver- 
mengenden Sammlungen von Apophthegmen, Sentenzen usw. noch längst 
nicht genug und tun deshalb gut, mit Vorsicht Aussprüche und Erzäh- 
lungen, die einstweilen nicht durch glaubwürdige Zeugen für das Altertum 
belegt sind, ohne Umstände in Bausch und Bogen als mittelalterliche 
Fiktionen abzutun. Andererseits ist im Auge zu behalten, daß es im 
mittelalterlichen Schrifttum Erfindungen von Literaturwerken undZitaten 
und schein- antike Autorenbezeichnungen gibt. Zumal das 12./13. Jahr- 
hundert hat derartiges reichlich geliefert, und gerade in England und 
Frankreich hat es die humanistische Richtung dieser Zeit geliebt, Deck- 
namen aus der Antike zu wählen und die an sich schon beträchtlichen 
Kenntnisse des Altertums noch aufzuputzen und aufzufüllen. 

Für uns Mittellateiner ist die Betrachtung und Würdigung der seit 
dem 12. Jahrhundert stärker in Erscheinung tretenden Neigung, antike 
und pseudo-antike Erzählungen, Sentenzen oder auch nur Namen zu 
bringen, wichtig unter anderem deswegen, weil wir so manche Werke 
der Erzählungs- und der Erziehungsliteratur des späteren Mittelalters 
verstehen lernen. | 

Es existiert seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine sehr 
schnell zu Ansehen gelangte, oft abgeschriebene, in den Schulen und an 
den Universitäten bis ins 16. Jahrhundert planmäßig gelesene und er- 
klärte, sogar mittelalterlich ins Deutsche und ins Französische über- 
setzte lateinische Schrift mit dem Titel Boethius de disciplina sco- 
larium!52). Ihre Absicht ist ganz deutlich das Unterrichtswesen, das 
Schülerleben, namentlich an der Universität Paris zu kritisieren. Der 
Autor ist weder der karolingische Johannes Scottus noch der einen ganz 
anderen Stil als der Pseudo-Boethius schreibende Dominikaner Thomas 
von Chantimpre& aus dem 13. Jahrhundert, noch der Karthäuser Diony- 
sius Rickel vom Ende des Mittelalters, sondern wahrscheinlich ein 
Deutscher, der in Paris seine Bildung empfangen hatte und seine päda- 
gogischen Erfahrungen und Ansichten in den ersten Jahrzehnten des 
13. Jahrhunderts schriftlich niederlegte.e Er hat mir seinen Namen 


28 =»  Conradus; Gesta Romanorum 


durch ein von der Forschung nicht recht beachtetes Akrostichon ver- 


raten 153 er ; | 
) Consiliabor item gnatgrum solvere carmen, 


Obliqua acie surdus ab arce vehor. 

Non pudeat struxisse dolos ex aggere sato, 
Rumiferos sonitus dum movit ampla seges. 

Aderat interdum rabies sontermina pbonto. 
Dum loquor, ex quarto capite confer opus. 

Uos precor, o iuvenes,. quibus est celebranda iuventus, 
Suggerat innocuos nunc mea lyra modos, 


also Conradus, dieser gibt sich aber in der Vorrede und im Werke selbst 
für den berühmten Boethius des 6. Jahrhunderts, worauf von Roger 
Baco ab bis in unsere Tage mancher tüchtige Forscher hereingefallen 
ist154), erzählt von seinem angeblichen Studienaufenthalt in Athen und 
bringt in oft schwer verständlicher Sprache eine Menge griechisch-rö- 
mischer Anekdoten. Keine einzige habe ich trotz eifrigen Suchens in 
der antiken Literatur wiedergefunden. Pseudo-Boethius hat sie erfunden 
oder aus ganz unbekannten Quellen, die mittelalterlich sein können, 
übernommen, nicht aus Freude am Lügen und Lügenhaften, sondern in 
jener großen Verehrung des Altertums, die sich bewußt war durch antik 
scheinende Beispiele am leichtesten die gelehrte Welt ihrer Zeit fesseln 
und belehrend wirken zu können. Mehr über diesen Mann und sein 
Werk möchte ich erst dann sagen, wenn meine Forschungen helleres 
Licht über die dunkle Schrift verbreiten können. 

Aus der sonstigen mittellateinischen Literatur des 14. Jahr- 
hunderts, die erzählend erzieherisch sein wollte, die dann, als der päda- 
gogische Erfolg abgeschwächt war, in das Fach der Unterhaltungs- 
bücher hinübergewandert ist und für Dichter wie Boccaccio, Chaucer, 
Shakespeare u.a. dank Mittelquellen noch über Friedrich Schiller und 
Walter Scott hinaus eine Fundgrube für Novellen, Romanzen, für Dich- 
tungen verschiedenster Art gewesen ist, seien noch einmal die weitver- 
breiteten GestaRomanorum genannt, die zuerst auf deutschem Boden 
zusammengestellt zu sein scheinen, frühzeitig in England umgearbeitet 
sind. Ein einziges Beispiel kann genügend zeigen, wie man da einen an- 
tiken Schriftstellernamen verwertet hat: Valerius. Gewöhnlich ist da- 
mit Valerius Maximus und seine Anekdotensammlung gemeint, zuweilen 
Walter Map wegen seiner Dissuasio Valerii, gelegentlich Alexander 
Neckam.155) Und in einigen Fällen vermögen wir den zitierten Valerius 
gar nicht zu identifizieren. So soll ein Valerius erzählt haben, daß in 
Rom eine alte Säule mit rätselhaften Buchstaben gefunden und als 
Weissagung des Untergangs von Rom gedeutet wurde: 


_ Rätselhafte Säuleninschrift 29 


Refert enim Valerius, quod in Roma vidit in una columbna quatuor 
litteras, quarum quelibet ter scribebatur, ires PPP, ires SSS, tres RRR, 
tres FFF. Visis literis dixit ‘Heu, heu! Confusionem video civitatis.’ Isti 
satrape hoc audientes dixerunt “Magister, dic concebtum tuum!’ At ille 
‘Talis est exbosicio hitierarum: 


Pater Patrie Perditur 
Sapiencia Secum Sustollitur, 
Ruunt Regna Rome 
Ä Ferro, Flamma, Fuma.’ 
Et sic factum est. (ed. Oesterley cap. 42.) 


Sieht man sich in der Überlieferung um, was vor mir schon 
G. Schepss156) ohne Benutzung der Gesta Romanorum getan hat, findet 
man dieselbe Anekdote, hie und da variiert, in Handschriften aller Jahr- 
hunderte des Mittelalters wieder!5”), kommt vom 14./15. bis ins 8. Jahr- 
hundert zurück und erfährt, daß man direkt im Angelsachsen Beda den 
Deuter der Inschrift gesehen und seinen Beinamen Venerabilis als Lohn 
für die damals vor der Säule bewiesene Weisheit aufgefaßt hat. Zwar 
ist Bedas Autorschaft ganz unglaubwürdig, aber daß die bei der ersten 
Lektüre so spätmittelalterlich aussehende Anekdote schon in der angel- 
sächsischen Überlieferung des 8. Jahrhunderts umhergeht, ist durch die 
handschriftliche Überlieferung fest bezeugt. So reichen sich hier Früh- 
mittelalter und Spätmittelalter die Hände im staunenden Hinschauen 
nach dem antiken Rom, seinem Geistesleben, seinen weltpolitischen 
Schicksalen. 

Anstelle der wahrhaft großen und lockenden Erscheinungen und 
Namen, deren es im mittellateinischen Schrifttum eine Menge gibt, habe 
ich Ihnen Werke vorgeführt, deren Verfasser es oft nicht für gut und 
klug gehalten haben, sich selbst zu nennen und infolgedessen leicht ver- 
kannt sind, Werke, die, für sich allein genommen, zumeist unbedeutend 
oder mittelmäßig sind und gewöhnlich erst dann an Interesse gewinnen, 
wenn man ihren Zusammenhang mit der Antike und ihre Wirkungen auf 
die Umwelt und Nachwelt, auf die sonstige mittellateinische Literatur 
und besonders auch ihren Einfluß auf die Literatur der modernen Sprachen 
des Abendlandes abwägt. Gegen den Vorwurf, geldgierige oder ehr- 
geizige Fälscher gewesen zu sein, kann ich die meisten der behandelten 
Verfasser in Schutz nehmen und erinnern an die Zufälle und Mißverständ- 
nisse bei der zuweilen erst nachträglich erfolgten Zuweisung an eine be- 
stimmte Größe des Altertums, an die Generalisierung der Namen eines 
Ovidius, eines Fulgentius, an die Harmlosigkeit der Namensanmaßung 
in schriftstellerischen und schülerhaften Übungen, die antiken Autoren 


30 | Schlußwort 


nachzuahmen und fortzusetzen., Bewußte Fiktionen größeren Stils liegen 
vor in Ovidius de vetula, in Boethius de disciplina scolarium, vielleicht 
auch in den dunklen Zitaten der erzählenden und moralisierenden Literatur 
des Spätmittelalters. Darüber sich entrüsten und aufregen wird nurder, 


der vergißt, wie im IQ. und 20. Jahrhundert Gelehrte, die mit den besten . 


Hilfsmitteln und Methoden ausgestattet waren, angesichts der mittel- 
alterlichen Erzeugnisse ihre Urteilsfähigkeit keineswegs immer in glän- 
zendstem Lichte gezeigt haben, vergißt, wie viel törichter oder wie viel 
gemeiner in moderner Zeit gar oft plagiiert und gefälscht ist. 


ANHANG. 
I. 


Die Pyramus- und Thisbedichtung des Matthaeus von 
Vendöme. 


Cambridge, Trinity College Ms. R. 14, 22 (James Ms. 895) fol. 91”—93”, 
saec. XIV, fol. gr” in margine: Vindocinencis composuit versus infra- 
scriptos. Bei der Entzifferung und Emendation des ungedruckten Ge- 
dichtes unterstützte mich mit Eifer und Scharfsinn einer meiner Schüler, 
stud. B. Bischoff. 


Est amor amoris species et causa cruoris, 
dum trahit insanus in sua fata manus. 
Piramus et Tisbe duo sunt nec sunt duo, iungit 
| ambos unus amor nec sinit esse duos. 
5 Sunt duo nec duo sunt, quia mens est una duorum, 
una fides, unus spiritus, unus amor. 
Esse duos prohibet amor unicus, una voluptas - 
et probat alteritas corporis esse duos. 
Sunt duo, sunt unum, sic sunt duo corpore, mente 
10 unum sicque duos unicus unit amor. 
Mente pares, par forma beat, par gracia morum, 
par generis titulus, par pietatis honor. 
Sunt similes facies, solus dissimilis sexus 
audet eos reliquis dispariare pares. 
15 Piramus est preclarus avis, presignis honestis 
moribus atque puer nil puerile sapit, 
provecte non mentis eget proveccio sensus, 
miratur teneras degenerare dies, 
non fastus vicium mores predatur honestos. 
20 Tot bona nequicie non premit ulla lues. 
Est titulo morum Tisbe preclara, benigna 
alloquio, vultu florida, dives avis, 
nature fragilis impungnat crimina sexus; 
femina femineum degenerare facit. 
25 Pronior in Venerem puericia labitur annis; 
ius habet invitus imperialis amor. 


32 | Pyramusdichtung des Matthaeus 


Hec iuvenem recolit, amat hunc et amatur et una 
mens, virtus fecit durius esse malum. 
Est Tisbe minus hoc solo perfecta sed evo, 
30 sed specie iuvenis esse coacta potest. 
“ — Causa fuere mali lascivia, victus, amice 
collogquium mentis contigueque domus, 
Irritatur amor, sic maior causa furoris, 
verbis nec rebus compatiente loco. 
35 Crescit amor nec amor, ymmo furor, ymmo furorem 
excedit rabies non habitura modum. 
Cui paries perfissus erat; sintillula rime 
blandos permittit ire, redire sonos 
ad votum pia rima facit, largitur amoris 
40 | blandicias, risus, murmura vocis iter. 
Verba ferunt, effectus abest; si verba sequatur 
res, fiet felix copula iustus amor; 
lege thori cupiunt iungi, sed dura parentum 
cura vetat fieri, quod voluere duo; 
4 quod potuere vetare, vetant; ignara vetari 
utitur arbitrio liberiore Venus, 
augmentatur amor vetitus nescitque teneri 
et vetitas gaudet amplificare vias. 
Lux coniungit eos, nox separat, unio mentis 
so diversi spacio temporis una manet. 
Corpora, non animum nox noxia separat, instat 
" presentans, quod abest inviolatus amor. 
Piramus augmentat Tisbes incendia, nocte 
absentem puerum sedula virgo videt, 
s5 nocte videt, quod abest, quod abest presentat amanti 
et videt in tenebris queque remota Venus. 
Nocte decus iuvenis recolit: pia verba, iuvente 
florem, cesariecm), colla, labella, genas. 
Que memorat bona queque nocent, dum queque recurrit 
60 anxietas geminat congeminata malum. 
Non minus excruciat iuvenem prestancia Tisbes: 
0S rOseum, rixus gracia, frontis honor, 
dum recolit Tisbes rixus, decus oris, ocelli 
delicias, crines, colla. Perire potest 
65 ignis, uterque perit, sic flamma leditur, urit, 
uritur, optatur, optat, amatur, amat, 
pensatur rabies rabie, par anxietate 
anxietas, ignis igne, furore furor. 
Mane petit rimam, voto solacia, verbis 


35 Cresscit Hs. 61 iuvenis Hs. 


Pyramusdichtung des Matthaeus 


70 


75 


80 


85 


95 


oo 


105 


pretendunt, rime basia blanda premunt, 
hinc iuvat, inde nocet, nocet irritando furorem, 
sed iuvat alloquium suscipiendo pium. 
Nox ingrata venit, periussa licencia vocis 
permittens risus, murmura, rima rimat, 


da(m)pnat vota locus, qui prestat murmura vocis, 


denigrat paries diminuitque bonum; 
ingenium male sollicitant rebusque sinistris 
plenius anxietas ingeniosa sapit. 
Se dolus egroto medicum pretendit amori, 
auxilium fraudis postulat egra Venus. 
et Veneri fraudis succurrit macina molis, 
evolat ad latebras ingeniosa Venus, 
ut rebus miseris intersit gracia; nocte 
custodes statuunt anticipare suos, 
constituunt loca certa sibi, ne noctis euntes 
nubila perturbent multiplicesque vie. 
Eligitur Nini tumulus, quem morus obumbrat 
ardua, poma gerit candida, fronde viret. 
Alter ut alterius gressus expectet, amantes 
prestituunt placido murmure, pacta place{n)t. 
Nec Veneri parere parant hac fraude mederi. 
Hac properant votis calliditate frui. 
Tisbe prima suos custodes fallit et exit 
et tumulum pacta condicione petit, 
incomitata gradum carpit, gradientis amicum 
comodat in passus luna secreta iubar. 
Prima venit nec nocte timet fraudemque fidelis, 
femina feminea deposuisse potest. 
Resplendens splendore vitro fecundia rivi 
graminea tenui murmure serpit humo; 
unguibus armatus venit hic fera pessima vultu 
torva, cruenta, boum sanguinis plena nimis. 
Ex facili mulier timet occursusque ferinos, 
devitat fovee proximitate fruens. 


33 


Nox, lea visa, comes absens, mala queque minantur, 


virgineos triplicant hec tria iuncta metus. 
Accelerat, venit, accedit fera pessima, rivi 
inpuro purum polluit ore decus, 
dum revocat saciata pedem, velamina Tisbes 
invenit, asspergit sanguine, sternit humi. 
Serior egreditur, custodes fallit amicus, 
passu nocturnum Piramus haurit iter, 


87 Nini] rivi Hs 93 custodes] custodit Hs 108 purum] puro Hs 


Studien der Bibliothek Warburg 13. Heft: Lehmann 


IiI amicos Hs 
3 


34 | | Pyramusdichtung des Matthaeus 


accelerat tumulumque petit, festinus hanelat, 
virgineosque putat accelerare gradus. 
us Dum loca pacta petit iuvenis, vestigia sculpta 
pulvere precedunt significata fere; 
procedit, Tisbes videt velamina sparsa 
sanguine, miratur et notat ora timor. 
Queque metus metuenda canit, peiora minatur 
120 et malus in dubiis esse solet propheta: 
coniectura metus, mala peior pessima, spondet 
illas virginei sanguinis esse notas. 
Tisbes—nec Tisben—cernens velamina crebros 
irruit in fletus, unguibus ora secat. 
125 Credulitas festina nocet, consuevit habere 
effectus fragiles inpetuosa manus. 
Dum nescit vivam, que vivit, fallitur, una, 
in sua fata reas audet habere manus; 
quem tulerat, vite penitralibus ingerit ensem 
130 nec dubitat vite prodigus esse sue; 
sanguinis unda volat alternatoque colore - 
primitus alba facit poma rubere rubor. 
Ex caveis gressum maturat virgo timore 
optato iuvene commemorare parat. 
135 Quem querit, reperit, videt et vidisse cruentum 
mesta dolet, subitus occupat ora tremor, 
expulsus subito color est pallore, ruborem 
legat in exilium vultus, in ore timor, 
dat gemitus, secat ungue genas iuvenisque vigorem 
140 .ut redimat, morti succubuisse iurat. 
Ingnorat, que causa mali, vultumque labellum \ 
percurrens crebris vultibus ora rigat. 
Ut polluta videt sua tegmina sanguine, sensit 
se iuveni causas attribuisse necis, 
145 visa veste malum geminatur, femina tota 
defluit in lacrimas, non dolet, ymmo furit, 
dampno dampna parat sectari, vulnere vulnus, 
mortem morte, manu mortificare manum. 
Rore sinum replet, gemitu loca, “Pirame” clamat 
150 singultu voces impediendo suas. 
Restat adhuc iuveni vite sintullula, tollit 
mortis ab articulo numina fidus amans, 
vite reliquias iuvenis producit, amatam 
ut videat, visa virgine vita fugit. 
155 Visa morte dolet virgo, lacrimatur et ipsa 


115 petit pacta Hs 132 rubere] rubore Hs 140 iurat] iuvat As 149 Nore Hs 


| Pyramusdichtung Dietrichs 35 


vivere turpe putat, mors fugienda placet; 
ensem mesta capit et iam moritura resolvit 
sic in votivas ultima verba preces: 
“Quos mortis sociat modus unicus, unica causa, 
160 clades una, locus unicus, una dies, 
non disiungat eos tumulus, non audeat ulla, 
| quos mors consociat, dissociare manus.’ 
Sic loquitur gladioque dolens incumbit et ansa 
presumit dominam mortificare manus, 
165 jacturam geminans compensat funere funus, 
equatur pestis peste, cruore cruor. 
Non fuit hec frustra votiva peticio Tisbes 
effectusque suos optinuere preces. 
Sic vita sic morte pares capiunt rogus, urna: 
170 urna capit cineres’reliquiasque rogus. 
Iam dictos elegos dictans elegia flevit 
fletu flebilius compaciente loco, 
flendo legat lector; lacrimas lacrimabile, triste 
tristiciam, fletum flebile poscit opus. 
175 Explicit architrenius. 


II 


a) Die Pyramusdichtung des Dietrich. 


Krakau,!) Univ.-Bibl. Ms. 2115 saec. XV (polnischer Herkunft) p. 543 
sqq-. (K 2115); Krakau, Ms. 2141 saec. XV (polnischer Herkunft) p. 128 
sqq. (K 2141); Krakau, Ms. 2233 saec. XV (polnischer Herkunft) p. 
244 sqq- (K 2233). Die drei Krakauer Hss. konnte ich Dank dem Ent- 
gegenkommen der Krakauer Bibliotheksverwaltung mehrere Monate lang 
in München benutzen. 

St. Petersburg, vormals Kaiserl. Bibl. Lac. XVII, q. 18. saec. XV, 
fol. 255 sqq., in fine: finitur Theodricus de Pyramo et Tysbe. Mir nicht 
zugänglich. Vgl. Al. Brückner in Rozprawy akad. Umiejetnoscci. Wyd- 
zial. filol. Ser. 2, tom. I (Krakau 1892), p. 330. 

Wittingau (Böhmen), Fürstl. Schwarzenbergisches Archiv, Ms. A. 4, 
saec. XV (böhmischer Herkunft), fol. 61 sqq. Piramus de amore Thisbe. 
Mir nicht zugänglich. Vgl. ]. Feifalik in den Sitz.-Ber. d. Kaiserl. Akad. 
d. Wiss., Philos.-hist. Cl. XXXIX (Wien 1862), S. 631. 

Wolfenbüttel, Landesbibl. Helmst. 622, saec. XV (Erfurter Herkunft), 


157 ense Hs 


ı) Ich betone nachdrücklich, daß es aller Wahrscheinlichkeit nach noch andere Hss 
mit diesem Gedichte gibt. 


3* 


36 Pyramusdichtung Dietrichs | 


fol. 168 sqq. (H). Nach den Drucken von Hart u. Faral von mir benutzt. 
Veröffentlichung: Pol. Leyser, Historia poetarum et poematum medi 
aevi, Halle 1721, p. 2086 sq. (nur v. I—38 aus H); G. Hart, Ursprung 
und Verbreitung der Pyramus- und Thisbe-Sage, Passau 1889, S. 8ff. 
2. Teil, Leipzig u. Passau 1891, mit Abdruck (aus H); E. Faral, Re- 
cherches sur les sources Latines des contes et romans courtois du 
moyen äge, Paris 1913, p. 4I sqq. (aus H). | 


Carmina fingo, licet iam nullus carmina curet. 
Heu! Quid carminibus prevalet usus opum ? 
Nam puer indoctus et adhuc inplumis egensque 
doctrine studio carmina scire cupit. 
5 Spernitur omnis inops sapiensque parum reputatur, 
si non deliciis polleat ipse satis. 
Qui nunc pomposis incedit vestibus, ille 
creditur esse sciens, nil licet ipse sciat. 
Si sapiens egeat nec abundet vestibus honos, 
10 multa licet sapiat, non tamen ipse placet. 
Non est prudentis hominem cognoscere cultu, 
pulcro vestitu nemo probandus erit. 
Si lupus induitur prepulcro vellere nequam, 
hunc sua nequitia per sua facta probat. 
3 Non propter censum quivis probus esse probatur, 
non facit esse probum quemlibet agger opum. 
Numquam spernatur sapiens, licet huic dominetur 
pauperies nimia, post quia dives erit. 
Invidus invidia rogo ne mea carmina carpat 
20 nec me crudeli rodere dente velit. 
Non quia ditari cupiam per munera multa 
nec quia sum vane laudis avarus ego, 
sed quia torpentem facit omnis inertia mentem, 
hos scribo versus, multa nociva fugans. 


'Thidericus de amore Tisbe K2115, Tidericus intitulatur de Piramo et Tisbe etc. 
K zı4r, Incipit carmen Titiri de Tisbe et Piramo K 2233 ı iam vor fingo K2233 
nullus]n’ 7 curet] curat K 2115, 214I 2 Heu quid Hugo Trimb., Heu! quia H, 
Iam, heu K 2115, 2233, Nam heu K 2141 3 egens K 2II5, 214I 4 d. st. dogmata 
scribere studet K 2115, 2141, d. st. dogmate scire studet X 2233 5 sapiens parumque 
K 2115, 214I . 6.deliciis) divicis X 2141 und Faral als Vermutung im Apparat 
satis) solis X 2233 7 vestibus incedit, ille X 2141 8 gestrichen K 2233 esse] 
ipse K 2115 9 fehlt K 2233 habundet HZ, abundat K 2141 honos] ille X 2115 
ıo sapiat fehlt H, sapiet K 2115 non] nec K 2115, 214I ipse] ille X 2115, 2233 
11 congnoscere H 73 prepulcro] de pulcro K 2115, 2141 15 probus] bonus K 
214I probetur H, putatur K 2141 ı7z Numquam spernetur X 2115, Non asper- 
netur HK 2233 ı8 Paupertas nimiam H post quia H K 2233, probus hic quoque 
K 2115, 214I ıgne] non K 2115, 2141, 2233 22laudis vane K 2115 23 torpentem 
K 2141, torporem K 2233, torpere H K 2ıı5 mentem K 2115, 214I, mentis K 2233, 
sensum H 24 fehlt K 2233, Hos fingo versus multa nociva fugens K 2115 


Pyramusdichtung Dietrichs | 37 


25 Dirige, musa, stilum, sine te quia scribere frustra 
tempto, dictandi sum nec in arte valens. 
Ardua temptari possunt a quolibet, in quo 
credulitas regnat de benitate Dei. 
Hac ego confisus audacter singula tempto 
so et metuendo nichil scribere plura volo. 
| Est quia parva michi mens et minor ars ratione, 
dictandi minimum cogor habere modum, 
ut stultos ego subiciam, quoniam sapientes 
rodere non cessant et mala facta probant. 
35 Cum multi tales sint, qui laudabile culpent, 
non pudor ergo michi, si mea scripta premunt. 
Est michi pulcrorum verborum copia parva, 
sed tamen incipiens dicere pauca volo: 


Narratur Babilon urbs dicta duos aluisse, 
40 quorum forma decens atque decora fuit. 
Illos dissimiles sexu natura creavit, 
feminei sexus una, vir alter erat. 
Ambo parentela nati de nobiliore 
: virtutis titulo floridiore vigent. 
s Nomina ne lateant vos: Piramus hic, quoque Tisbe 
illa, sed etatis ambo fuere paris. 
Et sociis hic exemplum virtutis habetur. 
Nam puer ipse manens facta probanda facit, 
femineos mores hec transcendens bonitate 
so est inter socias virginitatis honor. 
Cum sic sint ambo virtutis honore probati, 
hos quivis sapiens ex ratione probat. 
Qui dum transcendunt sic per annos pueriles, 
annis nubilibus aptus uterque fuit. 
25 conscribere K 214I 26 t. d. sum hac nec in arte valens K 2115, t. d. sum sine ac 
nec arte valens K 2147, t. dictando sum nec arte valens X 2233 27 in quo] equo 
K 2115 28 crudelitas K 2115 29 fehlt K 2141 3ı Est] En H K 2115, 2233, 
cum K 214I 32 minima H, nimium K 2233 33 stultus X 3115, 214I U. st. e. 
quam subiciam sapientes K 214T, u. st. e. subiciam (subiaceam) qui sunt sapientes 
HK 2233 subiaceam H 34 et mala] nec bona H 35 sunt K 2II5 culpant 
K 2II5, 214I 36 ergo michi K 2115, 2233, go tu K 2147, est ergo H scripta] 
facta K 2115, 214I, 3233 premant K 2233 37 Est] En H, Est aus En verb. K 2115 
parva] hulla K 2233, multa K 2741 38 Sed] Sic H pauca docere volo K 2747 
39 aluisse] habuisse K 2115, 2141, 2233 4o forma] fortuna K 3141 41 dissimili H 
natura sexu K 2141 42 femineo sexu K 2115 214I, femina sexu K 2233 una] hec 
K 2115, sed K 2141 vir alter] et vir unus alter K 2233, vir et alter K 2115, vix et 
alter X 2741 43 natisunt de K 2115 2141, 2233 nobiliore] meliori K 2115, 2233 
45 ne]non K 2115, 214 I 46 etate — — pares K 2115,2141,2233 47 virtutisexemplum 
K 2115, 2233 49 transcendens] transcendit X 2141, 2233, transcendunt K 2175, ascen- 
dens H s5oest] et K 2141, en H 52 hoc K 2115, has K 2233 53qui cum tran- 
scenderant annos ambo pueriles K 2233, qui bene transcenderant annos (suos) pueriles H 


38 | Pyramusdichtung Dietrichs 


ss Omnia que vincit Venus, illos illaqueavit 
atque illos nimium ferre iubebat onus. 
Cipridis imperio plecti coguntur amore; 
‚. namque pari Veneris ardet uterque face. 
Hic quod amat, latet hanc, quod et illa, latebat et illum, 

60 sed tandem tacitus notificatur amor. 
Nullus amor poterit celari tempore longo, 

his tamen ille diu dissimulatus erat. 
Amborum tecta fundo sociantur eodem, 
sed quidam paries dividit illa tamen. 

65 Rima vetus patuit, que nuncia verba referre 

non negat, hec quoniam vocis habebat iter. 
Illuc conveniunt, Veneris sub fasce gementes 
et nimium dura se vincula ferre fatentes. 
Piramus eloquitur, quod amore nimis crucietur 

90 et quod leticie raro sibi copia detur, 
dicens: ‘In causa Venus est, cur letificari 
non mea corda queunt, si non vult hec moderari. 
Plurima vis sub corde meo dominatur amoris; 
sunt idcirco michi cause morbi gravioris. 

78 Tu morbum poteris permagnum sola mederi 
et mea vita potest per te suffulta videri. 

Si mea vita perit, tibi nil erit utilitatis. 
Unde michi prodit spes magna tue bonitatis. 
Est homini magna clementia nolle nocere, 

80 vel cum posse datur vel causam possit habere. 
Auxilium michi fer, quod unica posse putaris, 
et tu sola mee cum vite spes habearis.’ 

Cum Tisbe nosset hec verba viri referentis 
atque gravem Veneris fascem se ferre querentis, 

85 conticet et magna suspiria ducit ab imo 


56 Atque illos) Ac ipsos H 57 amore] amare K 2233 Cupidinis imperio flecti K 2141 
58 Namque] Nam K 2175, 2141, Non K 2233 60 sed tamen hic tacitus X 2115, 214I, 
2233 62 ille fehlt K 2233 63 ambo K 2233 64 quidam] quod erat K 2115, 214I 


tamen] tantum K 2233 65 nuncia] mitia 7 66 hec ]hanc K 2115, et K 21gI 
67 Dlic K 2115, 214I, 2233 face K 214I 68 vincula] iacula K 2175 fatentur 
K 2II5, 2233 69 cruciatur K 2II5, 2233 zwischen 69 u. 70 noch der Vers: et 
raro poterit letari propter amorem K 2141 70 sibi raro K 2141 71 In causa] 


Iucunda H (laut Hart), Materia H (laut Faral) 73 sub] in 7 74. morbo graviores 
K 214I 75 morbo — permagna H 76 et per te vita mea (mea fehlt K 2233) potest 
suffulta videri X 2115, 214I, 2233 _ 77 erit] est K 2115, 2141 prosit Hss., prodit Hart 
79 Est] EnH (laut Faral, während Hart Est liest) 80 datur] detur coni. Hart 80 Ut 
cum K 2115, 214I, 2233 81 Idcirco mihi non noceas, quod abinde probaris H que 
unica posse K 2175, que unica esse K 214I 83 Dum Tysbe nosset K 2775, cum 
Tisbe noscet H 84 fascem Veneris K 2233, faciem Veneris K 214I, pestem Veneris 
K 2115 85 Concitat K 2115, 2I14I, 2233 magno K 2233 


Pyramusdichtung Dietrichs 39 


pectore, reddat ei meditansque verbula primo, 
Tandem prodidit hec dicens: ‘O Pirame, vires 
in me fixit amor. Utinam tu singula scires, 
que mea corda premunt et quanto plector amore! 
90 Fortassis simili tu multarere dolore. 
Pirame, vera loquor! Tibi longo tempore favi 
et nimis ardenter, sed clam te semper amavi. 
Nunc sane fateor, si non ego virgo fuissem, 
primo de Venere tractare minus timuissem. 
95 Sed quia tu primus es causam fassus amoris, 
te sequor. Assensum prebes spaci brevioris. | 
Sed mora! Jungamur! Nullus prohibere valebit. 
Quod duo proponunt, effectu raro carebit.’ 
His ita finitis, dare basia quisque volebat, 
100 sed vetuit paries nec tantum rima patebat. 
Huic rime patule maledicunt, iurgia dantes, 
corpore coniungi quod non pateretur amantes. 
Sed tamen huic grates magnas debere fatentur, 
mutua quod per eam sic verba latenter habentur. 
105 Dant finem verbis, quia sol sua lumina celat 
noxque superveniens lumen lunare revelat. 
Illi legitimo sociati iure fuissent, 
si non ipsorum patres illud vetuissent. 
Non inhibere foret melius, quia nulla cupido 
ro censu nec verbis extinguitur ulla libido. 
Postera lux aderat, et predicti redierunt 
ad loca, nota sibi, sed que secreta fuerunt. 
Rursus de Venere tractant et multa queruntur, 
per que tortantur minus hii, qui amore fruuntur. 
115 Tandem constituunt, quando nox orta fuisset 


86 reddit K zı15, 2I14I, 2233 meditansque] meditantis K 2II5, 2I4I, 2233 
87 prodidit hec]) hec prodiit K 2115, 2147, prosiliitque K 2233, perdit nil H O Pirame 
amandi vires K 2233 39 mea fehlt K 2II5, 214I 90 simuli H mulctabere K 2233, 
multo crucioris amore K 2II5, 214I 9ı longo] multo K 2115, 2I4I, 2233 92 sed] 
licet K 2141 93 Nunc] et K 2115, 2141, 2233 94 tractasse A minus ]non K 2115 
95 primus]) presens K 2141 causam es fassus K 2II5, confessus es causam K 2233 
96 prebes] probes H, prebens K 2115, 2141 97 Sic mora K 2115, Sic meam K 2141, 
Sit mora K 2233 gg Hiis ita dimissis K 2233 100 Sed] et K 2115 tantum] tamen 
K 2115, 2233 rumaK 214I ıoı patule] vetule X 2115, 214I 10% paterentur 
H K 2115, petentur K 2141 corpore coniugii quia non K 2115 tamen] bene K 2141 
104 mutua sic p. e. quod K 2115, 214I ‚106 lunare ]luminare K 2141, 2233 
107 Illi] Isti 7 ı08 Amborum patres si non illud metuissent H 109/110 fehlen 
K 2II5, 2233 110 fehlt K 214I ııı PosteaK 2115, 2141, 2233, aderat] redit AM 
et] tunc K 2175 predicta A 113 Rursus] tunc K 2115 ı14 tortantur verb. 
Faral, tartantur H, tradantur K 2115, 214I, 2233 hii qui verb. Lehmann, hi quod 
Ass. fruantur K 2115, 2141 


40 Pyvramusdichtung Dietrichs 
et quando lumen solare fugam rapuisset, 
ut per eos false custöodes decipiantur 
deque suis domibus furtive progrediantur. 
Ne sit oberrandum, dicunt: ‘Loca certa petamus, 
120 ut sic liberius nos coniungi valeamus.’ 
‘“ Pacta placent, adeant ut busta, constituentes, 
qua fons perliquidas facit undas scaturientes. 
Desuper alta fuit morus, que mora gerebat, 
candida primo, sed hanc nigram tus faciebat. 
125 Pactaque constituunt, istius ut umbra petatur 
et, si quis veniat prior, illic operiatur. 
Sic persuadet amor, placeant ut cuncta votiva, 
et facit, omnis amans quod credat mortua viva. 
. Suadet amor vite discrimen sepe subire 
130 atque suis famulis dat mortis pocula dire. 
Omnis amans raro precogitat, utile quid sit; 
nam pro velle suo cuncta licere putat. 
Piramus et Tisbe sic non sunt premeditati, 
utile quid sit eis, sed sua vota replent. 
133 Tempora cum noctis sint pacta, queruntur amantes, 
sol quod ad occasum non properanter eat. 
‘Heu, nox tarda venit, que nos coniungere debet! 
Et querimur tardum sideris esse iubar. 
Devotis precibus te nos, o Phebe, rogamus, 
140 ut cito quadrupedes precipitare velis. 
Phebe, recordare, quod quondam pignus amoris 
imperio Veneris ferre coactus eras. 
Phebe, fave nobis nec protrahe tempora noctis, 
immo tuos cicius merge sub equor equos. 


116 e. q. 1. fugam solo rapuisset K 2141, e. q. solare fugam lumen rapuisset K 2233 
117 falsi K 2115 ıı8 domubus 7 egrediantur K 2141 ııg errandum K 2115, 
2I4I, 2233, operandum H, verb. Faral certa loca K 214I 120 coniungere K 2115, 
ut nos liberius coniungi nos valeamus K 2233, uti liberius ubi nos coitu vale- 
amus H busta adeunt sua K 2175, adeunt sua busta K 2141, 2333 busta (Nini) 
Faral statuentes H, K 2233 122 perliquidus H fecit K 2141, 2233, iacit H, iecit 
coni. Faral scatientes H 123 fuit fehlt K 2141 124 sed hanc nigram tur f. H, 
sed hanc denigrari f. K 2115 verb. zu sed hac nigrescere cor f., sed hac nigra f. K z2ıqr, 
sed nigram hanc cor f. K 2233. 125 istius] hic ut arboris umbra K 2141, hac K 
2115 verb. zw istius petatur] pateatur K 2115 126 et si prius quis veniat K 2233 
operiatur] apperiatur X 2115, constituatur K 214I ı27 Et preservet amor K 2115, 
sed preservatur amor K 2141, Sed conservat amor K 2233 votiva] nociva H (an 
vecte ?) 134 replet K 2233 134 Amor Veneris sit non hominem noscere bonum 
K 214I ı35 Tempore K 32141 sint] sit K 2115, sic K 214I, 2233 136 ad fehE H 
138 Et querimur] conquerimur H, et queruntur K 2115 139 Devotis precibus] 
De noctis portibus H, de noctis portis coni. Faral a Phebe K 2115, 2233 rogantes H 
ı4I pondus amoris AH 142 eras]) thays K 2233 144 sub equore mergas equos 
K 2II5, equos sub equore merge K 2233 i 


Pyramusdichtung Dieirichs 4I 


145 Phebe, iube veniat nox exoptata sororque 
auxilium nobis, si patiare, ferat!’ 
Nec mora; Phebus eis favet, discedere iubet, 
et nox solare depulit orta iubar. 
Tisbe prima loca petiit, que pacta fuerunt, 
150 callida custodes fallit et ipsa suos; 
noctu progreditur et tendit ad arboris umbram 
ac in gramineo sola sedebat humo. | 
Sola quidem sedit, amor audacem quia fecit, 
non formidat amans multa pericla pati. 
155 Forte leena ferox huic affuit ore cruento, 
vicino fonte depositura sitim. 
Qua visa Tisbe nimium fit pallida, more 
femineo metuens aufugit atque latet. 
Que quando fugerat, velamina ventus ademit, 
160 que fera reperiens polluit ore suo. 
Ne fallat Tisben, sua limina Piramus exit 
tardius atque locum, quo fuit illa, petit. 
Quo cum venisset et amantem non repperisset, 
illius pepla sanguine tincta videt. 
163 Piramus obstipuit, palmis sua pectora tundit 
atque trahens gemitus hanc periisse putat. 
Istas proferre voces dolor cogit illum: 
‘O superi, vitam demite, namque gravat! 
Me mea vita gravat, quia Tisbe fata subivit. 
170 Non vereor mortem, mortua cum sit amans. 
Hanc exire domum iussi sub tempore noctis 
et solam petere plena timore loca. 
Cum pro me Tisbe mortis sit passa periclum, 
ergo huius mortis causa probabor ego. 


145 veniat michi nox optata K 2115 exoptata] appata K 2141, appea K 2233 
146 feret H 147 Nec mora; favit eis et discedere iubet X 2147, nec mora; favet 
eos sed et discedere iubet K 2233, nec mora; favet eis et (Phebus) discere rubet K 2115, 
'nec mora; Phebus eis favet, discedere visus H 148 orta] arte K 2115, alte K 2141 
149 prima loca] post leta K 2115, 214I, 2233, primo loca H 152 fehlt K 2141, 
2233 gramine H 153 sedet X 2233 quia] quoque H fecit) reddit X 2233 
154 fehlt K 2141  155cruento] truci X 2233 156 vicina fontem K 2115 157 Tisbe] 
timuit X 2115, 2I4I 2233 158 affugit H, affuit K 2141, effugit Faral 159 que] 
Hec H fugerat] fugeret K 2233, surget H, surgit Faral 160 reperiens] rapiens 
K 2115 162 locum fehlt K 2233, loca K 214I 163 nec amantem reperisset K 274I 
165 tondit X 2233, tundens K 2115, 214I 167 ista H cogit dolor illum H, 
amor cogit illum K 2141, cogit amor ipsius illum X 2115 168 demite] deprimite K 2115, 
premite K 2147 gravat] meam K 2115, 214I 169 gravet K 2115 quia] nam K 
2233 fatum K 2233 170 Non] Nec K 2115, 214I 171 iussit K 2115, iusi verb. 
aus iussit K 2147 sub] pro K 2175 172 timoris K 2ı15, 2233 173 pro) per H 
sit mortis passa periclum K 2233, passa Tisbe sit pericula mortis K 2141, passa Tysben 
sit pericula mortis K 2115 174 ergo huius K 2714, huius go K 2115, Huius enim H 


42 Pyramusdichtung Dieirichs 


175 Heu! Quid tardavi? Quid non loca primus adivi, 
in quibus hec periit preveniente metu. 
Forsan seva fera Tisben vita spoliavit. 
Me fera, posco, velit perdere morte pari. 
Utere, crudelis, in me, fera, dente feroci 
180 et me cum Tisbe fata subire sine! 
Me, superi, vite non commoditate sinatis 
uti, sed subito sim periturus ego! 
Audax posco necem simili de more, sed illam 
mucro michi tribuet. Nam necis auctor ero.' 
185 His dictis.peplum tollens adit arboris umbram 
et primo vesti basia multa dedit. 
Post hoc mucronem solvens superincubat illi 
et penetrare sua viscera tota iubet. 
Piramus ut fuerat lesus, sanguis salit alte 
190 et dicte mori poma rubere facit. — 
Piramum ne fallat, Tisbe prodivit ab antro, 
quo latuit fugiens, ne fera ledat eam. 
Et, dum processit, oculis vestigat amantem, 
hic ubi sit querens, voce nec aure minus. 
195 Eger ut optatam gaudet reperire salutem 
et requiem fessus esuriensque cibum, 
ut potum sitiens, genitos pater, aridus umbram, 
naufragus ut portum, cecus habere diem, 
sic multum Tisbe viso gauderet amante, 
200 et nichil hanc posset letificare magis. 
Huic narrare cupit, vitarit quanta pericla, 
ut foret erepta morsibus ipsa fere. 
Sed nescivit adhuc, quod amans in morte gravatus 
esset ; nullus enim scire futura potest. 
205 Si presciret homo mala, forsan cautior esset 
nec sineret ledi pectora sepe sua. 
Ad morum Tisbe veniens ignorat, an hec sit; 
namque color fructus hanc dubitare fecit. 


175 Quid non] cur non H loca prius K 214I, 2233 178 morte] dente K zıqr 
179 crudeli K 2115, 214I, 2233 in me] nunc me K 2115, 2I4I, 2233 182 sum K 2115 
183 posco] opto H simili) timide 7, timida Faral more] morte H 184 Nam] 
Iam H autor AM ero] ego K 2175 mucro michi tribuat, non vocis autoritas 
K 214I 185 adit) addit 7, adiit X 2147, 2233, adivit X 2115 187 hec H solvens] 
tollens K 2115, 214I superincubit X 2147 189 saliit K 214I, 2233 ıg9ı Pyrame, 
ne Tisbe te fallat 7 prodit X, prodit K 2775, 2141 192 quo] que H 193 Et] 
que H 194 minus] vivus A 195 aptatam H 196 et] ut X 2141 197 genitum 


pater H, pater genitos K 2115, 2I4I, 2233 199 viso multum — — — amantem K 
2141 gaudens X 2115 2oıvitaret X 2233, vitarum K 2115, 2147 203 in fehlt K 2141, 
2233 204 futura scire H 2115, 2I4I, 2233 206 siniret H 207 ignorat] ignorans 


K 2233, non novit K 2115, 214I  hec] hicH 208 fructus] ferus H facit H 


Pyramusdichtung Dietrichs 43 


Cumque foret dubia, respexit, et ecce flagellat 
210 corpus humum, pena precipitante necis. 
Quo viso Tisbe terretur, sed tamen illud 
aggreditur temptans, an foret eius amans. 
Corpore perspecto novit, quod Piramus esset. 
Unde dolens nimium debilitate cadit. 
213 Ipsa cadens pectus cum palmis tundere cepit 
et lanians crines unguibus ora secat. 
Tandem mentis inops se de tellure levavit 
ac ita singultu prepediente refert: 
‘Me miseram Tisben, que tanta potentia divum, 
220 que me quam mori vult graviora pati ? 
‚OÖ superi, michi cur infertis tanta pericla ? 
Cum sit pena michi vivere , posco mori. 
Opto mori, quia vita gravat; dilacio mortis 
penas maiores accumulare potest. 
225 Plus quam fari possit me mora necis angit. 
Vivere vita negat; fas sit obire cito! 
Atrox Fortuna, crudelior aspide surda, 
que sola semper mobilitate viges, 
in me quid sevis? Cur in me spicula torques, 
230 nec sinis vita nec sinis morte frui ? 
In me crudelis dudum non esse valebis, 
armabo proprias in mea fata manus? 
His dictis, gelidis in vultibus oscula figens 
perfudit lacrimis vulnera cruda viri, 
235 os aptans ori sic respiramina vellet 
oris sentire, nec tamen illa potest. 
Amplectens iterum corpus sic vociferatur: 
“Tisben responde, Pirame care michi, 
Pirame, responde, tua te carissima Tisbe 
240 nominat, ob cuius erige vota caput!’ 


209 prospexit K 2115, 2233, prospicit K 2233 210 humum] humanum X 2747, huius 
K 2115, 2141 necis precipiente K 2233 2zıı quo] cum K 2115, 2233 illa K a2ııs5, 
214I, 2233 212 an] si X 2/15, 214I, 2233 amans] amicus K 2175 213 prospecto 
K 2115, 214I, 2233214 debilitata H cedit K 2141 215 tondere K 2233_ 217 leva- 
bat K 2115, 2141, 2233 2ı8atque ita K 2233, sic quoque K 2115, 214I 220 quam 
mori] quum moriar H 221 cur infertis mihi 7 224 maiores penas K 2233 
225 Preter uam H posset K 2115, 214I, possum K 2233 mora me H 226 fas 
sit] possit K 2115, 2I4I, 2233 abire K 2115, 2141 aspida K 2115, asside H 
229 In me quid seviens quid K 2141, In me me quid sevis in me quid K zıı5 
229 torquens H 230 nec sinis morte frui] me sine morte frui H, frui nec morte 
perirem K 2233 vitam H 232 properas H fata] vota H 233 in vultus K 2141 
235 sicut spiramina H 236 illa] ipsa H 237 vociferabat K 2175, 214I 239 tua 
te carissima Tisbe] supplico voce tibi K 2115, 214I, supplicat voce tibi K 3233 Vor 
240 noch der Vers: Sed quia te propter vellem inire necem K 21/75, 2I14I, 2233 240 ob 
cuius] optime K 2175, 2141, opimus K 2233 


44 | Pyramusdichtung Dietrichs 


Cum Tisbes vocem novisset Piramus huius, 
ad vocem relevat lumina pressa nece. 
Ouam cum vidisset, rursus sua lumina celat, 
que, veniente cito morte, gravata iacent. 
245 Tisbe pepla sua cognovit et aspicit ensem 
sanguine perfusum; protulit ista dicens: 
‘Pirame, me causam necis istius reor esse; 
propter me miseram, Pirame, nece peris. 
Pirame, te propria tribuit manus impia morti, 
250 Pirame, nece peris auxiliante manu. 
Nos quoniam socio fueramus amore ligati, 
Condecet, ut tecum seva pericla feram. 
Te manus atque Venus tradiderunt, Pirame, morti, 
perdere debebunt me manus atque Venus. 
25 Nos nox una duos, o Pirame, perdet amantes 
nec quos coniunxit dissociabit amor. 
Ante tamen quam morte cadam, prece supplice posco 
votis supplicibus, si deus ullus adest, 
ut, quos coniungi non permisere parentes, 
260 horum disiungi non sinat ossa rogus. 
Nos tegat urna duos, qui non in morte revelli 
possumus, et tumulus nos velit esse simul. 
Que tectura duos es morte, geras nigra poma 
inque nigro fructu cedis habeto notam!’ 
265 Hec Tisbe verba cum dixerat, arripit ensem, 
qui babilonico sanguine tinctus erat; 
sanguis inherebat gladio, qui cede recenti 
fit tepidus, per quem vulnera fecit amans. 
Arripit hunc Tisbe nec difformidat inire 
270 mortis discrimen, mortis acerba pati. 


241 Tisben K 3115, 2233 242 ad vocem relevat] et lumen elevet K 21175, ad lumen elevat 
K 2233, ad vocemluminaelevat K 2141 243quumH celat] claudit X 2115, condit K 3141 
245 aspicit] conspicit 7_ 246 dicens] dolens H 247 Pirame, me] Postea me K 2115, 2233 
istius] huius X 2115, 214I 248 nece] morte AH 250 nece] morte H 25I socii 
K 2115 252/253 fehlen K 2233, 2115 nachgetragen condecet] condam ÄK 2141 253 at- 
que] ac K 214r tradiderunt] tribuerunt 7255 oJ] hec H 256 coniunxit] conveniet 


H 257 tamen fehlt K 2141 quam morte cadam] nece quam moriar H 259 ut] 
et H quos coniungi] cum nos iungi K 2115 260 disiungere K 214I Horum 
non sinant disiungi ossa rogare K 21I5 ossa] una K 2141 261 urna] una K 2115 


qui] quod K zı15 262 possemus K 214I et] ut H cumulus X 214I nos 
simul esse velit A 263 es morte] eis in ore X 2115, eius more K 2141, more K 2233 
geris K 2115, 214I, 2233 265 Hec verba cum Tysbe dixit K 2115, Hec Tisbe verba cum 
dixit K 214I, Hec Tisbe cum verba dixit X 2233 arripit] accipit K 2115, 2233, accepit 
K 2141 266 babilo meo H, babiloneo Hart et Faral 267 inherebat] habebat ÄX 2233 
268 trepidus ÄK 2115, 214I, 2233 268 volnera H 269 AccipitK 2115, accepit X 214I 
hunc] tunc K 2175 difformidet K 2115, eo formidat H 270 mortis discrimen] mentis 
discrimen K 2141 amara K 2115, 2149I  petiK 2233 


Pyramusdichlung Dietrichs 45 


Morte gravata iacens dat amanti basia multa. 
Quo vivo vixit quoque perempto perit. 
Piramus et Tisbe gravi morte tunc moriuntur, 
quorum causa necis ensis amorque fuit. 
275 Suadet amor primo, quod tempore noctis adirent 
morum, qua proprio Piramus ense cadit; 
illiusque casus fit Tisbe summa doloris, 
quod monstrans vitam terminat ipsa nece. 
Intempestiva mors hos rapiebat amantes 
280 nec mors seva tamen dissociavit eos. 
Mors non virtuti, mors nulli parcit honori: 
Morte cadit dives, pauper inopsque simul 
Omnia, mors equat, mors omnibus una vocatur, 
omnia mors delet, omnia morte cadunt, 
285 mors rapit reges, mors est, que fortia frangit. 
Quisque potens debet mortis subire genus. 
Si non communis esset mors omnibus una, 
quisque potens factus posset habere magis. 
Sed, quoniam dives cum paupere debet obire 
290 adventum mortis quisque timere potest. 
Oue Tisbe fudit tetigisse precamina divos; 
nam color in fructu cernitur esse niger. 
Sunt etiam Tisbes moti per vota parentes, 
quodque rogo superest condidit urna capax. 


293 Ultima mutarum sit littera prima, sequatur 
tercia vocalis, post illas littera quarta 
est ponenda, sed huic sociabitur ecce secunda 
vocalis, sequitur quam finalis liquidarum, 
cui rursus debet vocalis tercia iungi, 

300 tercia littera tunc, vocalis et ultima finem 
semivocalis retinet penultimam post hanc. 


272 vixi — — — peri K 2115perempto] pereunte K 2141, moriente #__273 gravi morte 
tunc moriuntur] nece gravi hunc mor. K 23115, gravi morte tunc perierunt K 2141, 
necec rudeli perimuntur 7 277 que fehlt K 2141, 2233 asus] causa K 2115, 2233 fit 
Tisbe] est Tisbe X 2175, 2141, Tisbe est K 2233 278 qui K 2115, 2233 ipse K 2115, 
2233 280 tamen]) tum H 281 nulli parcit honori] nulli nobilitati X 2115, 2I4I, 
2233 ° 282 Parcere vult pauper dives K 2115 obitque (abitque X 2115) simul K 2175, 
2I4I, 2233 283—288 fehlen K 2115 283 omnibusque K 2233 vocatur] vaga- 
tur H 284 nach 285 K 214I 285 fregit H 286 fehlt K 2141 subire] inire HM 
288 quisquis K 2741 factus] fame K 2147 289 obire] abire H 290 potest] debet 
K 2115 291 tetigere H 292 Nam color fructum HM, Namque color fructum Faral 
293 mori pernote parentes K 2233 294 quidquid K 2241, quod K 2233 roga 
K 2115 295 bis 310 fehlen H 295 sit] fit K 2233, si K 214ar 297 est] et K 2233 
huic] hinc K 2233 301 penultima K 2147 


46 Anonyme Pyramusdichtung 


Sillaba si recte totum coniungit, habebit 
nomen dictantis, sed non vult inde beari, 
qui corde fixus est firmiter, hoc quia fecit. 
305 Quidam proferre nomen cuius mirus audet, 
sufficit hic, nomen ut vobis fiat manifestum. 
Si quis amore gravi torquetur, compaciatur 
Piramo et Tisbe, quod morte gravi perierunt. 
His ego compacior et, si phas est rogitando, 
310 deprecor, illorum sint corpora pace sepulta. 


b) 
Anonyme Pyramusdichtungen. 


Kopenhagen, Kgl. Bibl. Kx. 1634, saec. XV (aus Bordesholm), fol. 
185’”— 187° (K). | 

München, Staatsbibl. lat. 25187 saec. XV, fol. ıgt—2zı*R (mit v. 
75—Igı des Gedichtes) und fol. 24’—25 (mit v. I—74); die von dem- 
selben Schreiber geschriebenen Teile sind falsch zusammengebunden (M). 

St. Petersburg, vormals Kaiserl. Bibl. Lac. XVII q. 18, saec. XV. 
Mir nicht zugänglich. Vgl. oben zu IIa). 

Wolfenbüttel, Helmst. 622, saec. XV (Erfurter Herkunft), fol. 175 qq. 
Von mir benutzt die Wiedergabe bei Hart und Faral (H). 

Veröffentlichung: P. Leyser, l. c. p. 2088sq. (nur v. I—Io aus H); 
G. Hart, a. a. O. 2. Teil (aus H); E. Faral, L. c. p. 51sqq. (aus H). 


Querat nemo decus in quo vult pingere cecus, 
cuius pictura decoris nil est habitura. 
Si vult saltare claudus vel si iubilare 
mutus conatur, hinc neuter honorificatur. 

5 Ad mea subtiles metra non voco corde seniles, 
vilis ego viles invito, puer pueriles. 
Sensus prudentis ad versus insipientis 
non convertatur, ne risus verba sequatur; 
querant maiores maiora, minora minores. 

10 Lac, pueri, vultis; panis tribuatur adultis. 


Piramus et Tisbe fuerant cives Babilonis, 
ambo decus patrie speculumque sue regionis. 


302 coniungat totum K 2115, locum coniungat K 214I 304 hoc] hunc K 2233 
305 profert K 2115 audet] audiret K 2114 306 vobis fehlt K 2115 308 quod] 
qui K 2233 est rogitando] esset remittendo K 2115, est cogitandus K 2141 


finis thiderici de amore Tysbe et pirami anno 1443 in vigilia epifanie K 2115, ex- 
plicit carmen tiderici de piramo et tisbe K 2233, finis huius operis X 214I 

ı Verat M, mit Lücke für die Q-Initiale, querit K in quo] ibi qui X znil] nichil 7 
4 conatur]) cantare M 5 Ad mea non voco subtiles corde seniles M 7 adversus 
Faral 8 convertantur M ıı Tispe M fuerunt M 


Anonyme Pyramusdichtung 47 


20 


25 


30 


35 


40 


45 


so 


Egregia stirpe pariles dici potuerunt 
contiguasque domos, opes multas habuerunt. 
Inter eos tantum vicinia fecit amorem, 

quod minime poterant huius sopire calorem. 
Cipridis in laqueo captivus uterque iacebat, 
quem non laxare sine dura morte sinebat. 
Tedarum iure commisceri voluerunt, 

sed patres ipsis consensum non tribuerunt, 
uti colloquiis hos et coitu vetuerunt. 

Sed non sic ab eis Veneris iuga deposuerunt; 
illis sermonis vice sunt nutus oculorum, 
secretum cordis pandunt signis digitorum. 
Fissus erat paries domibus communis eorum, 
in cuius rima fit eis via colloquiorum. 

Aptis temporibus stantes ibi multa loquuntur, 
que de pectoribus ipsorum progrediuntur. 

A duris genitos se patribus ambo queruntur, 
qui desideria peragi sua non patiuntur 

Hec inter reliqua dicunt velut improperantes: 
‘“Invidus es, paries, qui nos disiungis amantes. 
Nollet quippe tibi coniunctio nostra nocere, 
aut posses nobis ad basia danda patere, 

ex aliqua debes nobis modo parte placere, 
cum sic eloquia per te possimus habere.’ 

Solis in occasu post plurima verba gementes 
ambo sue parti dant basia digredientes. 

Hos cibus et potus, genus altum, culmen honoris 
non iuvat, premit intantum ipsos pondus amoris. 
Corpore disiuncti, spernunt lenimina somni, 
quorum coniungit mentes hora Venus omni. 
Sepius invitis dulcedo tributa soporis 

illorum cupidis connectit corpora loris. 

In sompnis faciunt, quod non possunt vigilantes, 
oscula configunt ad cetera forte labantes. 
Cum sompno fugiens similatus ludus amoris 
vulnus curare plage nequit interioris. 

Stratis exiliunt auroram conspicientes 

et rimam repetunt iterum diversa loquentes. 


13 e. s. dici poterant pariles M ı4 opas M 17 Cupidis M ı8 laxari K 
ı9 comminsceri H 20 tribuerunt] prebuerunt M 2i et] in M 22 iuga deposue- 
runt] votum depulerunt M. 25 Scissus MK 26 sit M 29 genitus M 31 inter] 


iure MK 
dientis M 


33 tibi quippe M nocere] placere M 34—35 fehlen M 38 digre- 
4ointantum] intentum M ipsos] uos M 42Veneris M 45 somnisMK 


46 contingunt M 47 somno MK 47 simulatus M 48 plane M 49 aurora M: 


48 Anonyme Pyramusdichtung 


Tandem proponunt inter se corde libenti, 
"ut clam de tectis procedant nocte sequenti. 
Planus campus erat, vernali veste decorus; 
.  perspicuus fuerat ibi fons excelsaque morus, 

55 Esse videbatur aptus Veneri locus idem, 
ergo libet, iuvenes ut congrediantur ibidem. 
Quod sic complaceat egressus uterque fatetur 
et tardis pedibus sol clarus abire videtur. 
Mundanis rebus demit iam lumina Phebus, 

60 nox est optata lune radiis decorata. 

Ad loca prefata velociter ire parata, 

veste tegens ora prior exit virgo decora, 
impatiensque more morum petit absque timore. 
Hanc Venus armare studet et nescit trepidare, 

65 quam bene confortat iuvenis, quem pectore portat. 
Dum prestolatur illum residens ita fatur: 

‘Sit tibi pugna mea commissa, potens Citherea, 
tuque, benigna dea, confer michi leta trophea. 
Sum tibi devota, nunc perficias mea vota! 

70 Pirame dilecte, quid agis?: Quae causa tenet te.? 
Dulcis amice, veni! Non sis tardus, quia veni! 
Ista sit insomnis tibi nox, absit metus omnis! 
Non sis instabilis nec sit tua mens puerilis! 
Virgo sum fragilis, sed pro te facta virilis. 

75 Dulcis amice, veni! Te corde gerens ego veni. 
Campus habet flores cum gramine multicolores, 
est arbor plena fructu nec abest philomena. 
Diligit hec prata Venus; hec loca sint tibi grata! 
Hic pretiosa thorum dat nobis purpura florum. 

80 Dulcis amice, veni! Nisi tu venias, male veni!’ 
Cum sic absentem rogat atque moram facientem 
sic vocat, ingentem de silva progredientem 
tandem terrificam videt ipsa leonis amicam. . 

Illa boum satura de cede venit bibitura 

85 de puro fonte, qui notus erat sibi fronte. 
Virgo metu plena, seva veniente leena, 
que modo secura fuerat, tremit ut peritura. 
Surgens abscedit nec dedecus hoc fore credit, 


5I perponunt in se M 52 procedeant M sequente M 5s6mnach 583 K_ 56 ibidem] 
ad idem M 57 quod] Et K sic] ss HKM utrimque fatetur X, utrimque pare- 
tur M 60 optata] apta M 61 prefata] privata M parate M 62 prius M 
63 mori M 67 Cytherea H, Citharea MK 69 Sum] Cum M perficies M 
72 abestM 73neque M 77phylomenaH 78hecfehiM 79HecM purpera M 
80 Nisi] nec M 8ı Cum] um X, Dum Faral 86 venientae M 88 abcedit K 


Anonyme Pyramusdichtung 49 


si non exspectat, ipsam dum bestia spectat. 

90 Cursus velecis ope vitans ora ferocis 

est ingressa specum; timor illi damna minatur. 

Hec formidantem premit, hec firmat wrepidantem 

Pars vestimenti delapsa fuit fugienti. 2 

Quam lea, dum repedat, levat ore cruoreque fa De 

95 scindens fedatam, sed reiiciens laniatam. 

Hec manet et nemorum latebras petit illa suorum. 
Ad pactam morum iam Piramus ire volebat 
inmanisque fere vestigia certa videbat. 

Inde stupens subitum gestabat corde timorem, 

100. nec pallor solitum permisit adesse decorem. 
Procedens inde Tisbes invenit amictum, | | 
fedum nam scissum, velut a comedente relictum. 
Hinc viventis adhuc mors est sibi certificata, 
et querula voce sic dixit veste levata: 

105 ‘Quo pergam? Quid agam ? Mala nunciat hec michi vestis, 
Tisben indiciis periisse probans manifestis. 
Cerno, quod interiit pravis absorpta ferinis. 

Spes mea deperiit, est leticie michi finis. 
| OÖ quotiens vita miserando fine recedit! 
zıo O quotiens mentes hominum mors impia ledit! 
Dulcis amica, tue per me cecidit rosa vite, 
nam per mortis iter transmittere non timui te. 
Quid michi nunc vita, quid prosunt gaudia mundi? 
Cum sis defuncta, michi tempus adest obeundi. 

115 Horribiles apri de saltibus egrediantur, 
crudeles ursi me vivere non patiantur!’ 

His dictis morum gemibundus adit memoratam, 
dilecte secum portans vestem laniatam. 
Cui multas lacrimas infundens oscula fixit 

120 et sic, suspirans ex imo pectore, dixit: 

‘Gaudia sperata michi non prestat locus iste. 
Exieram letus ego, sed modo cor gero triste. 
Te placuisse michi prodest nil, ardua more, 
optato namque sub te non fungor amore. 


89 exspectet — — spectet H gı est] et M 94 lea fehlt K reperat M 
95 foedati M laniatam) longata M 96 et] in M illa fehEM 97 pactum M 
98 videbat] molebat M 100 solidum M ıoı Tispes M, Tysbes 7 102 ffedam M 
fedum scissumque H 103 viventis)] venientis X est fehk H ıo5 mala mihi 
nunciet M I0o7 pravis] gravibus M absorbta HZ 108 deteriit M 109 O quo- 
tiens mihi vita miseranda M 109 quoties M III propter me M ı12 timui] 
tenui M ı14 abeundi M 116 patiuntur M ı17 Hiis K adiit M 118 lenga- 
tam M IIg vixit M ı2o ymo K 122 modo] nunc M [123 Hec placuere M 
nichil 7 
Studien der Bibliothek Warburg 13. Heft: Lehmann 4 


50 Anonyme Pyramusdichlung 


125 Mallem cum Tisbe rimam solitam repetisse, 
per quam colloquia scio dulcia nos habuisse. 
Si palme corpus laudabile non: tetigerunt, 
aures percipere sua verba mee potuerunt, 
que nunc, dico, meum nequeunt sanare dolorem. 
130 Corporis ergo mei potabit terra cruorem!’ 
Dixerat et gladii petit auxilium furibundus; 
‚quo se perfodiens procumbit humi moribundus. 
Respirans Tisbe predilecti iuvenis spe, 
quem nunc exisse sperat.morumque petisse, 
135 antro procedit, tremulo quo corpore sedit, 
ac visu.lati penetrans loca florida prati 
optat spectare iuvenem, quem vellet amare 
et.sibi narrare, quam caute mortis amare 
penam vitasset, quam secure latitasset, 
140 quam bene fugisset, quam velox ipsa fuisset. 
‚Talia quem scire vellet, per prata venire 
cum non. conspiceret et fallax esse timeret, 
arbor quo stabat sublimis, eo remeabat. 
Non sic optatum socium iam seminecatum 
145 illic cernebat retrocedensque stupebat. 
Nemo risisse putet hanc letamque fuisse! 
Pectus nudabat niveum, sericos laniabat 
crines a capite, iam tristis et anxia vite 
» gaudia presentis conculcabat pede mentis. 
150 Accedens propius in gramine conspicit huius 
ensem fulgentem cum scissa veste iacentem. 
Protinus ulnarum connexu mesta suarum 
amplectens carum corpus, stilis lacrimarum 
hoc rigat, haud modice dicens: “Ach, dulcis amice, 
155 que te causa premit? Quis te michi casus ademit ? 
Huc veni pro te, tu pro me. Nunc video te 
non, ut sperabam, quando prior huc properabam. 
Hic non letamur, istic male consociamur. 
Heu! Quid fecisti? Cur recte vulnere tristi 
160 presens sevivit gladius? Tisbe tua vivit. 


ı25 Tispe M_ 127 corpus] colus M 128 verba] vera M_ mee]meK ı129dic M 
niequeunt] neque ut M 130 terra potabit cruorem M 132 profodiens M 133 Re- 
spirens M ° : Tysbe H, Tisbe M perdilecti 7 134 exiisse M tremulo quo] 
tremuloque H 137 velit M 138 amaram M 139 latita sit M 141 brata M 
142 perspiceret M et] sed M, sed et K 143 qua HKM ea MK. ı44 Non) 
Dum M 145 retrosedensque M 146 Non risisse putent hanc H M, putat K 
147 pectusque M cericos plangabat M 151 conscissa M 153 carum] caris M 
154 haud] hanc H, hec Faral dicens Ach fehlt M amici M 155 casus mihi M 
156 Heu huc H 157 Quando] quum HM, (heu) quum Faral 159 recte fehlt M 
volnere H 160 Tysbe H, Tispe M 


Anonyme Pyramusdichtung 51 


Nunc responsa dare rogo te michi; ER re 
. Ad nomen flentis Tisbes visus morientis bi 
surgere conatur, sed mors iubet, ut reprimatur.: 
Virgo finitam cernens huius fore vitam, 
165 plus conturbatur et flens ita vociferatur:. | . 
| ‘En michi quam misere marcescis, flos Babilonis! 
Non dubito, quin causa tue sim perdicionis. 
Propter me scio te subiisse pericula mortis. 
Ut moriar pro te, possum modo fieri fortis.'. 
170 Diro lesisti nos vulnere, seva Dione, 
quos eduxisti morituros de Babilone. 
Donativa mala confers tua signa gerenti, 
acceptibilia nulli sunt hec sapienti. 
Iam modo, ne parias albos fructus, peto, more, 
nostre cedis habens in nigro signa colore. 
175 Clara, vale, Babilon, miserique, valete, parentes, 
interitus nostri causam vos esse scientes! . 
Optatis thalamis coniungi nos vetuistis, . 
nobis et vobis tali cura.nocuistis. 
ı80 Duro coniunctis vinclo necis hoc date munus, 
ne disiungamur, sed nos tumulus tegat unus!’ 
Post hec verba suum tenero de corde cruorem 
fundere non metuit finitque dolore dolorem. 
Nulli sit dubium fructus atros dare morum, 
185 qui miserabilium mortem signant sociorum. 
Lugent ipsorum de perdicione parentes, 
ossibus amborum solum tumulum facientes. 
Optemus tribui nobis finem meliorem, 
| .ne pena simili pereamus propter amorem! 
190 Sic nos stultorum mores actusque legamus, 
ne sectemur eos, sed ut evitare sciamus. 


c) 
München, Staatsbibl. cod. lat. 237 saec. XV fol. 12IR—ı28V (A); 
lat. 416 saec. XV fol. 239&—245' (B). Beide, aus H. Schedels Besitz, 
gestatten eine völlig sichere Textfeststellung nicht. Mit metrischen, 


ı62 Tispes M 163 reprimetur M 164 huius cernens M 166 En] Heu K, 
Eya M mihi fehlt M miserae marcesses M 167 causa tue] tue caste M 
168 me] tue M scio ego te M 169 fieri modo fortis 7 170 Dione) Dyana K 
172 De nativa malum M 173 hec sunt M 174 A modo M, Ammodo K ne] 
non paries M albus M. 175 nostra M in fehlt M 177 vos K 185 qui se 
miserabilium K 185 singnant A, servat MK 187 amborum] ipsorum K 190 li- 
gamus H 191 sectamur M Am Ende: Piramus explicit Deo gratias HZ, et tantum 
de isto Deo laus K, r&Aog 98 M 


4* 


52 Anonyme Pyramusdichtung 


sprachlichen, gedanklichen Unarten ist zu rechnen. Veröffentlichung 
fehlte bisher. Auch bei diesem Gedicht half stud. B. Bischoff. 


Ocia si veniunt, iam mens torpescit ab intus, 
exoritur. prave forte cupido rei. 
i Est igitur melius intendere versibus, hostis 
ne queat in nostra figere mente pedem. 
s Nam cum torpore mens sordet, callidus ille 
temptator curas suggerit innumeras. 
Sed quia sine te nulla potest domus edificari, 
nos, Deus, in castis edifica moribus, 
et quia non est urbs bene 1uta, ni Deus illam 
10 servet, sis custos, spiritus alme, mei. 
Hoc opus incepi, ne me suggestio prave 
apprendat vel opus ducat ad illicitum. 
Et si forte malum mea mens conceperat, illud 
excuciat penitus protinus iste labor. 
15 Piramus in verbo est, cui nemo nobilitate, 
moribus aut fama forte secundus erat. 
Hunc humili de plebe satum generosa propago 
denegat et generis linea clara sui. 
Nobilis et dives fuerat pater eius et omni 
20 consilio pollens conspicuusque fide. 
| Qualis erat mater? Respondeo: Non fuit illi 
inferior genere nec probitate minor. 
Hii duo felices, sed ne quid prosperitati 
deficiat, datus est filius unus eis. 
23 Solus hic est heres matris patrisque futurus, 
si non precidat tercia fila soror. 
Unus et hinc carus, quia, quando bipartit amorem, 
mater amat pueros pocius ipsa suos 
Hunc scola virtutum gremio velut eius alumnum 
30 foverat et castis moribus inbuerat 
Stando, sedendo, meando, loquendo fuit sic 
aptus, ut equalis non fuit ullus ei. 
Stando decens, ineundo placens multumque modestus 
in verbis, factis providus atque celer. 
35 - Incrementa capit morum crescentibus annis 
virtutes cumulat temporis usus ei; 
inflammavit eum sic pir virtutis amorque, 
quod nomen merito Piramus esset ei. 


5 corpore B 6 suggerat A 7 Sed quia potest sine te domus edificari B 
9 ni] nisi AB ı2 apprehendat A vel ducat opus A 14 iste] ille A 
15 nobilitati B 17 satu A 19 fuit A 24 est eis filius unus B 27 quando 
(qn)] bene (bn) A 28 parcius’A4B, pocius coni. Bischoff ipse A »| 29 gremium A 
inbuerat] nubuerat A 33 ineundoque placens B 


Anonyme Pyramusdichtung 53 


Quid tibi de forma dicam vultusque decore ? 
40 Tinxerat ipsius lacteus ora rubor 
Consule Nasonem: ‘iuvenum pulcerrimus alter.’ 
de Piramo dicit Naso, quod verus erat. 
Gratus erat populis et carus utrique parenti. 
Nam fuerat clarus moribus et genere. 
. Prelucent in eo virtutum insignia clara 
auro iuncta velut gemma decora nitet. 
Talis erat Piramus. Sed mansit deprope quidam 
alter multarum gurgite mersus opum 
altus sanguine, magnus nomine, clarus in urbe 
50 nec Pirami patri laudibus impar erat, 
quem Babilonia, quem vicinia tota celebrat. 
Hunc humilis timuit turba dabatque locum; 
duxerat hic pulchram primevo tempore sponsam. 
Inter plurima mundi prospera prosperitati 
ss accessit nata nobilis atque decens. 
Hanc sibi fecerunt deus et natura decentem, 
ut forma, socias vinceret ipsa suas, 
corporeis predives erat sic dotibus hec, ut 
preter eam Veneri nulla secunda foret. 
60 Arte iacet crinis fulgetque similimus auro 
neque eam vagem pulchra corona tegit, 
frons generosa nitet, sedet apta nasus, ad instar 
ignis prelucet frontis utrumque iubar, 
fulget maxilla niveo perfusa rubore 
65 respondent in ea nixque ruborque simul. 
Os rubeum, dentes nivei, caro lactea, collum 
prelucens ut ebur, quatuor ista placent. 
Gaudia testatur frontis clemencia, collum 
urget ad amplexus, oscula labra movent. 
70 Sed quid plura loquar ? Fuit omnibus ipsa puellis 
pulchrior et castis moribus apta suis. 
Nomen ei Tisbe; qua sola, si bona cuncta 
deficiant, dives esset uterque parens, 
Carminibus, tu Phebe, fave, qui carminis autor 
73 dicere, tuque meum dirige musa, stilum. 
Utilitas licet hic sit nulla, valet tamen hiis nam: 
mens intenta nimis currit ad illicita. 
Piramus et Tisbe, quorum iam mencio facta 
est, prope constructas incoluere domos. 


39 rubor] iubar A 4I, 42 Nazonem, Nazo B 43 uterque B 44 et genere 
atque gener A 47 mansis A 57 vincerat B ipse A  socios — — suos A 
61 vaget B tetigit B 66 nivei dentes B lacte B 72 Tispe A, TysbeB sit A 
74 fave qui] faccieque A 77 nimis] minus A 


54 Anonyme Pyramusdichtung 


80 Sic quoque contigue fuerant, quod forte videri 
una domus poterat, nec tamen una fuit. 
Est tamen istarum distancia parva domorum, 
nam paries medius dividit inter eas 
et quia dilectant animos ludi iuveniles, 
85 exercent ludos sepius ante fores 
aut tales facjunt simul aut fortasse choreas 
ducunt aut certa sunt pila ludus eis. 
Quid sit amor, quid sit Hymineus quidve cupido, 
quid Veneris tela, novit uterque parum, 
90 | Sed quia disposita Veneri duo castra tenebant, 
intrat in hoc et ir hiis militat alma Venus; 
hec quoque noticia ludique frequencia movebat, 
‚ut caperent talem corde repente deam. 
Tempore crescit amor, vires pro tempore sumit 
05 vixque suas flammas dissimulare queunt. 
Sicut succensus ignis tegitur male, quando 
obsequiosa manus ligna ministrat ei, 
sic vix occultatur amor, cui verba iocosa 
dant nutrimentum colloquiumque frequens; 
100 sic quoque concipiunt iuvenilia pectora flammas 
et rude sic pectus uritur igne novo 
et subito stipule si quis submerserit ignis, 
ardent, quas solis torruit ante color; 
occultare suas igitur nequeunt bene flammas. 
105 Est etenim Veneris miles uterque rudis. 
Nutibus utuntur patulis nimisque loquuntur 
secum per signa forsan aperta nimis. 
Nescio, quo casu scierint matres utriusque, 
nescio, quo scierint hec referente patres, 
110 Sciverunt equidem; sed quid non garrula fama 
vulgatur, veris addere falsa sciens ? 
Hactenus hiis fuerat concessa licencia larga 
ludi, si vellent, intus et ante fores:; 
extunc adiuncta fuit hiis custodia, quod nec 
113 egressus liber esset, ut ante fuit. 
Observat Piramum studiosa cura magistri, 
nec sinit hunc solum providus ire cliens; 
sedula sic artat nutrix Tisbenque amico 
nec per signa potest hac sine teste loqui. 
120 Credo tamen tantum, quod vires suppresserit ardor, 
quantum cautela strictior apposita. 


go quia fehlt A 92 movebant] f, dann leere Stelle A 109 hic AB, hec con!. 
Bischoff 116 cura] omnia A 117 sinit] sunt A 120 quot A 


De nn mn nl 
ni 


Anonyme Pyramusdichtung 55 


Condicionis enim sic infirme sumus: id quod 
non licet, appetimus, quodque licet, fugimus. 
Res vilis precii reputatur, si venit ipsa | 
125 gratis, plusque placent empta labore gravi. 
Exhinc incaluere magis dudumque coissent: - 
federe coniugii, sed vetuere patres. 
Stultus erat ille rigor, quoniam coeundi 
mille vias et mille modos mens querit amantum 
130 Anxia, quod custos decipiatur eis. 
Ut dixi, paries fuerat communis et ii . 
asseris in medio parvula rima fuit. 
Cum primo fieret tunc a novitate paries, 
ipsi contigerat rima, sed arta fuit. 
135 Et yuid non animus investigabat amantum, 
quid non inveniet ingeniosus amor, 
quid non sentit amor? Dedit hanc rimam reperire 
.sors bona, nec forte viderat alter eam. 
Istuc conveniunt per eamque loquuntur amantes, 
140 verborum sola conscia rima fuit. | 
Conscius omnis abest. Nam quis vel credere posset 
vel sciret, verbis quod via rima foret ? 
Subtilis rarusque fuit modus iste loquendi, 
cum sic custodes fallit uterque suos. 
205 Oscula dant rime nil proficiencia; namque 
tactus oris ad quod denegat illa dari. 
Basia rima capit diversa parte, sed illi 
non nisi spiramen oris ab ore trahunt. 
Talia delectant delectat anhelitus oris, 
150 oscula delectant, non bene sumpta tamen, - : 
Dicebant eciam “Paries odiose, quid obstas? 
quid precludis iter? Rumpe daque viams! 
Cur non permittis iungi duo corpora, quorum' 
univit mentes firmiter ipsa Venus?- 
155 Quid paries in te peccavimus ambo vel‘alter 
nostrum, quod per te sic male dividimur ? 
Nos quoque coniungi si non sinis, invide, saltem 
 plena dari facias oscula plena capi. | 
Non tamen indignamur ad hoc verbum via verbis, 
160 quod patet ex dono, dicimus, esse tuo.’ 
Sic eciam rime primo convicia, deinde 
pro meritis grates blandiciasque ferunt. 


126 dudumque] dumque A 131 communis] continuus A 134 contingerat B arte B 
138 nec viderat forte A 139 per eumque locuntur 4_ 141 vel] hoc A 151 eciam] 
enim A 153 permittas A 156 per te] ex parte A 159 n. A. indign. ab hac 
via verbum verbis A Zu = ee Rn dr u WaE 


56 Anonyme Pyramusdichtung 


Laudant et culpant rimam certe, quia stricta, 
culpant et laudant, est quia vocis iter. 
165 Cum tali similique diem sermone tenebant, 
hoc quoque credebant dulcius erse favo. 
Talia conquesti, cum discessere, trahebant 
exiguo gemitus pectore consimiles. 
“Dulcis amica, vale’, Piramus dicebat et illa 
170 -respondit inquens “Dulcis amice, vale', 
Non novere patres ac non novere magistri 
nec, quamvis fuerat provida, sentit anus. 
Nocte modo tali discedunt, attamen ardor 
 ipsos immemores non sinit esse sui. 
175 Nox quoque longa videtur eis tardasque diei 
venture secum culpat uterque moras. 
Diffugiunt tenebre, rutilans aurora reducit 
solis equos, radios Phebus adesse iubet. 
| More suo rimam repetunt rimamque loquuntur, 
180 .. oscula confundunt, que sinit ipse locus. 
Secum discuciunt, qua possint arte coire, 
quod liget amplexu dulcis amica virum. 
Ars subit, intra se statuunt, quod nocte relinquant 
tectaque excedant urbe vel arva petant, 
185 Quod si decipiant custodes, quod sine teste 
sic compos voti fiat uterque sui; 
ne contingat eos latos errasse per agros, 
ad bustum statuunt ambo venire Nini. 
Huic busto lata ramis, fructu speciosa 
100 et foliis pulcra proxima morus erat; 
purus et clivis fors stabat deprope, cuius 
in fundo motu ludit arena levi. 
Intus nec steterant rura nec canna palustris, 
extra cinctus erat cespite gramineo. 
195 Sunt tria, cur locus hic sit amenus: est umbra 
arboris et gramen, fons quoque perspicuus, 
Huc placet, ut veniant lateantque sub arboris umbra 
et Veneris dulce sic peragatur opus, 
Pacta placent, pacta memori sub mente recondunt, 
200 oscula multiplicant ingeminantque ‘Vale’. 
Ambo discedunt cece caliginis umbra, 
et nox grata foret ac odiosa dies. 


163 fehlt A 165 sermonemque A 170 respondens inquit A 171 ac non] 
hoc nec B . 172 anus] amor A 173 attamen discedunt ardor B 180 con- 
tendunt A 183 relinquent A, relinguunt B 184 urbeque B 189 speciosa] 
sponsa B 192 nec rura (?) steterant B 198 peragitur B ıgg9 nemori B 


Anonyme Pyramusdichtung 57 


Sic secum ‘Cur, Phebe, diem sic protahis’, aiunt, 
“ut quid propositum sic remoraris iter ? 
205 Merge diem sub aquis maris officioque diurno, 
fessos quadrupedes excute, Phebe, iugo. 
Solve facillantes iam toto pectore, solve 
lassos, umbrosam iam dedit alma Thetis. 
Nox quoque, tarda nimis gratasque amantibus umbras, 
210 surripis et Veneris cur remoraris opus? 
Tolle moras, mora nulla placet, quia vero locutus 
est is, qui primo talibus usus ait 
““Spes, qua defertur animos affligit, egenum 
spes cito inveniat, non iuvat, ymmo gravat.' 
215 Sed quid plura loquar, lucem, nox ceca, repelle 
et tolle, Phebi, cornua, clara soror!? 
Nox fuerat, tenuit homines sopor et relevabat 
| sompnus, quos fecit cura diurna graves. 
Non differt Tisbe, thalamo si forte iacebat, 
220 surgit et induitur vestibus ipsa suis, 
inponit capiti pepulum, matremque patremqu« 
custodesque suos fallit et egreditur; 
ostia post claudit, ne forsan senciat intus 
mater vel nutrix provida facta sua, 
225 et progressa parum portas invenit apertas 
urbis et ad dicta busta reflectit iter 
Sed quis ei nocte portas reseraverit urbis, 
qualiter exierit, discito, causa subest: 
Tunc etenim sic clara fuit Babilonia per se, 
230 sic secura fuit diviciisque fluens, 
sic preclara fuit vicinis urbibus altis, 
ferret ut hostiles leviter illa minas. 
Ergo non suevit Babilonia claudere portas. 
Hinc Tisbe noctis tempore porta patet. 
235 _ Quomodo.nocte locum potuit reperire notatum 
per tenebras noctis, quomodo venit eo? 
Certe luna fuit et gressum luna regebat 
et lune radius notificabat iter. 
Plena timoris erant loca, nec tamen ipsa leenas 
240 aut ursos timuit terribilesque lupos. 
Hanc stimulabat amor contra ulla pericula quevis, 
audacem fecit igneus ille furor, 


204 remearis A 205 Merge] Verge A 206 quadrupes B 208 alma tectus A 
209 Nos quoque recida nimis gratasque A gratis B 213 animus A 215 le- 
quor B repellit B 216 tolli B 217 revelabat A 224 mater] mulier A 
227 Si quis A reseravit AB 229 Babilonis B 231 sic preclara fuit ut omni- 
bus altis vicinis A 236 ea A 237 egressum A 241 hanc stimulus ac amor A 


58 Anonyme Pyramusdichtung 


Ha, quociens per bella, pericla, per arma, per hostes 
per tenebras iuvenes precipitabat amor! 
245 Ha, quociens visum Babilonis virgo reflexit, 
a tergo Piramus si sequeretur eam! 
Ha, quociens secum “quid differs, Pirame ?” dixit, 
“que tibi causa more quidve retardat iter ? 
Ex oculis tenues, si dormis, excute sompnos! 
250 Te tua precedit; Pirame, surge, veni! 
Quare solivagam me sic sinis ire per agros ? 
Dat locus iste michi dampna, pericula, metum; 
hac ego parte lupos alia formido leones, 
forsan valle sub hac ursus et ursa latent.’ 
255 Talia cum secum dixisset virgo frequenter, 
ad bustum venit fessaque sedit humi. 
Sub moro sedit, nox clauserat omnia, nusquam 
lux, nisi que lune venit ab officio. 
Ecce leena venit saturata cruore recenti: 
260 nam tunc forte boves vicine vallis in umbra 
repererat geminos et laceravit eos. 
Ore cruentato respersaque sanguine fontem 
querit, ut ardorem temperet inde sitis. 
Virgo videt, timet atque fugit, latebras petit umbram, 
265 intrat et in tenebras corde tremente latet, 
corpus sic tenerum latitabat virginis; arbor 
ut venti leviter flamine quassa tremit; 
nescio si cursus, si fecit impetus aure; 
nam surgunt venti flamina nocte magis. 
270 Cum fugeret, capiti velamen decidit, id quod 
virgo resumpsisset, sed timor obstiterat. 
Cum sitis ardorem nimia sedaverat unda 
et silve latebras vellet adire lea, 
ut iacuit late distentum, virginis huius 
275 velamen repperit et cito tollit Humo, 
huc illucque trahit, maculgso polluit ore, 
sanguine defedat, polluit ungue fero. 
Pirame, quid faceret tua Tisbe, si reperisset 
hanc fera? Quo fugeret, quo duce tuta foret ? 
280 Credo, quod ipsius fedasset sanguine campos. 
et rapido dente diripuisset eam. 
Nec longum, seya laterum velamen ab ore 
ponit, ut in silvis conditur ipsa suis. 


245 247 Hach B 243 hostem B 244 precipitavit A 259 venit cede cruente 
boum A 260 forte fehlt B 261 lacerat AB 264 ac A 265 tremente 
lat B . 266 tenebrum A 267 flamina B 274 ut] et A 278 fecerat A 
282 ab ore] arbore B u ey 


Anonyme Pyramusdichtung 


285 


290 


295 


300 


305 


310 


313 


323 


285 sed] si A 


315 fera A 


Quo casu tandem fuit remoratus in urbe 
Piramus, ignoro, sed remoratus erat. 

Nam prior exisset, nisi quod fortasse timebat 
custodes; unde tardius exierat. 

Forsan non fuerät custodes fallere promptum, 
hoc quoque vel simile distulit eius iter. 

Egrediens ergo tarde licet urbe relicta 
tendit, ubi Tisben noverit esse suanı. 

Cum tamen exisset, ut consuetudo virorum 
exigit ipsius cinxerat ense latus. 

Dum sic incedit, dum premeditatur amores, 
quos suscepturus quosque daturus erat, 

ecce fere pedibus sculptam cernit arenam 
certaque signa pedum monstrat arena fere. 

Hoc videt atque dolet, faciem pallor notat et ossa 
inglaciat frigus corque dolore pavet. 

Ultra progressus velamen reperit illud 
et laterum cinctum ingemit idque levat 

“Me .miserum’, clamat, ‘quis me furor egit, ut ire 
te solam sinerem per loca plena metus! 

Peccavi, penas in me, dii, sumite dignas; 
ipsa nichil meruit, sum reus ipse necis. 

Causa tue sum mortis ego, tua vivere dudum 
vita fuit, Tisbe, digna perire mea. 

Nox quoque, que care tenebras induxat amice 
perpetuas, fiat ipsa suprema michi. 

Nox mala, nox peior aliis, nox pessima, vitam 
que clausit Tisbes, claudat et ipsa meam! 

Bestia que Tisben distraxit queque cruorem, 
ipsius effundit, fundat et ipsa meam! 

Huc adeste fere, que valle manetis in ista, 
morsu diripite viscera nostra, fere! 


Heu michi, cur primum non egrediebar ab urbe: , 


Finissemque meos absque dolore dies!’ 
Talia conquestus procedit et oscula vesti 
multa dat et lacrimis irrigat uberius. 
Sicut erat multo perfusum sanguine velum, 
sic eciam multo proluitur lacrimis 
Arbor erat iuxta, de qua prediximus ante, 
hanc petit et sub ea stans ita mestus ait 
“Sicut non potui preter te vivere, Tisbe, 
sic, quod sis sine me mortua nolo diu.’ 


287 tarde A 292 viro AB 296 fere] vere A 
notat ossa A, notat et sa B 306 dudum fehlt A - 307.digne 4 
317 Sinissemque B 321 proluitur B (?), per linthea A 


59 


298 vidit A 
314 qu A 


325 sis] siat A 


60 | Anonyme Pyramusdichtung 


Nec contracta “diu’ gladium manus inproba solvit 
et proprium stricto transfodit ense latus. 
Dum cadit in terram, crudo de vulnere ferrum 
extrahit et multo sanguine fedat humum. 
'330 Et velut eicitur et in auras spargitur unda, 
si plumbi forsan fistula scissa fuit, 
haut secus extracti sequitur vestigia ferri 
ubertimque rigat arboris yma cruor. 
Ast ubi sparsa radix est eius sanguine, statim 
335 purpuream speciem pendula poma trahunt. 
Duni timor abscedit, audacia.dum redit, antro, 
quo latuit Tisbe, protinus egreditur. 
Hec redit et iuvenen querit multosque timores 
et mala, que fuerat passa, referre cupit. 
340 Vult quoque narrare, qua fugerat arte leenam, 
et vult narrare gesta modumaque fere, 
scilicet ut cede venit saturata recenti, 
scilicet ut multo sanguine feda fuit, 
| scilicet utque sitim satis sedavit in unda, 
345 se quoque sub tenebras isse referre parat. 
Dum redit atque videt morum, que candida prima 
protulerat poma, sed modo nigra stupet; 
accedit proprius, miratur, an illa sit arbor 
et locus: incertum fecerat ille color. 
350 Credit abermasse, cum conspicit, ac ita secum 
“Heu michi, fallere te, Pirame, cogor ego!’ 
Dum stupet et querit, corpus moribundum 
aspicit et tremula membra ferire solum. 
Aspicit atque timet tam flebilis inscia fati 
353 atque retroducit tacta dolore pedem. 
Pallor in ora subit et, ut quatitur morus leni 
vento, sic toto corpore quassa tremit. 
Ast ubi perfecte iuvenem cognoscit, amaros 
effundit planctus, fletibus ora rigat, 
360 evellit digitis crines et pectora palmis 
percutit et teneras dissipat ungue genas. 
Incurvata super morientis corpus amici 
innectit collo brachia clara suo, 
oscula pallenti gelidi quoque figit in ore. 
365 Nam rubor a facie fugerat atque color. 


331 in] inde AB 332 haut] hanc AB 333 urbertimque B 336 reddit A 
338 que fehlt B 340 ante A 344 que fehlt A 344 satis] sputis B 345 se] 
sic A 346 cedit A 349 illus ista B 357 quasse B 358 amaros] amoris A 
362 Incurvati B 364 gelidi] geudi B 365 fugiat B 365 morus coniec. Bischoff 
more AB 


Anonyme Pyramusdichtung 61 


Inscia quid preter lacrimas impendat amico, 
has impendit ei prorsus et absque modo, 
permiscet roseum lacrimarum fonte cruorem, . 
u infundit lacrimis vulnera cruda suis 
370 denudatque suum per talia verba dolorem, 
— maior erat verbis actuum ipse dolor — 
“Me miseram’, clamat, “cur, Pirame, sic periisti ? 
Quis tristis casus te michi surripuit? 
Unde tibi mors hec, mors invida, mors truculenta, 
375 mors mala, mors fera, mors flebilis, unde tibi ? 
Mors odiosa, mee quoque mortis causa futura, 
cur annos iuvenis demitis ante diem ? 
Et tu siquid habes in te modo, Pirame, Tisben 
nunc affare tuam, stat prope te, quae vocat. 
380 Et si non poteris assurgere corpore toto, 
surge tamen vultu, lumina tolle tual 
Promo tuum nomen!’ Tisbes (vocem) audit, otellos 
quamvis morte graves erigit atque vidit; 
ut semel aspicit, eterna nocte gravata 
385 lumina subtraxit perpetuoque tegit. 
Ut tamen attrectat velamen et aspicit ensem, 
“Hec mea vestis’, ait, "hic tuus ensis erat. 
Nunc scio, nunc video, quia te tua dextra peremit 
teque tuus fodit ensis amorque meus. 
390 Mortua credebar sine me tibi teste reperta 
per que tuum gladius transiit ergo latus. 
Sum tibi causa necis, heu, propter me peristi:! 
In me vindinctam sumite, celicole. 
Vitam demerui, quia per me corruit ipse, 
395 | ipsa dedi causam mortis et ipse manum. 
Ad cedem modo prompta manus veluti sibi certe, 
hunc sequar ad manus, utar et ense suo. 
Nec nos disiungit, quamvis mors separat omnes, 
reor, sum causa sue mortis et ero comes. 
400 Et vos, amborum Piramique meique parentes ee 
quos orbos faciet, heu, brevis hora modo, 
nox quibus ista dabit, per secula longa doloris 
materiam, precibus, oro, favete meis: 
Nos nimis frenis univit nexus amoris 
405 nec nos disiunget hora suprema necis. 


366 quidquid A impendit A 367 ei fehlt B 370 Denudat atque A 371 ac- 
tum B 377 cum B 378 si quidem A 380 toto] tuo A 38ı tamen] cum B 
382 Promo] Porro AB 384 simul Aaspicit hanc A 386 attractat B 390 tra- 
debar B 396 prompta] prescripta A, prompto B 403 fehlt A 404 univit) 
sumit B, disunit (?) A, frenis] frenius AB | 


62 Anonyme Pyramusdichtung 


—— nenn. 


Hoc unum rogo, quod tumulo ponamur eodem, 
urnaque sola tegat corpora nostra duo. ° 
Et tu, que corpuüs ramis spaciantibus, arbor, 
nunc tegis unius, iam cito bina teges. 
410 Tu nostre cedis, tu nostre conscia mortis, 
te meus infundet sanguis, ut ante suus. 
Uno perfusa sit iam fundenda secundo 
sanguine; te facilem precantibus hiis 
in signum nostre cedis per secula cuncta 
5 ° pro nitidis pomis picta rubore feras.’ 
Precidensque suas per talia verba querelas 
“Cur cito non moriar, sicut oportet’, ait. 
“Morte mea pensabo tuam’, nec plura locuta 
se, quo fossus erat Piramus, ense fodit. 
420 Effluitat sanguis, radices arboris intus 
irrigat, ad manes spiritus accelerat. 
“Sed quid plura loquor? Dii sic statuere, quod arbor 
nigra dabat poma, que prius alba dedit. 
Vota sepulture superos movere parentes, 
425 hos eodem tumuio deposuere simul. - 
Hoc quoque de casu placeat dixisse duorum, 
ne quisquam temere rursus amare velit. 
O quam flebilia Veneris stipendia, quam sunt, 
dura satis, que dat premia militibus! 
430 Mens infirma intus, macies premit extra 
| artus, perpetuo pallor in ore sedet, 
evergunt (?) crure, discedit sompnus, ebescit 
visus, sepe parum potus et esca placent. 
Hiis septem se iungit amans et ad omnia claudit 
+35 mors, donativa Venus dat ista suis, 
que septem prima Veneris sunt premia; scire, 
qui semel expertus est, sua tela potest. 
Mors eciam sepe sequitur, quod morte duorum, 
quos prudens dixit pagina, nosse potes. 
440 Hoc ergo si quem delectat, fiat amoris 
signifer, et Veneris milites obsequiis 
et tu qui caperis in amore nove mulieris, 
si non 'restiteris, scito, quod eger eris. 
Quantum torqueris, qui captus amore teneris 
445 quique iugo Veneris subdita colla geris! 
. Est igitur melius cum primo sparserit ignes 
alma Venus toto pellere corde faces 


411 procidensque B 412 secunda A 417 non cito B 428 stupendia B 
431 dant A 432 ebescit] obescit A 434 ad fehlt A 435 donatura A 
dat] da B 437 et A 440 Hoc AB 444 cor queris B 


Ovidius de :somnio 63 


quam predicta pati vel deteriora, potentis, 
postquam regnare ceperit intus amor. 


430 Explicit Piramus von der hubscheit, 
wy zweyen liben dick komt leyt, 
von ires herzen grunde, 
- dy nicht von munde zu munde 
mogen clagen iren gebrechen, 
455 dick unß daz ir herz zu schechen, 
dy nicht an einander mogen gesyn. 
‘ Glaube mir uf dy trewe myn: 
kommen sy dan eins zusamens beyde, - 
so streichen sie uber dy wilden heyde, 
460 in gesche auch liebe ader leyde etc. 


III. 
De somnio. 


Frankfurt a. M., Städt. Bibl. Ms. ııo (S. Bartholomaei), p. 26, saec. 
XIII. ex. (F) zwischen echten und unechten Oviddichtungen. Ersten 
Hinweis verdanke ich Dr. L. Bertalot (München). 

London, Brit. Museum, Ms. Harl. 4913, fol. ıı2®—ı138, saec. XV 
(H). Erwähnung bei Bartsch S. VI. Photographien verdanke ich J. P. 
Gilson (London). | | 

Zürich, Zentralbibl. C. 103, fol. 291, 45”—46Y, saec. XV (Z). Abschrift 
verdanke ich Dr. Jak. Werner (Zürich), der das Gedicht in der Deutschen 
Literaturzeitung 1907, Sp. 3168, genannt hatte. — Vorhandensein anderer 
Hss. sehr wahrscheinlich. ' | 


Ovidius desompnio. 


Nox erat et placido capiebam pectore sompnum 
et gravior solito tunc michi sompnus erat. 
Tunc mea terrifici presserunt pectora visus 
et mea que moveant hesito visa malum. 
5 Quatuor a quadris surgebant flabra columpnis, 
grandine commixta perfida surgit hiems. 
Ecce duae species stabant in nubibus altis 
et sibi conflictu prelia mira dabant. 
Altera flagranti ridebat vulnera vultu, 
10 altera crudeli fuderat ore minas. 


448 predicta] delicta A 449 Amor] Amen A 450—461 nur in A 455 Sinn? 

Überschrift fehlt Z, Ovidius de sompnio F, P. Ovidii Nasonis de somno H 2 tum, 
darüber veltuncF. 35a quadrigis verbessert zu a quadris Z flagra Z 6 permixta Z 
8 mira H, dira vel mira F, dira, übergeschrieben dura Z 9 ridebant H 


64 Ovidius de somnio 


Interdum celso vicere cacumine nubes, . ; 
interdum terris alteritate iacent, | 
Heu michi, diversa facies diversaque vestis, 
non illis vultus, non color unus erat! 
3 Altera flammigero lustrabat nubila vultu 
aurificisque caput texerat illa comis. 
In manibus gravidas plures gestabat aristas, 
in pedibus violas, ebria saepe tamen. 
 Nescio si minio vel qualibet arte siccatus 
20 virgineo rubeus haeserat ore color. 
Pinguior, Hesperidum germanum credere posses, 
continuo risu gaudia magna dabat. 
Hanc ergo tenui cupiebam tangere tactu, 
sed levis ad nubes illa volabat avis. 
25 Altera continuo plorabat perfida luctu, 
obscena facie, corpore turpis erat. 
Cui caput immensum, collum subtile iacebat, 
. sordidum et squalidum pectus habebat iners. 
Longior et macies cunctos tenuaverat artus 
so stridebatque nimis dentibus atque minis. 
Saevior in digitis ignem ferrumque tenebat, 
cuius ab ore ferus exit odor nimius. 
Quas bona portabat, ferro caedebat aristas, 
tunc cito sic caesas igne coquebat eas. 
sw sed bona de truncis festinaque grana trahebat 
lucique immissa tergere saepe studet. 
Saevior illa tamen spicas non caedere cessat, 
hoc opus, ille labor intus utramque manet. 
Heu male tum subito visa est tetra vincere forma 
40 succubuitque tetrae forma benigna deae. 
Non potuit tantas species bona reddere spicas, 
quas non feda sua caederet illa manu. 
Illic conveniunt tanquam ad spectacula multi 
et pavidis oculis bella stupenda vident. 
45 Vir tamen ex illis veniens de nubibus unus, 
hic michi comperta voce locutus ait: 
“Quodvis ista manent quae cernis visa, futura 
temporis instantis maxima dampna vides. 


ıı vincere Z, superabant vertice H ı3 diversae H diversaque tegmina vestis H 
14 über vultus noch unus F 15 mendula über nubilaZ ı16.artificis über aurificisque Z 
ı9 minio] nimio£2 velF,utZ,seu H 27 cui] quoi H vel manebet über iacebat F 
28 sordidum] sordibus 3 30 sedebatque Z minis] nimis A 35 festinam granam 
F, alias festina A 36 Immissaque luce H studet über solet Z 38 ille] iste Z 
39 tum] cum Z est fehlt HZ 44 stupenda] darüber miranda F, miranda nachge- 
ragen H 45 Vir) Ut H 47 quodvis] quodputas H 48 vide H 


Hevoiden des Baudri de Bourgueil 65 


Quatuor a quadris, quae surgunt flabra columpnis, 
30 2... mors sunt, ira, metus et gemitusque simul. 
Haec sunt pestiferae coniuncta ferocia dextrae 
et se connexo saeva furore tenent. 
Hanc bene quam cernis spicas adsurgere densas, 
| divitiis species dissimulata tenent. 
55 Hanc male cedentem quam ferro cernis aristam. 
Heu, heu crudelis est mala forma famis, 
quod bona succubuit visa est mala vincere forma, 
Praevalet haec nostro tempore saeva fames. ’ 
— Talia dum senior pavido michi verba dedisset, 
tum michi nec sensus vox neque mens fuerat. 
60 Hunc quoque dum saeva superatam sternere iactu 
pertulit et totam mandere dente parat, 
dumque ferox comitem crudeli dente vorari 
ructuat et putrido sulphure complet aer, 
hinc cito per cunctos ceciderunt corpora campos 
65 et iacet infesto sulphure magna cohors. 
Exitus hic sompni, tremor hinc ferus ossibus haesit 
deseruitque color, membra pavere mea. 
Explicit Ovidius sompnia visa ferens. | 


IV. 
Heroiden des Baudri de Bourgueil. 
Rom (Vat.), Reg. Lat. 1351, saec. XII!, fol. 12’—24R (a), 53R—58R (b), 
nach Delisle vielleicht Dedikationsexemplar des Autors. 
Veröffentlichung fehlte bisher. Die Anfänge mitgeteilt durch L. Delisle 
in der Romania, I 36. ' 
a) 
PARIS HELENAE. 


Quae vestrum nomen latum vulgavit in orbem, 
si qua fama meum vestram spiravit in aurem, 
quis sit Alexander Paris, est res cognita vobis, 
formarum iudex, quem signat epistola praesens. 
5 Scribere quod scripsi deitas inulta coegit, 
fata Iovis, vates Phoebus Frigiique penates, 
immo coadiutrix Venus et praesaga futuri, 
quae dea votivis nequit esse iugalibus absens, 


49 flagra Z 50 fehlt FZ 53 Hac H 55 nach 56 Z 56 forma est mala H 


unter Auslassung von famis, fama vel famis Z 58 hoc FZ 60 quoque fehlt H 
61 protulit H 62 Cumque H 63 eructuat Z 65 cohorsjchoros F color verb. 
aus calor Z, calor H 68 Ovidius] pxkdkxs Z vissa Z Regine celi qui servit 


‚mente fideli ab omni pena trahet eum virgo serenaZ: r&loc H 
Studien der Bibliothek Warburg 13. Heft: Lehmann 5 


66 Heroiden des Baudri de Bourgueil 


quippe Venus semper iustos dispensat amores 
10 et nichil est, Cipridem quod disparet atque Hymeneum: 
ex aditis igitur vel vox delata sub auras 
vel dii praesentes; nec enim me fallere possunt; 
nam nec adhuc aliquem cortina fefellit eorum. 
Saepe quidem numero super hoc me commonuerunt. 
15 Hi michi dixerunt, quia Teucro nubet Achiva, 
nubet Alexandro Troiano filia Ledae. 
OQuae deducta potens a gentis origine Graiae 
femina praepollens a nobilitate Pelasga 
transferet Argivas ad Troiam sola Micenas 
20 et multis annis regno regnabitur uno, 
ultro continuus Tirio miscebitur Argus. 
Ergo praemonitus diis vaticinantibus, ecce 
ipse tibi pando, quod rettulit augur Apollo, 
quod tibi portendunt per me responsa deorum. 
25 Et tibi, ni fallor, mens iam divinat id ipsum, 
digna quidem res est, ut dii tibi vaticinentur, 
et decet, ut tecum praesagia diva loquantur. 
. Ergo fave fatis neque fata morando retardes, 
ad maiora vocant, quam sedulo fata reposcunt, 
30 quam superi vocitant, quam Delius augurat ipse, 
quam Citherea rogat, quam sidera cuncta loquuntur. 
Ergo deos omnes metuas offendere sola; 
offenduntur enim, siquis dilator obedit 
differ — — — — — differat ipsa, 
35 tu tardare potes, sed non avertere fata 
parcendo tolerant ipsi prolongantque futura. 
Nam neque differtur ipsorum impune voluntas, 
sed cumulat paenas tolerantia longa deorum. 
Ergo velis potius fatisque deisque favere 
40 quam prius iratos vix tandem pacificare. 
Ad te, si pro me supplex orator adessem, 
ipse per orandi genus altius alter adissem 
atque meis alios intermiscere colores 
curarem scriptis, ut possent scripta placere, 
45 quatenus insertus color affectare valeret 
alliceretque michi te carminis ordo saporus. 
Addere carminibus quaedam munuscula nossem, 
corda puellarum quibus attemptare solemus. 
Non modo res rogat haec, modo non sunt ista necesse, 
50 vix aliquid pro me, potius loquor omnia pro te; 
ipse revelo tibi, quod provida numina mandant. 


34/35 nur noch z. T. entzifferbar 


Heroiden des Baudri de Bourgueil 


55 


65 


70 


75 


80 


85 


Ha, timeo, ne lenta deos et sera molestes; 
gaudeo, quod merui super hoc diis gratificari, 
quippe revelavi, quod mandant, ore fideli. 

Nil michi plus ad te nisi diis te mando favere; 
si vero tibi vis repeti mandata deorum, 

aut quia fortassis nondum bene verba notasti, 


aut quia vis aliter breviusque videre, quod instat, 


red<d)ita verba michi rescribere non pigritabor. 


Nam neque legato pudor est, ut verba notentur, 
denuo metiri mandata iubentis ad unguen. 
Dii tibi significant, ut mox spreto Menelao 

et, quas imbellis frater veneratur, Athenis 
Troica regna regas; Asie dominaberis omni, 
quae caput est Asiae, si Troiae vis dominari. 
Ergo veni Troiam, Troiae dominare roganti! 
Nam genti nostrae sunt haec oracula nota: 
“Ex Graecis Helenam pensant abducere fata 
abductamque volunt muris inducere Troiae 
inductamque parant Asiae preponere toti.’ 
Estque diu, Priami quod vox haec perculit aures 
patris, laetatur super hoc matura senectus, 
congaudens Hecuba pridem michi sollicitatur. 
Patres, matronae suspenso pectore dicunt: 
“Quid regina diu quam fata dedere moratur ’? 
Aut haec nostrorum nescit responsa deorum, 
aut timet aequoreas pectus muliebre procellas ? 
Omnes ergo simul ventos placemus et auras 
cum libaminibus mites et plena precemur 
carbasa, que Paridi reddant conubia nostro. 
Non etenim poterunt mentiri numina nostra, 
sed neque fatorum praesagia vana putemus.’ 
Taliter Iliadum votis precibusque vocaris, 
ipsa deos timeas, si publica vota moraris. 
Sique diu spernis pia numina, seva mereris. 
Augure fibriloquo tua Grecia semper abundat; 
consule nec pigeat te consultare peritos, 

quid sit, ne deitas tibi constringetur agendum. 
Quod si sermonem vis ex me consiliumque, 

do tibi consilium: diis incunctanter obedi, 

huc ad nos venias, conubia Greca refutes. 
Quod si forte venis uxoria femina nobis, 

toto Troiano dotabere femina regno. 


60 nicht mehr zu entziffern, vollständig übermalt 


67 


68 


95 


zoo 


105 


215 


125 


130 


135 


Heroiden des Baudri de Bourgueil 


Nec tibi conubio grave sit succedere nostro. 

Non mea nobilitas a nobilitate Pelasga 

discrepat aut unquam superat Lacedemona Troiam. 
Si tibi sunt fratres Castor Polluxque gemelli 
Ledaque divina pro fertilitate superbit, 

nam sua progenies dii condita transit ad astra, 

et mea progenies diis adnumeranda nitescit, 

et mea diis atavis praepollens floret origo, 

et michi sunt fratres, est armis inclitus Hector, 
alter cui parili nequeat probitate parari; 

sunt alii, sua quos sustollit in aethera virtus: 

his Phoebi tripodas, datur his cognoscere fibras, 

his indagari stellas sedesque deorum. 

Sed quid eos memorem nisi quod, quicunque mei sunt, 
sintque tui fratres simul et tibi subiciantur. 

Immo nec Argivam grave sit tibi linquere gentem; 
Cycropides inbelle genus, gens dedita fanis! 

Fabula nulla fuit, quam non tua Grecia finxit! 

Hii iuvenes madide docuere vacare palestrae, 

hii furibunda satis docuerunt orgia Bacchi. 

Et laberintheum Grecus furor edidit antrum, 
Icarus infidas, ut credunt, induit alas. 

Hi quoque, quid resonet vacuis in rupibus echo, 

et docuere simul, quanti sit adhuc Ganimedes. 
Quod facinus, quoniam scripserunt in monimentum 
attribuendo Iovi crimen, quod Iuppiter odit! 

Illud in exemplum puerisque virisque dederunt 


 virginibusque mares ex magna parte tulerunt. 


Quo solo facto debes quecunque, puella, 

hos odisse viros, et neglige nomen Achivum. 
Quid quod virgineos homo Grecus gestat amic<t)us, 
suppara magna gerunt et terram sirmate verrunt 
et crinalis acus revocat ducitque capillos, 
imponunt capiti nocturno tempore mitras; 
coniugibus parcunt, ut cum Ganimede laborent, 
unguine virgineo refovent sua corpora Grai, 

pene suis nuribus fas et ius deliciarum 

eripuere mares propriumque sibi tenuerunt, 
indigetes Grai, quod non sunt, esse laborant. 
Forsitan et quidam vellent magis esse puellae, 
quod si forte sibi pariendi competat usus. 
Finibus a patriis coniunx arcebitur omnis, 
Graiugenae steriles uteros orate virorum 

et de semiviris superos querimonia tangat. 

Has igitur terras, hanc funditus effuge gentem. 


Hervoiden des Baudri de Bourgueil . 


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Letabunda tibi plaudet Neptunia Troia. 
Pergama facta manu divinae prolis habebis, 
Troia, flos Asiae, totum tibi suggeret orbem, 

si divum monitis, si sis quoque credula nobis. 
Non eris in culpa, si divum iussa sequaris, 

si dedigneris Danao fore concuba pelex; 

qui terit aetatem barbamque comamque colendo, 
damneque coniugium dici haec cöniunctio debet. 
Confracti maculant opprobria nulla pudoris, 
nulla superficies, actus infamia nulla, 

quam vis magna deum vel dat vel cuilibet aufert. 
Ipse pudor, fastus tibi dissuadere iugales | 
mentis et inculte pecualia foedera debet. 

O si Teucrorum praecelsa palatia cernas, 

o si sydereas venias genitoris in aulas, 

o si marmoreas videas sub tecta columnas, 
sique struem thalami quandoque videbis eburnam, 
si quoque fulcra domus nitidis interlita gemmis 
Pergameosve lares vel cuiuscunque penates, 

pro modico Danaas poteris deducere pompas, 
immo casas humiles sua celsa palatia dices, 
quodque putant aulas magalia parva vocabis. 
Sic res Argolicae sunt nostris aequiperandae, 
Quilibet ut nanus est aequiperandus Olimpo, 
milvus ut accipitri vel tanquam corvus olori. 
Preter tantarum memoranda cacumina rerum 
quando quidem Troiae de nobilitate superba 
fando vix aliquam conitor stringere summam, 
cum nequeant nostris tot res lucescere verbis. 
Teucros haeroas molimina magna virorum 

Grais dissimiles, ut Graios pomiliones, 

Troianos autem moderatos esse gigantes 
laudando dicas. Horum regina videbis 

caesarie flava stellata fronte decoros, 

consilio claros a diis magnis oriundos, 

pectore robustos — — manuque potentes; 
matronis, nuribus, uxoribus atque puellis 
integritas aevi formaeque decentia tanta est, 

ut decor aetatem deceat aetasque decorem. 
Munere divinae decorantur compositurae 
impubes pueri vel quos aetas adolevit 
pubetenus, tanta faciei compositura 

vernant, aetati quae congruat et speciei 


175 2. T. unleserlich 


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Hervoiden des Baudri de Bourgueil 


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exuperet quorum Narcissum gracia vestrum; 
quos a diis genitos moderata decentia signat. 
Solis coniugibus spreto Ganimede vacamus, 
nobiscum alterius non est violatio sexus. 

Quis memorare situm memoratae desinat urbis ? 
Est siquidem Troiae situs ipse saluber et aptus; 
dives enim tellus cerealia farra quot annis 
vomere culta levi cupidis messoribus affert. 

Ipse etiam tractus hilari dilectus Hiaco 
exhilarat gentes geminata commoditate 
Bacchia; non similes generat Praeneste racemos; 
immo nec ille locus, qui dicitur Area Bacchi, 
urbi vicinus, quam dicunt Aurelianem, 

talia vina bibit nec talia vina refundit, 

quae rex Henricus semper sibi vina ferebat, 
semper ut in bellis animosior iret et esset. 
Pauperibus siquidem velut addit cornua Bachus, 
sic ignit tepidos et dextras armat inermes. 
Arbore pomifera passim plaga nostra redundat, 
nec desunt fontes nec prata virentia desunt, 
pascua non pecori, non altrix silva ferinae; 
insequimur cervos, scutatos figimus apros, 
auritos lepores, damnas et rinocerota. 

Quis praetermittat Simoentis clara fluenta ? 
Quis Xanthi vitreas non admirabitur undas, 

cui praeter Ligerim nullus similabitur amnis 

et qui Burgulii rigat ortos Cambio felix ? 

Hic quoque piscose sapor est et copia predae 

et resonant unde stagnantes alite multa. 

Pinus auricomas quis numeretur in Ida, 
quercus glandiferas, tangentes sidera cedros ? 
Fraxinus in silva rigidis hastilibus apta, 

omnis ager nobis hac fertilitate redundat 

sicut in autumnis ut totus rideat annus, 

aut mixtum speres autumno perpetuum ver, 
dum flores semper, dum fructus semper habemus. 
Ne me falsa putes mandatis inseruisse, 

tu veniens videas, quod erit testare videndo. 
Non melior testis, quam qui conspecta profatur; 
testis ego verus et adhuc mea dictio constat. 
Has alternantes direxit Iuppiter ad nos. 

noverat is nostra, quia sit sententia iusta. 
Iudicium feci, nequeat quod iure refelli. 


185 coniugimus Hs 212 numeretur] nomiretur As 


Heroiden des Baudri de Bourgueil 


Crede modo Paridi, Paridi quia numina credunt, 


in nullis fallax, in cunctis sum tibi verax! 
Sique venire cupis, timeas tamen ipsa venire, 
ve] quia flat Boreas et quassant aequora pupim 

2 30 vel quia vir presens nolentem te retineret, 
altera sit nobis, diis altera sollicitudo: 
ipse virum reprimam, dii flamina turgida placent, 
implebo, si vis, armato milite classem, 
obvius ipse viro pugnantes ense repellam 

235 et predam pugnans intra mea Pergama ducam. 
Nobilis o preda, semper memoranda rapina, 
quae michi pluris erit, si sit mea sanguine fuso, 
quae michi plus placeat nostro pensata cruore, 
quam potius caram reddent commercia dura; 

240 gracius est etenim, quod quis sibi vindicat armis. 
O nimium felix, quem talis preda preibit, 
pro tali preda Stigias innasse paludes 
vel quemvis vellem durum superasse laborem, 
aurea multa michi non essent vellera tantıi. 

245 Attamen expetiit IJason non multa, sed unum, 
sique venire velis potieris compote voto; 
nam nisi si nolis, veniendi non eris impos, 
non virtutis inops erit umquam filia Ledae. 
Est opus incepto, si vis te credere ponto, 

250 si mare sit placidum, si vela Favonius inflet. 
Te committe rati, si vir tuus hinc procul absit. 
Credo, quod superis industria vestra favebit. 
OQuocirca securus ego certusque perorTo, 
credo velis nolis oracula certa deorum; 

255 nam veniet, veniet quicquid cecinere futurum. 
Si vis illud, erit et erit, si forte repugnas. 
Pena repugnantem spectat, pax grata volentem. 
Ergo velis cum diis, quia diis obstare nequibis, 
me quoque venturum tua littera significabit 

260 atque tuum pernix ad nos iter anticipabit. 
Nostraque legato mandetur epistola fido 
nostraque versetur latitans sub pectore vestro. 
Sique deest aliquid quod oportuerit magis addi, 
addas. Nam subito, quo littera iusserit ibo. 

265 Ibo pedes vel eques vel, si placet, ibo liburnis, 
ibo solus ego vel fretus remige multo, 
id michi difficile, quod nolis ipsa iubere. 
Sique iubere velis, nil est grave nilque molestum. 


258 obtstare Hs 259 venturam Hs 


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3 sprarsit As 


Heroiden des Baudri de Bourgueil 


Nam michi sunt classes, michi sumptus et michi vires 
Et michi sunt comites, nostri quoque dii miserentes 
sunt adiutores. Nichil obstat, uterque velimus. 
Dic michi sic “venias’, veniam quo carta notabit; 
in Paridis thalamos dea migratura, valeto. 

Terque quaterque vale, valeas, ut et opto valere. 
Sic michi rescribas, ut me iubeasque valere 

et per te valeas tua scripta michi recitare. 
Attamen amplectar, in me quoque pene recondam, 
quae veniens Helenae recitabit epistola nomen. 
Carta quidem felix nimium, quae tangere vestras 
in scribendo manus meruit, felicior autem 

haec mea, si recubans Helenae sub pectore pauset. 
OÖ tunc carta Paris, Paris autem carta fuissem, 
atque modo possem, poterit quo carta latere 

atque meus subito rursus michi sensus inesset 

et scires, quis ego, quis ego, quoque dicere possem, 
carta domi remaneret, ego quoque mitterer ad vos, 
essem legatus pro me bonus atque fidelis 

interpres Paridis Paridisque vicarius essem 

et propter Paridem tecum causas agitarem 

et responderem, si respondere iuberes, 

et sapidos oculos et verba sapora notarem 

et de te raperem, quod me rapuisse deceret. 

Quam citius poteris, Paridem tua carta revisat, 

ut fessum recrees et sanes debilitatum. 

Et, rogo, dulcisono resonet te carta boatu 

sitque michi speculum, per quod te cernere possim. 
Florida verba michi deleget florida virgo 

quae michi Ledeae vultum mentemque figurent. 
Verbaque mellito tua sint condita lepore 

et potius scribas, michi quae placitura videbis. 


HELENA PARIDI. 


Fama tuum nomen nostram celebravit in aurem 
estque diu, Paridis quod res et commoda novi: 
iudicium factum te totum sparsit in orbem. 
Nam quis conticeat de iudice dicere tanto? 

Diis quasi praelatus est iam, qui iudicat ipsos, 
iussus es edictum libripens proferre deabus, 

ut sopirentur mentes ita litigiosae. 

Iuppiter astute subduxit iudicio se, 


Heroiden des Baudri de Bourgueil 


et tamen ipse satis litem discernere posset, 

10 quam dictarat eis pomo discordia iacto, 
amens a mensa quod erat seclusa deorum, 
sed neutram voluit sapiens offendere divus; 
iussit eas Paridis demum decreta subire. 

Iudex iudicio finem superapposuisti. 

15 Sic intellexi rem, sic ex ordine novi, 
quin etiam, quae sit merces tibi debita, novi, 
quid Venus et Iuno promisit quidve Minerva 
vel quam vel cuius promissum preposuisti. 
OQuam puto, quam spero, melius dii fata secundent, 

20 spernque metumque meum dii mutent in potiora. 
A superis melius liceat sperare timenti, 
ha, nimium timeo, quia sit tibi perfida Iuno, 
quod tibi sit deitas gravis atque molesta Minervae. 
Ira fuitne, rogo, magnae Iunonis inulta ? 

25 Turbata Iunone simul turbabitur aer, 

aere turbato tellus infida manebit. 
Iuno maritat humum, si nobis pacificetur 
et male suada Iovis subducet commoda nobis. 
Dissentire nequit coniunx a coniuge tanta, 

32 Iunonem nunquam non exaudire valebit 
Iuppiter atque Iovi semper sua Iuno favebit; 
qua re Iunonis omnino est ira timenda. 
Praeterea tua nobilitas et gloria Troiae 
et Priami nomen antiquatumque volumen, 

35 sceptrigeri multas dominatus in regiones, 
Hectoris et nomen nostras devenit ad aulas, 
totius mundi nobiscum machina vivit. 

Nam quid igniti lateat tot lumina solis ? 
Aut ad nos mittit aut nobis subditur orbis, 

40 vix locus est ullus, cui non dominemur in orbe. 
Aethiopes, Indos devicit nostra iuventus 
et domuit linguam, quam dicit Greca Latinam. 
Thebarum noster prostravit moenia miles, 
fragmina fumiferos reddunt huc usque vapores. 

45 Nescio quo pacto vires evasit Achivas 
atque suo potiatur adhuc tua Teucria sceptro. 
Nescio quid patula michi nunc versatur in aure, 
nescio quid secum mea mens pensando susurrat 
et res ex rebus quasi presagando volutat. 

so Tu causam queris, tibi qua dominentur Achivi, 
qua prosternantur nisi fallor moenia Troiae. 
Nec michi fibrarum nec prepetis omina pennae 
nec sacra Iunonis incognita nec sacra Phoebi. 


74 Heroiden des Baudri de Bourgueil 


Tu michi fatorum, michi tu responsa deorum 
55 affers, et rerum magnarum volvitur ordo. 
Est etiam nobis augur Dicteus Apollo 
atque futura michi stillavit cordis in aure. 
Is mutanda michi conubia sepe profatus 
et natale solum dixit pariter fugiendum 
60 me regno Troiae dotandam precinis esse. 
Audio res ınagnas, iacet hic mutatio rerum, 
Hoc siquidem pacto Troiae dominabitur Argus, 
ne quid inexpertum, ne quid sit nonsuperatum 
virtuti nostrae. Dii res ita regnaque pensant: 
65 vel duo coniungam vel ego duo regna resolvam. 
Causa rei magnae conservor femina sola, 
si mutabo solum, si federa prima refutem. 
Hoc itidem dudum michi vates insinuarunt, 
terque quaterque michi seriatim rem recitarunt. 
70 Sed me Iunonis multum deterret imago; 
nusquam commota vadam secura Minerva. 
Forsitan explebo fatis auctoribus hanc rem. 
Tristibus inceptis deitas infensa favebit, 
ut male perfectis olim malus exitus instet 
75 et peccatores exterminet ultio dira. 
Id cave, ne nobis in crastina tempora fiat, 
sed dices: verum placari numina possunt, 
Esto. Placentur. Placabilis hostia fiat 
et dimittatur facta pro fraude reatus. 
80 Dii placabuntur, si crimina destituentur, 
Sed si crimen erit, Paridi quod adultera nubam, 
restituarne viro? Repetam conubia spreta ? 
Sed qua despectum prospectem fronte maritum ? 
Nunquid despectus vir me dignabitur ultra ? 
85 Placarine potest polluta coniuge coniunx ? 
Nec cito dimitti pollutio publica quibit, 
numina, ni redeam, nusquam michi conciliabo. 
Velle redire grave est, gravius quoque nolle redire. 
Sed potius peream quam, si tibi nubo, revertar. 
90 Eripiarne tibi michi vel magis eripieris ? 
An te desererem infelix et vivere possem ? 
Siccine divellar Paridis complexibus unquam ? 
Heu semel innexus solvetur nexus amoris. 
Hoc solo verbo mea iam precordia marcent. 
95 Taliter has pensans mecum delibero causas, 
at desolatam rursum res consulit ipsa, 
non id preciperent superi, si culpa fuisset, 
crimen adulterii non numina sancta monerent, 


Heroiden des Baudri de Bourgueil 


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caelicolae tales occasio criminis essent. 

Ipsi discernunt, rem tractant altius ipsi. 

Non debemus eis torpenti corde favere; 

ipsi principium, medium, finemque serenent. 

Et tamen et superos aliquid fecisse fatentur: 
Iuno Iovi summo, si creditur, insidiata est. 
Insidiata virum de pelice sepe notavit. 

Argus vivit adhuc custos, ne Iuppiter erret. 

De Ganimede quidem penitus decerno tacere, 
illicitos Veneris complexus sol reprehendit. 

Et nimphae faciles diis consensere frequenter 

et sibi sepe favent nec non sibi numina parcunt. 
At nos censura sua, nos correctio dura 

continuo cohibet, quatit asperitate severa. 

Sed contra superos quae nos presumptio movit ? 
Aequanimi voto patiamur facta deorum; 
quicquid agunt etenim, non est reprehendere nostrum. 
Diis liceat facere, nobis liceat tolerare, 

nos quoque de nostris sollicitemur agendis. 

Ut scribis, Troiam si venerit hospita coniunx, 
coniunx alterius, coniunx de gente superba, 

in quam si veniam, quia de me carta profatur, 
infestabor ego quandoque furore tuorum 

et tua plebs nimiam pro me fervescet in iram 

et tua progenies, tua copia magna parentum 

in me consurgent, cum bellis afficientur, 

quae modo non sperant incommoda, cum patientur. 
Namque meae gentis michi magna superbia nota est, 
sunt genus infractum, gens invictissima bello, 
quae perferre queat duros nimiosque labores, 
provida consilio, gens plurima, gens opulenta 
nec thalamo Paridis patientur me sociari, 

dii licet annuerint, sedato pectore Grai. 
Ulciscenda sibi superest iniuria tanta 

et coniurabit propter me Grecia tota; 

nam sic amissam Tex efferus ipse dolebit 

et populos omnes dolor altus in arma ciebit. 
Sique meus nolit quasi dedignando maritus 

hoc scelus ulcisci, tegat iram dissimuletque, 

at non hoc eius frater pateretur inultum 
Cycropidaeve duces Aiax et durus Achilles 
presignansque patris animum iam Pirrus Achillis, 
Thessandrus, Stelenus, Palamedes et Diomedes, 


130 Verbessert aus Nec poterunt Paridis me federibus sociari 


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76 Heroiden des Baudri de Bourgueit 


consiliis pollens et fraude malignus Ulixes 
atque duces alii, quorum dare nomina longum est. 
Hii Troiam longa vallabunt obsidione 

145 atque manu dira miscebunt prelia multa. 

Tunc dare terga prius discet Troiana iuventus 
et, quos assuetos armorum ferre laborem 
scribis et invictos et diro Marte potentes, 
imbelles videas et vulgus inhers reprehendas, 

150 frigida corda putes gentemque vocabis inermem. 
Nam Dolopum tanti constabunt agmina vobis, 
ut, si pugnetis, vos non pugnasse putetis, 
quosque pusillanimes nunc asseris et muliebres, 
magnanimos videas et confiteare viriles. 

155 Parcius ergo suo suus hostis deroget hosti. 
Accinctis et discinctis est gloria dispar, 
lauda victores tandem certamine facto. 

Mutua pax nobis, modo gens utrinque togata. 
Confligent acies, ensem res ipsa rogabit. 

160 Laus neutri parti nisi laus, quam vindicat ensis. 
Ensis parturiat, non verba volantia, laudem 
et minus audaces res, non bene gesta, refrenet. 
Victores autem res gnaviter acta coronet, 
quos neque convinxit vel necdum pugna diremit 

165 et necdum potitur gens haec aut illa triumpho, 
parcius extollas hos, parcius hos reprehendas. 
Nec tamen obliquis anfractibus invehor in te 
nec Teucrum Paridem regina redarguo regem, 
sed tamen eventus belli foret inspiciendus 

176 et tunc emerito potiretur quisque triumpho. 
Tunc quoque namque mei me maxima cura remordet, 
cum belli instabunt propiora pericula Teucris. 
Tune prius illicitos abiurabunt hymeneos, 
tunc omni populo coniunx odiosa videbor. 

175 Cum vero natos matres nuptaeque maritos 
et cum virgo suum bellis amittet amicum, 
cum funestabunt sua Pergama sanguine cives, 
cum cadet exanguis puer ante oculos genitoris, 
Tindaridis facies invisa videbitur atque 

180 totius belli furialis noxa dicabor, 
et cinerata phalanx reliquorum armabitur in me 
atque retorquebunt in me dispendia pugnae. 
Tuncque ligata manus, Atridae restituenda 
exolvam poenas, quas dictet adultera Troia, 

185 quae me pellexit per multa oracula vatum, 
quae precibus votisque suis mea corda subegit, 


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quae rea pollutae nostrae fuit integritatis. 
Namaque tibi parcet sanguis tuus et tua Troia 
atque meus sanguis surget crudelior in me. 
Haec Elenam reprimunt, Helenam hec metuenda coercent 
Immo iugalis amor, etiam tenor integritatis, 
haec me dissuadent, ne muter ad extera regna. 
Attamen a superis sperare licet potiora, 
propitiabuntur dii, si diis (quoque) gratificemur 
et meliorabunt sua vel presagia nostra. 

Pro re tantilla fortassis non Menelaus 

aut alter multum super hoc Atrida dolebit 

seu pro Ledea iurabit Grecia tota 

seu prohibebuntur, ne vadant omine duro 

seu mnare fluctivagum sevis aquilonibus actum 
obruet in pelagus disperso milite vulgus 

sive Joquax Itacus multo cecabitur auro 

et solus faciet pacem venalis Ulixes. 

Dives et a Grecis Priamus redimetur avaris 
Aut etiam optato potietur Troia triumpho 
atque minor numerus disperget milia multa 
vel finem pugne pugnando differet Hector 
sive molestati longe nimis obsidionis 

casibus Argivi gladioque fameque subacti 
illesa Troia remigrabunt ultro Micenas. 
Quando volunt superi vel parcere vel misereri, 
quis queat effari, numerare, sed et meditari, 
quot signis, quot portentis, quanta ratione 
secreta subito rerum mutatio fiat ? | 

A superis ergo quisquis speret meliora. 
Semper enim superi sunt indulgere parati, 
lenit decretum lenis clementia divum 
consiliumque suum clementer numina mutant, 
nec tamen iniuste, sed secreta ratione. 

Ergo confisa plus de bonitate deorum 

quam diffisa meis vel factis vel faciendis 

ipsa favere simul diis et tibi credula possem, 
si non obstaret res altera, res nocitura, 

res michi quae gravis est, feralis et intoleranda: 
me nimis angustat violandi fama pudoris. 

Et licet ipse pudor, si venero, non violetur, 

— nam me fata vocant et sic rem numina pensant — 
attamen humanas infamia polluet aures, 


‚quae legem nescit neque ius edicere novit, 


quae bona vel reticet aut inficit aut male mutat, 
res male mutatas vacuas dispergit in auras. 


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Hevoiden des Baudri de Bourgueil 


Id timeo, gravis est infamis fama superstes. 
Nam mea forma velut terrarum splendet ubique, 
utque meum nomen decor unicus extulit orbi, 
sic levis aura meos mortalibus efferet actus 

nec dicet, quanta vel qua deitate coacta 

hospes ad externum transivi femina regnum, 
quam facie tristi, quam pectoris integra casti, 
quam diris divum terroribus expavefacta, 

pene minis monitisque patentibus exanimata. 
Tantum dicetur: Rupit Ledea pudorem 

atque iugale viri violavit adultera fedus. 

Hac turpi populos aspergine fama replebit 

et Ledam laedent eadem contagia matrem; 
fata simul fratrum iamiam divina meorum 
rumor et infestus et fama volans viciabit. 

Tunc autem matris faciem pudibunda videbo ? 
Aut rogo, qua facie supplex fraterna rogabo 
numina, dum pro me tulerunt obprobria dura ? 
Hunc eciam poterit ratio lenire timorem. 

Nam michi nil aliud nisi tantum fama nocebit. 
Nam quia divino, iusto res ordine fiet, 

hanc saltim fratres rem noscent utpote divi 

et geminum sidus paulo post ambo futuri. 
Aequanimes igitur fratres materque benigna 
remque serenabunt et sic decuisse probabunt. 
Nil nocet ergo michi nisi fama modo popularis, 
scilicet in populos haec turpia verba refundet, 
culpas augebit, de diis taciturna silebit. 

Nam velut infamis velit omnis fama volare, 
haec bona quaeque tegit, mala vero spargit in auras. 
Non tamen id timeo, si fama quod est fateatur, 
ut probitas Helenae nosterque pudor maculetur, 
sique velit falsos intermiscere colores, 

inficiet verum, nigro superinduet album. 

Si tamen est iustum plenumque viget rationis, 
nisibus ut totis faciamus iussa deorum 

Scilleos strepitus ut surdi pretereamus, 

vulgaris ventus non est diis anteferendus. 

Sic placeamus diis, ut vulgo displiceamus, 

si tamen est a diis longe sententia vulgi 

sique potest fieri, parti placeamus utrique. 

Sin autem deitas audacter preficiatur, 

— sic deitas loquitur, ut nunquam falsa loquatur, 


sic et homo loquitur, nonnunquam ut falsa loquatur — 


ergo caelicolis constat magis esse favendum, 


Heroiden des Baudri de Bourgueil 


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qui nunquam fallunt, nunquam falluntur et ipsi, 
quam qui terrigenae fallunt, falluntur et ipsi. 

Diis igitur faveo, sequor ad quaecunque vocabunt. 
Heu, Menelae meus, quam lugubris avehor a te, 
quam lacrimosa tuis rapior complexibus uxor, 

heu quam dura meum patitur suspiria pectus! 

OÖ utinam vel nunc diis non parere liceret 

vel non essent dii, quibus ut faveamus oportet! 


. Ut furibunda loquor, quia torquet viscera meror, 


anxietate gravi facies pallendo liquescit. 
Eripiarne meo vivens mulier Menelao ? - 
En violabo fidem, quam debeo nupta marito ? 
Saltim testis erit lacrimarum vena mearum 
insomnesque oculi, dolor et suspiria cordis 

et, qui cuncta videt, sol et nox conscia luctus 
conscius et lectus libatae virginitatis. 

Quod penitus nolens patriis divellor ab agris 
quodque viri tandem thalamos invita relinguam. 
Attamen ipsa meum sub corde feram Menelaum 
nec poterit nostrum removeri pectus ab ipso. 
Et sit testis amor me non violasse pudorem, 
nec tamen ipsa fidem tibi conservabo minorem 
nec minus in Paridem, quam debet, sponsa movebor., 
Immo iugalis amor, tenor inconvulsus amoris 
libatique suo complexus more vicissim 

dandaque mox nobis occasio collogquiorum 

re vera poterunt mentes unire duorum. 

Ergo non ultra claras visura Micenas 

ad michi promissum Paridem fatis properabo. 

Iam mea terra vale dulcesque valete Micene 

tuque meus thalamus, michi conscius et Menelao, 
ipse maritali quem foedere sepe sacravit! 

Vadam gente mea caritura simulque propinquis, 
vadam sceptrigeri Priami visura penates. 

Nec iam me retinet pudor aut labor ullus ituram. 
At discessurae clam non est duxque comesque, 
hanc cum presertim scierit rem nemo meorum 

nec cuivis mandare velim secreta deorum. 

Ergo, quem super hoc totiens dii premonuerunt 

et cui fata favent, Paris obvius ipse venito. 

Nam tibi res agitur, tibi femina Greca paratur 
curaque maior ei, cui res erit utilitatis. 

Ille labor placeat, cui merces grata subinstat. 

En ego mando tibi, tua sicut epistola dixit. 

Te, sicut vellem, venturum significasti. 


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348 facto Hs 


Heroiden des Baudri de Bourgueil 


Ecce volo venias, venias velut institor alter, 

res citius fiat quam rumor preveniat rem 

et malo ramus superappendatur olivae. 

Sic urbi pacem, michi designabis eundum, 

ut vero tanges portus et littora nostra. 

Tu lateas intus, socii nautaeque loquantur, 

quae deceant reges, vos res dicatis habere 

nec nisi reginae vel regi ostendere velle 

nec vos posse rates hinc vestras exonerare. | 
Sed veniat rex et regina vel alter eorum, 
interea lateant, ne possint arma videri 

et superaddatur armis quaecunque supellex. 

*Nuncius, ut mos est, veniet festinus ad aulam. | | 
Ipsa domi subito faciam remanere maritum, 
cum paucis adero, qui sitis et unde, rogabo. 
Troiam vos, aliud simulantes, dissimulate, 
ascendam navem, vos autem rumpite funem 
et velox placide remus lentetur in unda 
et mox in plenos vertantur carbasa ventos, 
ut fugiat navis velocior alite quavis 
et faciat pernix fuga desperare sequentes. 

Si tamen ira meos armabit et efferet in nos, 
ille meus, quicunque licet tua sentiat arma; 
precedat, que me portaverit, uncta carina 
sustineantque duae bellum pondusque sequentum. 
Ista licet non sic res insperata pararit, | 
nec quid opus factu gens noverit obtupefacta 
ocius ergo, sibi quam possint consuluisse 
accelerate fugam, quin ventos anticipate. 

Tunc iubeas toto remis incumbere nisu, 

tunc a me prudens oculos averte parumper. 
Tempus erit, de me cum sit tibi tota facultas 
et queat expleri nobis alterna voluptas. 

Ecce tuae cartae respondit cartula nostra. 
Nostra locata tuo sub pectore littera pauset. 
Nam tua pausabit nostro sub pectore semper, 

a sinibus donec nostris avulseris ipsam. 

Littera, queso, mea, Paridem michi sepe saluta, 
sepe salutato Paridi me gratificabis; 

non tardabit enim si gratificabimur illi. 
Expectate, veni, Paris, ut pariter redeamus, 


“ ne faciendo moras ortantis vota retundas, 


ne michi mentem dii vel mutent aequora venti. 


Heroiden des Baudri de Bourgueil 


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Sic michi rescribas, ut tu tua carmina reddas, 
quatenus exponas non intellecta legenti, 
praesenti praesens ut possis dicere: sic est. 
Immo, quod expecto, michi dicas illud: aveto, 
suscipiasque meum tibi me dicente: valetol 


b) 
FLORUS OVIDIO. 


Fletibus irriguam mitto tibi, Naso, salutem, 
qua tamen omnino, dum careas, careo. 

Ipse salute cares in Ponti finibus exul, 
Romae sum lugens ergo salute carens. 

Quis procul a patria patriae non semper anhelet, 
ad natale solum nec cupiat reditum ? 

Nullus pauperibus locus est, habitatio nulla, 
nulla sibi propriae mentio fit patriae. 

At qui civis eras Romanae nobilitatis, 
ipsis non impar sanguine caesaribus, 

pulsus ad extremos, Parthus quos excolit, agros 
immerito meritis iungeris exulibus. 

Ut reus iniustam fers duri Caesaris iram, 
inde nec iniustas ipse fero lacrimas. 

Ecce cares Roma, gelidum removeris ad Histrum, 
annum dimidiat qua glacialis hiems. 

Orbis Roma caput, qua totus convenit orbis, 
orbis imago tibi deliciosa domus, 

nota theatra tibi, tibi cognita porticus omnis 
omnis et ipsius nota platea tibi. 

Quo populi coeunt, quo fundunt vota puellae 
et loca nota tibi, tu quoque notus eras. 

Fallere te nungquam potuit venatus amorum, 
retia forte tibi tendere si libuit. 

Femina nulla tuis fuit impenetranda sagittis, 
cedebat iaculis femina cuncta tuis, 

suspectusque viris nec eis tamen invidiosus 
affectare ipsos ipse tibi poteras. 

Nulli odiosus eras, sed eras gratissimus omni 
excepto, quod te non bene Caesar habet. 

Quippe gravis rumor pulsavit Caesaris aures, 
de te deque sua coniuge rumor erat. 

Nullus amicorum sedavit Caesaris iram, 
nil tua profecit musa vel eloquium; 

Caesar enim nunquam magis implacabilis ulli 
quam tibi tantilla pro levitate fuit. 


Studien der Bibliothek Warburg 13. Heft: Lehmann 


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Heroiden des Baudri de Bourgueil 


Nulla viro est tanti res quam de coniuge fama, 
nulla ingrata sui fama pudica thori est. 
Nec tamen ad sanctum sunt haec delata senatum, 
communi famae carmen amoris obest. 
Communi famae res livida dissimulatur, 
quod noceat, dicit esse poema tuum. 
Nec tamen exilio te dignum musa peregit, 
sed tibi plus musa Caesaris ira nocet. 
Sexus uterque diu sine carmine novit amare, 
quod tenuere prius secula, tu recitas. 
Non tu secla doces, sed secula te docuerunt: 
Argus decipitur versibus absque tuis, 
versibus absque tuis delentur moenia Troiae, 
novit amare Venus versibus absque tuis. 
Naturam nostram plenam deus egit amoris, 
nos natura docet, quod deus hanc docuit. 
Si culpatur amor, actor culpatur amoris; 
actor amoris enim criminis actor erit. 
Quod sumus, est crimen, si crimen sit, quod amamus. 
Qui dedit esse deus, prestat amare michi. 
Nec deus ipse odium fecit, qui fecit amorem; 
namque, quod est odium, nascitur ex vicio. 
Tu recitator eras nec eras inventor amoris, 
nulla magisterio flanıma reperta tuo est. 
Scriptor comedus pereat pereatque tragedus, 
si levis aura tuae paginulae pereat. 
Denique quod pulsus patria, quod factus es exul, 
id Caesar potuit, non calamus meruit. 
Ecce michi reduces facit haec querimonia fletus 
et nunquam veteres en renovat lacrimas. 
En renovat lacrimas Nasonis casus acerbus, 
ha, nimium doleo, quod tibi nil valeo. 
Nil valeo et doleo, quia sis michi causa dolendi; 
quod tamen et doleo, hoc vehementer amo. 
Participare tuis quantum licet opto querelis 
—- causa querelarum nec tamen ipse fores — 
in lacrimis saltim si nobis participemus, 
non nos a nobis arbitror esse procul. 
Corpore sum Romae, sed votis exulo tecum; 
nam nulli potius quam michi carus eras. 
Roma michi locus est, tibi Pontus, vel michi Roma 
sit Pontus, Pontus vel tibi Roma foret. 
Heu, nos a nobis omen grave cogit abesse, 
attamen absentes spiritus unus alit. 
Irrequietus ego terras metibor et aequor, 


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ut saltim tecum demorer exul ego; 

sım Nasonis ego, Naso sit Caesaris exul, 
Naso potestatis, exul amoris ego. 

Debeat inscribi nostro res ista sepulchro: 
Exul Nasonis sponte sua iacet hic. 

Tunc laetabor ego, tunc molliter ossa quiescent, 
si superaddatur hic tumulo titulus. 

Reges edomiti vim Caesaris experiantur, 
experiar liber foedus amoris ego. 

En alii timeant sibi verba tonantia regum, 
‚fretus praevalido pectore nil timeo. 

Nil aliud timeo, nisi claudat ut aequora Caesar 
abdicatque michi protinus orbis iter. 

Ecce malum duplex, heu, si me segreget a te, 
si nos a nobis separet impietas. 

Immo nos unus capiat quicunque locellus, 
ambo vivamus, vivere dum liceat. 

Alter si moritur, subito moriatur et alter, 
nos ambos unus suscipiat tumulus. 


Aurae vitales a semet non dirimentur, 


carnibus expositae spiritus unus erunt. 

Tu quoque, tu Caesar, tunc non dominabere nostri, 
lurida sub te sunt corpora, non animae. 

Quid moror in verbis? Promissa est solvere tempus. 
Dum quoque Caesar abest, acceleranda via est. 

Nunc etenim Morinos et fines fulminat orbis, 
sed iam praeproperat fama redire virum. 

Vadam nec veteri posthac fraudabor amico 
nec nos a nobis mors etiam dirimet. 

Attamen anticipet praenuntia cartula, nostrum 
adventum dicens: en tuus ille venit. 

A lacrimis ergo, dum venerit ipse, vacato, 
ne nimis expensis tunc careas lacrimis. 

Nulli signa viae per te sint cognita nostrae; 
explorator enim Caesar ubique sedet. 

Nomine quod nostro mutiletur epistola nostra, 
optinuit Caesar, quem nimis ipsa timet. 

Ipsa timet, ne visa semel non sentiat ignes 
sive manus lacerae discidio pereat. 

Nec tamen a solito fraudabitur ipsa: Valeto. 
Immo refert audax: Naso meus valeas. 


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Heroiden des Baudri de Bowrgueil 


OVIDIUS FLORO SUO. 


Quam michi non habeo, mitto tibi, Flore, salutem 
exul ab urbe mea Naso poeta tuus. 

Exul ab urbe mea, toto magis exul ab orbe, 
orbis barbaries cui proprius locus est. 

Hic intemperies caelorum conglomeratur, 
hic locus est alter, alter et ipse polus, 

hic situs est alter, alter glaciemque nivemque perennans, 
hic riget antiquo putrida gleba gelu, 

hic me revera semovit Caesaris ira, 
vivo quod exul ego, Caesaris ira potest. 

Nec tamen emerui, quod Roma refutat alumnum, 
civis Romanus exulat immerito. 

Si Caesar mitis michi iudicium pateretur, 
Caesaris ipse libens iudicium paterer. 

Non me iudicium damnat, sed dura voluntas; 
nam quod vult Caesar, Caesaris est ratio. 

Sed tempta, si forte tui deferbuit ira 
Caesaris huncque tuum taliter experiar. 

Quod si fervet adhuc nec me velit ipse reduci, 
ex his me saltim gentibus amoveat. 

Leniet exilium, si me removebit ab Histro; 
si mutabo locum, iam quasi liber ero. 

Ad me venturum te carmine significasti, 
sed te venturum non mea causa rogat. 

At rogat, ut maneas, ut pulses Caesaris aures, 
quandoque proficiet res iterata michi, 

Ipse videre potes, quia saxum perforat imber, 
non vi, sed quadam sedulitate ruens. 

Nolo fatigeris, poteras veniendo perire, 
multa viatores mortis imago tenet. 

Obsunt praecipites porrecti in sidera montes, 

plurima vallis obest, ipsum Acheronta petens. 

Ingeminare meos quid vis, periture, dolores ? 
O utinam peream, si veniendo peris! 

Nunc doleo de me, de te tunc ipse dolerem. 
Portio tu vitae dimidiata meae es. 

Nervi, iuncturae tabescunt, ossa medulle. 
Te solum nostri viscus amoris alit. 

Nos antiquus amor nobis inviscerat estque 
expertum nobis foedus amicitiae. 

De te non dubito, de me quoque non dubitabis, 
non est ambiguus noster habendus amor. 

Ergo crede michi: maneas cum Caesare Romae, 


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te michi, te quaeso Roma meum foveat. 
Contemplare igitur tibi post convivia ternpus, 
tempore quo reges incaluere mero. 
Contemplare sui monimenta, recensa triumphi, 
rumores laetos laetaque colloquia. 
Tunc aliquid caute ludens intersere de me, 
nil intemptatum quaeso relinque tibi. 
Compella socios, compella quos valituros 
praenosces et agas rem prece vel precio. 
Si potes, ipsius tantummodo verba coerce, 
pro qua, quem nosti, me reveretur adhuc. 
Attamen iniuste de coniuge me reveretur, 
quem natura facit coniugis inmemorem. 
Nostra puellares exponunt carmina mentes 
nosque puellarum non quatit ullus amor. 
Quod si vivat amor aliquis vivatque voluntas, 
horum iam neutrum subcomitatur opus. 
Garrula lingua michi moresque fuere pudici, 
ex utero cecidi castus et inpos ego. 
Sed me virginibus mea pagina gratificavit, 
quippe docet, quid amans sexus uterque velit. 
Id Caesar noxe reputavit nec reputavit, 
quod docet haec eadem, qualiter absit amor. 
Nec docui iuvenes, ut amarent, sed magis illud, 
si quid amare libet, qualiter aut quid ament, 
Curans ut civis civiliter omnis amaret, 
urbis seducta rusticitate meae. 
Fac igitur semper, ut sis cum Caesare noster, 
noster cras esto, sicut heri fueras. 
Noster sis, ut te spondet tua pagina nostrum, 
sis bonus et melior, uam michi promerui. 
Aut michi sis talis, qualem tibi me voluisses, 
si sortis nostrae te tetigisset onus. 
Aut michi sis talis, tibi qualis et ipse fuissem, 
si veniat casus alter in alterius. 
Ecce tibi fortuna favet, faveatque precamur. 
Me quoque transverso respicit intuitu. 
Sint mea fata michi, tua vero divide nobis. 
Attamen ipse michi iam mea dimidias, 
tu comes et socius, tu nobis fidus amicus, 
assumis lacrimas participando meas. 
Sed rogo lamentis modicum te subtrahe nostris, 
sed neque te nostris subtrahe subsidiis. 
Ingere Caesareis te totis nisibus alis, 
ingere te mensis, ingere te thalamis, 


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Heroiden des Baudri de Bourgueil 


ingere colloquiis de me, que digna videbis! 
Multi vicerunt improbitate sua, 
sed de me taceat velut invida Caesaris uxor 
nec quicquam de me suggerat ipsa viro. 
Attamen ipsi viri poterit tibi pandere verba, 
haec tibi verba viri, tu sua pande michi. 
Si quid decernet Caesar quasi mitius in me, 
mox sua iussa tuus nuncius anticipet. 
Nam nichil esse potest, quod possit durius in me. 
Si placet, occidat; nam michi mors levior. 
Sunt tria quae vellem, quoniam leviora videntur: 
solvi, transferri sive necando mori. 
Haec tria quaeso michi faciat, michi de tribus unum; 
praeter quod fecit, nil faciet gravius. 
Aggravet ipse manum, semper leviabitur ipsa, 
quippe gravare nequit, sed leviare potest. 
Forsan ut infidum me mendacemque veretur; 
attamen istorum me fateor neutrum. 
Ecce fidem de me sacramentumque paciscor 
tuque paciscentis proximus obses eris. 
Sı sibi sint odio mea carmina, carmina vito. 
Exilium peperit improba musa michi. 
Si quoque Caesareos iubear narrare triumphos, 
sidera contingam pectine doctiloquo. 
Grandia dico satis, sed grandia dicere debet, 
ut sic evadat, quem premit exilium. 
Nec tamen ultra me sum Naso poeta loquutus, 
omnibus ingenii cognita vena mei est. 
Ingenium dives me regum duxit ad aures; 
me plus quam volui sustulit ingenium. 
O utinam ingenium hoc latuisset Caesaris aures! 
Ingenium exilii fit michi causa mei. 
Ingenio didici formas inducere formis 
et quicquid volui dicere musa fuit. 
Forsitan haec olim tibi me dixisse iuvabit, 
haec aliis itidem dicere cum poteris. 
Simpliciter nostram si dicas utilitatem, 
forsitan eiusdem Caesar amator erit. 
Nullorum muse vatum sibi sunt odiose 
excepto, nostrum quod male carmen habet. 
Sed de me maior michi quam de carmine nostro 
est labor et cura sollicitusque dolor. 
O me diligeret nec amaret carmina Caesar! 
Haec me cura mei non sinit immemorem. 
Heu, me revera comedint incommoda dura, 


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heu, gravibus morbis afficior lateris! 
Gentis barbaries et lingua profana Latinis 
terraque vere carens me nimis afficiunt. 
O quantum vitae perdit, qui floribus agri, 
qui volucrum dulci garrulitate caret! 
Hic avium vox nulla sonat, flos nullus habetur, 
albicat omnis ager sedulitate nivis. 
O vita infelix morte infelicior omni, 
cui diuturnus inest continuusque dolor! 
Tot michi sunt mortes, quot sunt michi tempora vitae; 
donec vivo miser, semper ego morior. 
Proh dolor, in paenis hominem durare dolendum est, 
morte quidem paenas anticipare leve est. 
Intempestivis algoribus ecce rigesco; 
ve michi, Naso tuus frigore depereo. 
Nec quenquam timeo nec quenquam carta timebit, 
idcirco nomen sepe frequento meum. 
Id sapiat Caesar, id non abscondere possum: 
esse nimis cuperem liber ab exilio. 
O mea Roma, tuis si reddar menibus unquam, 
o si forte tuis uberibus recreer, 
o michi si sanctum detur spectare senatum, 
si reliquos patres sique tuam faciem, 
proruerem supplex in quelibet oscula patrum, 
in tua flore magis oscula proruerem! 
En nunc effundo, quos tunc effundere fletus 
debueram; tantus me dolor exagitat. 
Observant nullum mea iam suspiria tempus; 
tempus enim totum substitit in lacrimis. 
Sed rogo te, rogo te, mi Flore, mei miserere 
atque memento mei, cum tibi tempus erit. 
Tu solus spes una michi, res ipse salutis, 
in te singultus colloco, Flore, meos. 
Verterer in truncum potius velut altera Fillix, 
quam mala sentirem, que facit exilium. 
Invenere dei meliores Laodomiam, 
Piramus et Tisbe numen habent melius. 
Passeris extincti non parvula defleo damna. 
Me deflent oculi non sine rore mei. 
Iam quoque deficio, ne versus versibus addam, 
extremumque ‘Vale’ vix ago, Flore, tibi. 


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88 Venus verteilt die Frauen 


V. 


Venus verteilt die Frauen. 


Rom (Vat.), Vat. lat, 1602, saec. XIV, fol. 48%“V zwischen anderen 
Ovid zugeschriebenen Gedichten, ohne Titel mit der Randbemerkung 
als saec. XV: non est Ovidii, in der unten (alsNr. VIB) veröffentlichten 
Liste als Ovidius de distributione mulierum, versus 44. Bisher meines 
Wissens unbekannt; Text nicht in allem verständlich. 


Rebus in humanis non est res altera talis: 
Si fuerit totis pulcra puella modis, 
hec facit, ut placeat; quam plures querere certat. 
Si perit hec, quid erit? Quisquis amare velit; 
5 non aurum, non gemma placet, rubra purpura pellet 
vir, quoque sordebit et sibi turpis erit. 
Hec precium rebus dat, quas in honore tenemus. 
Hec placent e reliquis, nulla suis meritis. 
Felices, belle quorum sunt forte puelle, 
10 munere vel Veneris que dominantur eis. 
Namque volens dignis illas sociare maritis 
et dare preterea, que decoravit, ea 
celitus advenit media testudine, sedit 
alta sub templi, quod Numa fecit ei. 
15 Mox passis portis intravit clericus omnis 
et fecit lentam quisque salute deam. 
Tunc inquit ‘Pulcras, vos cleri, sumite nuptas’ 
et cepit sponsam tradere cuique suam. 
Quas cum tradebat, sicut dea precipiebat 
20 ‘Semper vos clerus possit amare meus 
et clerum belle possitis amare puelle. 
Femina dum fuerit, iussio semper erit.’ 
Post hec Mercurii properant et Martis alumpni 
ad Venerem pulcrum poscere coniugium; 
25 ‘Has ego non aliis,’ inquit, ‘copulabo maritis, 
quas statui clero semper habere meo. 
Atque reverentes et hii (?) mala cuncta ferentes 
iussit mundanum semper habere malum. 
Pleps eciam, pullo que senper operta cucullo, 
30 post laicos venit, munus idem peciit; 
nam metuunt monachi federa coniugii. 
Dixit divina Venus ‘Meruit connubia clerus.’ 


3 querere Ergänzung durch andere Hand 3 certant Hs 5 place Hs 8 reli- 
quis] requiis Hs 8 placet Hs 21 et clerum] e cellerum Hs 


Listen ovidianischer Dichtungen 89 


Tunc illi Grecum dixere ‘Kirie leyson’. 
Et Venus ‘Hoc verbum dicite perpetuum. 
35 Venisti tardi, non do “possitis amari’”. 
Do vobis salsas sepe comedere fabas.’ 
Cesserunt fratres, cum dedit illa iugales; 
unde manent clausis collacrimantque locis. 
Res fuerant Veneris sub numine mille (salutis,) 
40 qua dotare fecit et tibi, clere, dedit. 
Sic homo quisque suum retinet per secula donum, 
clerus et laicus et monacus tacitus. 
Clerus habet pulcras rerum quascunque figuras 
et mala sunt laicis, Kirie dat monachis. 


VI. 


Mittelalterliche Listen ovidianischer und pseudo-ovidia- 
nischer Dichtungen. 


„Die handschriftlichen Vitae Ovidii sind ohne Wert‘ sagt Teuffel!) 
und hat recht für die Lebensgeschichte des Dichters, nicht für sein Nach- 
leben. Ich hebe wenigstens zwei mittelalterliche Listen der Schriften 
heraus, die besonders reich an untergeschobenem Gut sind, sehe einst- 
weilen von den weniger reichhaltigen Verzeichnissen bei Guiglielmo da 
Pastrengo und in einem Codex Malatestianus?) ab. 


A. 


Krakau, Univ.-Bibl. Ms. 2115, saec. XV”«. pn. 2: 

Hic continetur numerus librorum quos composuit?). | 

I. Primo librum heroidum qui sic incipit Hanc tua Penelope mittit 
tibi lento Ulixe; | 

2. fecit librum amoris q. s. i. Si quem forte iuvat subdi en 
amori. 

3. fecit librum sine titulo q. s. i. Qui modo Nasonis fueramus quinque 
libelli; . 

4. fecit librum de cuculo q. s. i.t) Conveniunt cuncti <subito> de 
montibus altis; 

5. De philomena q. s. 1.5) 3 Dulcis amica veni noctis solacia drestans; 


1) Geschichte der römischen Literatur II® $ 247, 5. 

2) Jos. M. Mucciolus, Catalogus codicum mss. Malatestianae Caesenatis bibliothecae. 
II (Cesena 1784 p. 231 sq.) 

3) Nur die mittelalterlichen Ovidiana und die Ausschnitte aus echten Oviddichtungen 
werden hier von mir mit kurzen Anmerkungen versehen. 

4) Vgl. oben S. 4 ff. 

5) Vgl. oben S. 3 f. 


00 Listen ovidianischer Dichtungen 


6. De pulice q. s. i.!) Parwa pulex ei amara lues inimica Puellis; 

7. De sompno q. S. 1.2) Nox erat et sompnis lapsus submisit ocellus; 

8. De nuce q. S. i. Nux ego iuncta vie cum sim sine termino vite; 

g. De medicamine aurium q. s. 1.?) Ne tibi displiceam quia sum corbore 
parwus; 

IO. De medicamine faciei q. s.i. Discite que faciem comendant cura 
buelle; 

11. fecit librum De psitaco q. s. i.t) Psitacus <Eois> imitatrix ales a 
lumbis; 

12. Duodecimo de Jove q. S.i.?) Lucus amenus erat quem [ons fasiebat 
amenum; 

13. De fastis q. s.i. Tempora cum causis Latium digesta der annum; 

14. De ibin q. s. i. Adhuc lustris bis iam mihi quinque peractis; 

15. fecit Ovidium puellarum q. s. i.°) Summi victoris cum fueram ego 
viclor amoris; | 

16. DePontoq.s.i. Naso Tomitane iam non novus incola terre; 

17. Tristium q. Ss. i. Parve, nec invideo, sine me iam ibis hiber in 
urbem, 

18. Methamorphoseos q. Ss. i. In nova fert animus multatas dicere formas; 

19. Ovidium de remedio amoris q. s. i. Legerat huius amor nomen titu- 
lumque libelli; 

20. Librum de vetula q. s. i.”) Ovidius Naso Peligni ruris alumnus; 

21. De anulo q.s.i. Anule formose, digitum iunctum Puelle. 


B 


Escorial, Ms. V. III. 10, saec. XV, bietet folgende Liste mit z. T. 
schlecht überlieferten Verszahlen, nach Hartel und Loewe: 

Libri compilati per Ovidium: 

Ovidius epistolarum, continens versus 3800, 

O. de sine titulo, v. 2372, 

_—  — — — - OÖ. de ybin, v. 642, 

OÖ. de vetula,!®) versus 2362, O. de pulice,!!) v. 34, 


ı) Vgl. oben S. 6. 

2) Amor. III 5. Vgl.oben S. 2 u. 8£. 

3) Vgl. oben S. ı1ı. 

4) Amor. Il 6. | 
5) Ps.-Ovidius de luco. Vgl. oben S.o9. 
6) Vgl. oben S. ııf. 

7) Vgl. oben S. 13 ff. 

8) Amor. II ı5. 

9) Bibliotheca patrum Latinorum Hispaniensis. I (Wien 1887) S. 256. 
10) Vgl. oben S$. 13 ff. 

ıı) Vgl. oben S. 6. 


Listen ovidianischer Dichtungen 0I 


OÖ. de sompno,!) v. 46, O. de senectute,?) v. (?), 
OÖ. de nuce, v. 200, O. de puellis?), v. 404. 
O. de philomenaf), v. 72, O. de rebus®), v. (?) 44, 
OÖ. de ludo®), v. 80, O. de cuculo’), 54, 
O. de vino®), v. (?), O. de medicamine aurium?, v. 28, 
O. de quatuor humoribus!”, v. (?), O. de osea et ciconial!, v. 48, 
O. de distributione mulieruml?), v. 44, | 
O. de libro Iovis!?, v. (?) gı, O. de schachis!*), 
O. de mirabilibus mundi!°), v. 118. 
ı) Am. Ill 5. 
2) ? 


3) Vgl. oben S. ııf., der "Ovidius puellarum’, der hier gemeint sein dürfte, hat in den 
Drucken 297, in einigen Hss. mehr bis zu 375 Versen, in keiner mir bekannten Überlieferung 
404 Verse. 

4) Vgl. oben S. 3f.; Pascal, Poesia p. 127 sqq.; Letteratura p. 35 sq. 

5) Wohl identisch mit dem Gedichte De distributione mulierum, vgl. oben S. 88. 
und hier Anm. 15. 

6) Ein Gedicht über das Schachspiel ? 

7) Vgl. oben S. 4ff.; Pascal, Poesia p. sqq.; Letteratura p. 84 sq. 

8) Vgl. oben S. 6. Ovidius de Bacho z.B. in den Handschriften Basel F. VII. ı 
saec. XV, Zürich C. 103 saec. XV, Frankfurt 110 saec. XIII; eine Hs. auch in Maihingen. 

9) Vgl. oben S. ıı. 

10) Vgl. oben S. ıı; Pascal, Poesia p. 113 sqq.; Letteratura p. 81. 

ıı) Bisher nicht wiedergefunden. | 

ı2) Text erstmalig oben S. 88 f. veröffentlicht. 

13) = Ovidius de luco. Vgl. oben S. 9 u. 95. Noch unveröffentlicht, in der mir 
bekannten Überlieferung 8ı oder 82 leoninische Hexameter. 

14) Vgl. oben S. ı5; Pascal, Poesia p. 137 sqq.; Letteratura p. 88 sqq. 

15) In der Überlieferung 128 Verse, vgl. oben S. 6£. 


ANMERKUNGEN. 


ı) Noch immer nicht ersetzt ist die Einleitung von Karl Bartsch, Albrecht von 
Halberstadt und Ovid im Mittelalter, Quedlinburg 1861. Aus der neueren Literatur 
seien außer den Abschnitten bei Sandys, Schanz und Teuffel hervorgehoben: E. Faral, vgl. 
meine Anm. 10; A. Graf, Roma nella memoria e nelle immaginazioni del medio evo. II (1883) 
p- 296 sqq.; M. Manitius, Philologisches aus alten Bibliothekskatalogen: Rhein. Museum. 
N.F. XLVII. Ergänzungsheft (1892) S. 3ıff.; ders, Ovid im Mittelalter: Philologus 
Suppl. VII (1899) S. 72ff.; ders., Zu römischen Schriftstellern im Mittelalter: Philo- 
logus. LXI (1902) S. 464f.; Jos. de Morawski, Pamphile et Galatee par Jehan Bras-de- 
Fer, Paris 1917, p. 3 sqq.; F. Novati, Attraverso il medio evo, Bari 1905, p. IIg sqq.; 
G. Paris in der Histoire litteraire de la France. XXIX (1885) p. 455sqq.; C. Pascal, Poesia 
Latina medievale, Catania 1907, p. 87sqgq-; ders., Letteratura Latina medievale, Catania 
1909; R. Schevill, Ovid and the renascence in Spain, Berkeley 1913; Willib. Schrötter, 
Ovid und die Troubadours, Halle 1908 (dazu K. Voßler im Literaturbl. f. germ. u. roman. 
Philologie. 1909, S. 63) ; H. Sedlmayer, Beiträge zur Geschichte der Ovidstudien im Mittel- 
alter: Wiener Studien. VI (1884) S. ı42ff.; S. Tafel, Die Überlieferungsgeschichte von 
Ovids Carmina amatoria, Tübingen ıgıo; K. Voßler, Der Minnesang des Bernhard von 
Ventadorn, München 1918: Sitz.-Ber. der Kgl. Bayer. Akademie d. Wiss. 1918. Abhandl. 
2 S. ı22ff. und die von mir in anderen Anmerkungen genannten Arbeiten. Nachträglich 
verweise ich noch auf das gefällige und anregende Buch von E. K. Rand, Ovid and 
his influence, Boston 1925, das aus gelehrten Studien erwachsen sich doch nicht aus- 
schließlich an Gelehrte wendet. 

2) Die meisten Pseudo-Ovidiana durch Melchior Goldast, Ovidii Nasonis Pelignensis 
erotica et amatoria opuscula etc. (nicht ‘Catalecta Ovidii’, wie Teuffel und Schanz den 
nie von ihnen gesehenen Titel geben), Frankfurt 1610 herausgegeben, von welchem sehr 
seltenen Werke ich ein Exemplar in der Zentralbibliothek zu Zürich benutzen konnte. 
In neuester Zeit hat besonders C. Pascal Notizen über Ps.-Ovidiana zusammengestellt. 

3) Außer den in Anm. ı genannten Arbeiten vgl. beispielsweise Hennig Brinkmann, 
Geschichte der lateinischen Liebesdichtung im Mittelalter, Halle 1925; H. Unger, De 
Ovidiana in carminibus Buranis quae dicuntur imitatione, Straßburg 1914. 

4) Es gibt allerdings auch ein pseudo-ovidianisches Gedicht gleichen Titels, vgl. 
im Anhang 63 ff. 

5) Ovidius ad amicum de inconstantia verum in Rom Bibl. Angelica Ms. 1472 saec. 
XV. Vgl. H. Narducci, Catalogus codicum mss. praeter graecos et orientales in Bibl. An- 
gelica. I (Rom 1893) p. 633. Diese aus Ovid. Ex Ponto IV 3, 49f. stammenden Verse 
ohne Autorbezeichnung auch in den Carmina Burana (ed. Schmeller p. 50 no. LXXXVI?°) 
und in Zürich C. 58/275 saec. XII ex. fol. 36R u. ı5ıV (vgl. Jak. Werner, Beiträge zur 
Kunde der latein. Literatur des Mittelalters, Aarau 1905, S. 76 u. 137.) 

6) Hier alle Hss. aufzuzählen, die den Herausgebern und Bearbeitern entgangen sind, 
wäre leicht, würde aber hier zuviel Raum in Anspruch nehmen. Ich erwähne nur einige 
Textzeugen. Wenn einmal jemand eine kritische Ausgabe oder ausführliche Untersuchung 
aller Ovid fälschlich zugeschriebenen Stücke unternimmt — was lohnend wäre —, stehen 
ihm meine, keineswegs schon vollständigen Notizen zur Verfügung. 


Anmerkungen 7—II | 03 


7) Vgl. die Ausgabe bei A. Riese, Anthologia Latina. Nr. 762, dazu C. Pascal, Poesia 
p. 127sqq. 

8) Compendium part. III lib. III rubr. 12. 

9) Nicht nur der eine junge Ambrosianus, den Pascal, Letteratura p. 85, ohne Hin- 
weis auf Montagnone anführt, sondern auch Berlin Phill. 1796 und Lat. 2°49; Rom. Vat. 
lat. 1602, 9657 und gewiß noch andere. 

ı0) Vgl. Georg Hart, Ursprung und Verbreitung der Pyramus- und Thisbe-Sage, 
Passau 1889; ders., Die Pyramus- und Thisbe-Sage in Holland, England, Italien und 
Spanien, Passau 1891; J. Bonnard, La l&gende de Pyramus et Thisbe en vers frangais 
du XIII® siecle, Lausanne 1892; Picot, Moralit€ nouvelle de Pyramus et Thisbe, Paris 
1901; A. Schaer, Drei deutsche Pyramus- und Thisbe-Spiele, Tübingen 1911; E. Faral, 
Recherches sur les sources Latines des contes et romans courtois du moyen äge, Paris 
1913, p. 5—71; Piramus et Tisbe, po&me du XII® siecle. ed. C. de Boer, Paris 1921. 

ıı) Baudri von Bourgueil schildert unter den Gobelins, die angeblich den Palast 
der Gräfin Adele von Blois (um 1100) schmückten, auch Ovidteppiche; vgl. L. Delisle in 
den M&moires de la soci&te des antiquaires de Normandie. VIII (1873) p. 194 v. ıgısq.: 


Piramus et Thisbe gladio moriantur eodem, 
ex ipsis aulem fabula picta manet. 


Als ich 1925 im Regent-Theatre zu London bei einer Aufführung von B. Shaws Saint 
Joan die Nachbildung eines mittelalterlichen Gobelins mit Pyramus und Thisbe gesehen 
hatte, forschte ich nach und stellte schließlich, dank vor allem der unermüdlichen Hilfe 
von Dr. F. Saxl, einen solchen Bildteppich im Victoria and Albert Museum zu London 
fest. Auch an anderen Darstellungen ist kein Mangel. Nachdem bereits Ch. Cahier, 
Nouveaux Melanges d’arche&ologie etc. I (Paris 1874) p. 228 sq. die Basler Reliefs, die 
in manchem von Ovids Darstellung abweichen, erörtert und abgebildet hatte, gab 
A. Goldschmidt, Der Albani-Psalter in Hildesheim, Berlin 1895 S.7off. die richtige 
Deutung, fand jedoch in dieser Hinsicht nicht so bald genügende Beachtung. Die 
überholte Anschauung bot E. P. Evans, Animal symbolism in ecclesiastical archi- 
tecture, London 1896, p. 303. Dagegen ist vor wenigen Jahren Konrad Escher mit 
Recht nachdrücklich für Goldschmidts Erklärungen eingetreten, vgl. Basler Zeitschrift 
für Geschichte und Altertumskunde. XIV 165— 174. 

Aus dem Codex Paris. lat. 15158 vom Jahre 1289 hat R. Stettiner. Die illustrierten 
Prudentiushandschriften, Berlin 1895, S. 147, eine Bilderreihe zu Pyramus und Thisbe 
hervorgehoben, die er dann, Berlin 1905, in seinem Tafelbande I. 200 Abb. ı9 in 
Verkleinerung hat reproduzieren lassen. St. führt diese Buchillustrationen auf Elfen- 
beinskulpturen zurück und erinnert dabei an den in der Schatzkammer der Krakauer 
Schloßkirche aufbewahrten Elfenbeinkasten saec. XIV französischen Ursprungs, wozu 
J. v. Antoniewicz in den Romanischen Forschungen V (1890) mit unzulänglicher Bild- 
wiedergabe S. 252 und die besseren Reproduktionen bei Raymond Koechlin, Les ivoires 
gothiques Frangais (Paris 1924) pl. CCXIX nr. 1285 (Catalogue t. II, 453sq.) zu ver- 
gleichen sind, und an die Darstellungen eines italienischen Elfenbeinkastens, Tresor de 
numismatigue et de glyptique II (Paris 1836) pl. 33 —35. Französische Elfenbeinkästchen 
saec. XIV mit Szenen aus Pyramus und Thisbe im South Kensington Museum zu 
London, vgl. J. ©. Westwood, A descriptive catalogue of the fictile ivories in the 
South Kensington Museum, London 1876, p. 274sq. Italienische ‘coffrets d’ivoire re- 
presentant le recit d’Ovide’ erwähnt Ch. Cahier, 1. c. p. 229. Koechlin verzeichnet unter 
no. 1212 und 1299 noch andere Plastiken. — Grell aquarellierte Federzeichnungen 
deutschen Ursprungs saec. XV .. findet man in der Handschrift 16. o. 9 des Ferdinan- 
deums zu Innsbruck, vgl. H. J. Hermann bei F. Wickhoff, Beschreibendes Verzeichnis 
der illuminierten Handschriften in Österreich. I (Leipzig 1905) S. 103, und am Schluß 


; einer im Anhang abgedruckten mittelalterlichen Dichtung, München lat. 25187. Plan- 


mäßige Sammlung und Behandlung des seit der Renaissance immer reicher werdenden 
Materials sei dem Kunsthistoriker überlassen. 


04 | Anmerkungen 12—-33 


ı2) Histoire litteraire de la France XV. (1820) p. 427; R. Peiper im Archiv für 
Literaturgeschichte. V (1876) S. 536; W.Cloetta, Beiträge zur Literaturgeschichte des 
Mittelalters und der Renaissance. I (Halle 1890) S. ı22; Joh. Bolte in der Deutschen 
Literaturzeitung. 1893 S. 523f. Peipers Behauptung S. 536, das Gedicht existiere in 
vielen Hss., muß ich einstweilen für irrtümlich halten. 

13) Les arts poetiques du XII® etdu XIII® siecle, Paris 1924 (Biblioth&que de l’&cole 
des Hautes-Etudes. fasc. 238) p. 10. 

ı4) Faral, Les arts poetiques p. 331—335. Incipit: 


Consulte teneros non claudit tulor amantes. 


15) Faral, l.c. p. 10. Incipit: 


A cunis mens una duos amor unus ulrumque. 


16) Daß er eine Pyramusdichtung verfaßt habe, sagt er selbst, vgl. E. Faral, Les 
arts poetiques p. 7. Da Stil und Sprache vortrefflich zu Matthaeus passen, dürfen wir der 
Randbemerkung des Cambridger Codex Vertrauen schenken. 

17) Vgl. die beiden Schedelhandschriften saec. XV München lat. 237 fol. 1ızı8— 
128Y und 416 fol. 239®—245V, Abdruck im Anhang IIC S. 51 ff. 

18) Selbst 1924 scheint F aral von der Reichhaltigkeit der Überlieferung nichts 
gewußt zu haben. 

ı9) Vgl. J. Huemers Ausgabe in den Sitz.-Berichten der Wiener Akademie. CXVI. 

20) Vgl. Anhang S. 46 ff. 

2ı) Darüber schon Faral p. 39. 

zıa) Vgl. Comoediae Horatianae tres, ed. R. Jahnke, Leipzig 1891, p. 16. 

22) MG. Poetae. I 270ff.; H. Walther, Das Streitgedicht in der lat. Literatur des 
Mittelalters, München 1920, S. 35f. - 

23) Ausgabe von E. Voigt, Kleinere lat. Denkmäler der Thiersage, S. 58—-80. 
Vgl. auch Pascal, Poesia p. 142sqg. 

24) Gedruckt z. B. in den Poetae Latini minores, ed. Lemaire. VII275sqq. Vgl. auch 
Pascal, Poesia p. 97sqq. Handschriftliche Überlieferung reich und alt. In Escorial T. 
II. 16 saec. XV als Ovidius de doctrina pulicis! 

25) Handschriftlich in Bern 505, Paris lat. 84294 , Troyes 879 usw. 

26) De lumaca et Lombardo, hrsg. von H. Sedimayer in den Wiener Studien. VI 
ı51f., besser von F. Novati, Attraverso il medio evo, Bari I9o5, p. 1Igsgqq. Unbenutzte 
Hss. in München, Leiden, Schlägl u. a. 

27) Die “‘Altercatio ventris et artuum’ zuletzt gedruckt bei C. Pascal, Letteratura 
p. gısqq. Beste Erörterung durch H. Walther, Streitgedicht S. 60ff., wo viele Hss. nach- 
getragen sind. O. Clemen im Zentralbl. f. Bibliothekswesen. XXXIX (1922) S. ıoıff. 
hat leider Walthers Arbeit übersehen. 

28) Vgl. Jak. Werner in der Deutschen Literaturzeitung 1907 Sp. 3168; C. Pascal, 
Letteratura p. 82. Daß die Verse aus Eugenius Toletanus (MG. Auctt. antt. XIV 236, 
233, 238) genommen, also nicht ungedruckt sind, hat mir J. Werner (Zürich), sich selbst 
berichtigend, am 9. IX. 1924 mitgeteilt. 

29) Gute Ausgabe und Besprechung durch M.R. James in den Essais and studies 
presented to William Ridgeway on his sixtieth birthday, Cambridge 1913, p. 286sqg. 

30) Migne, Patrol. lat. CLXXVII. 

31) ed. A. Le Prevost. III (Paris 1845) p. 275. 

32) Es ist also bedenklich, wenn M. Manitius, Die Gedichte des Archipoeta, München 
1913, S. 29 von einem „mittelalterlichen Sprichwort‘ ‘Parcere subiectis scit nobilis ira 
leonis’ redet, noch weniger richtig, wenn er dieses aus Dracont. Romulea V 310 entstan- 
den sein läßt. M.R. James hat die Verse mit Recht auf Lucan. VI 487 und Ovid. trist. 
III 33 zurückgeführt. 

33) W. Meyer in den Nachrichten der Kgl. Ges. d. Wissenschaften zu Göttingen. 
Phil.-hist. Kl. 1914; P. Lehmann, Die Parodie im Mittelalter, München 1922, S. 156ff. 


Anmerkungen 34—55 95 


34) Archiv der Ges. f. ältere deutsche Geschichtskunde. X 627 und Neues Archiv. 
II 398f. | Ä 

35) Z.B. bei J. de Morawski, Pamphile et Galatee p. 5. 

36) MG. Poetae I 601. 

37) l.c. II 364. 

38) 1.c. III 238. 

39) Jakob Werner, Beiträge zur Kunde der lat. Literatur des Mittelalters, Aarau 
1905, S. 5ıf. 

40) Ausgabe von M. Manitius in den Romanischen Forschungen. VI 4ff., vgl. auch 
Manitius im 11. Bande seiner Literaturgeschichte S. 603 ff. 

41) Abdruck des Gedichtes im Anhang S. 63 ff. 

42) Ungedruckt! Inhaltsangabe bei H. Walther, Streitgedicht S. ızıf. In der 
Hoffnung, daß Walther den Text veröffentlichen wird, unterlasse ich fürs erste einen Ab- 
druck. Jedoch gestatte ich mir hier einige Kleinigkeiten zu bemerken. Die sechs pseudo- 
ovidianischen Nobilitas-Verse 


Nobilitas hominis mens et deilatis imago, 
Nobilitas hominis virtutum clara propago 


usw. sind nicht erst von Jeremias de Montagnone zitiert worden, sondern stehen bereits 
in der Sammlung der Carmina Burana (Schmeller S. 41); von den vier in den C.B. vor- 
ausgeschickten Versen trifft man die ersten beiden 


Posiquam nobilitas servilia cepit amare, 
cepit nobilitas cum servis degenerare 


Bj 


in einem Wiener Codex wieder, vgl. M. Denis, Codices mss. lat. theol. lat. II 2, 1162. In 
der Hs. der Stadtbibl. Frankfurt a. M. Barthol. ııo saec. XIII hat, laut Mitteilung von 
Dr. L. Bertalot, das Gedicht den Titel Ovidius de nemore, in der Liste ovidianischer Werke 
in Krakau Ms. 2115 saec. XV De Jove, in der Liste Escorial. V. III. 10 De libro Jovis. 
Ob im Hamersleber Bibliothekskatalog saec. XIII Ovidius de luco gemeint ist? Bethmann 
las, Serapeum VI 38, Ovidius de lino, G. Becker, Cat. bibl. ant. no. 56, Ovidius de Licia, 
M. Manitius, Rhein. Museum. XLVII. Ergänzungsheft S. 35, emendierte Ovidius de 
Livia (= Consolatio ad Liviam), nach meiner mehrere Jahre vor dem Kriege gemachten 
Abschrift kann man schwanken zwischen Ovidius de litio, licio, lino, luco. j 

43) Gedr. bei A. Riese, Anthologia latina. no. 26. 

44) Riese, 1. c. no. 682. 

45) Vgl. Henri Pasquier, Un potte chretien & la fin du XI® siecle, Baudri, abbe de 
Bourgueil etc., Angers (these) 1878. _ 

46) Als klassischen Zeugen der Freundschäftsepistel hat ihn H. Brinkmann im Neo- 
philologus IX 56f. behandelt. — Was Marius Pieri, Quaestiones ad P. Ovidii Nasonis 
epistulas heroidum, Marseille 1895 (Pariser These), p. 90 sqq. über Benutzung und Nach- 
ahmung der Heroiden im Mittelalter sagt, genügt ganz und gar nicht. 

47) Vgi. auch oben. Anm. 11. 

48) Romania. I 38 sq. 

49) Vgl. die Erstveröffentlichung im Anhang S. 65 ff. 

50) Rhein. Museum. XXXIV (1879) S. 474ff. 

51) Liber de supplenti vescriptionum ad dictas epdistolas Ovidii, ad quas scilicel ipse 
non vescripserat, Delisle, Le cabinet des manuscrits. II 531; Al. Birkenmajer, Bibljoteka 
Ryszarda de Fournival, Krakau ı922 (Polska akademja umiejetnosci wydzial filo- 
logiczny. Rozprawy. LX 4) p. 82. 

52) Pascal, Poesia p. 100 sqq. 

53) Pascal, l.c. p. 107 sqq. 

54) Hersg. von W. Wattenbach in der Zeitschrift für deutsches Altertum. XXXIV 
(1890) S. 277ff. 

55) Hersg. von W. Wattenbach, a.a.O. ıS. 270ff. 


1) 6 Anmerkungen 56—76 


56) Mit diesen Titeln in Halberstadt Domgymn. Hs. 7ı (am Schluß: Procatoria 
explicit ars) und in München Lat. 11601 (im Inhaltsverzeichnis fol. 250Y: Poeta de arie 
procandi). 

57) Verzeichniss der lat. Hss. der Kgl. Bibliothek zu Berlin. II 3 (1905) S. 1260 u. 
1261. 

58) Unbenutzt von Wattenbach z. B. die Hss.: Berlin Lat. qu. 94 und Diez. qu. 79; 
Breslau J. f.ız8; Kopenhagen Kx. 1634; Krakau Ms. 2115 u. 2233; München Lat. 
18910; Paris Arsenal Ms. 898; St. Petersburg Lac. XVII. qu. 18; Wien 3114; Zürich 
C. 56. 

59) Vgl. Th. Gottlieb in den Wiener Studien XII 145f. 

60) Ovidius de nuntio sagaci alias puellarum, so im Bordesholmer Katalog, ‚Sera- 
peum. X 54; Ovidius puellarum z. B. beiHugo von Trimberg v. 734, so auch oft in Hss., 
z. B. Krakau Ms. 2233. Ausgabe des Gedichtes von R. Jahnke in den Comoediae 
Horatianae tres, Leipzig 1891. Der Herausgeber hat nur einen kleinen Teil der Hand- 
schriften benutzt. 

61) Veröffentlichung von mir erfolgt i in der Zeitschrift f. roman. Philologie. 

62) Vgl. Des Minnesangs Frühling, hersg. von F. Vogt, Leipzig 1914, S. 264 (schon in 
M. Haupts Ausgabe, S. 224). Jahnkes Datierung saec. XI ist nicht ohne weiteres glaubhaft. 
Die von ihm beobachtete Mischung von einsilbigen Reimen und zweisilbigen und ihre Un- 
reinheit kommen auch nach ııoonoch als keine Seltenheit vor; der Briefcodex, München 
Lat. 19011, der das Zitat bringt, ist gegen Mitte des ı2. Jahrhunderts entstanden. Ent- 
stehung des Gedichts nach 1150 dagegen erscheint freilich so gut wie ausgeschlossen. 

63) Es gibt viele, aber ungenügende Ausgaben, die letzten stammen von Baudouin, 
Paris 1874, und Ulrich, Zürich 1893. Kritische Ausgabe beabsichtigt A. Hilka (Göttingen). 
Außer W.Creizenach, Geschichte des neueren Dramas. I (ıgıı) S. 3ıff., vgl. jetzt be- 
sonders Jos. de Morawski, Pamphile et Galatee par Jehan Bras-de-Fer, Paris 1917, 
p- 7 849. 

64) Auch bei R. Jahnke, Comoediae Horatianae tres, veröffentlicht ohne volle Aus- 
nutzung des reichen Handschriftenmaterials. 

65) Grundriß der romanischen Philologie. II ı (1902) S. 413. 

66) Vgl. Germania, hersg. von F. H. von der Hagen. V (1843) S. 184. 

67) Vgl. die Hs. Berlin Phill. 1796 (Rose no. 210) mit Ovidius de Birria. 

68) Vgl. Hipp. Cocheris, La vieille ou les dernieres amours d’Ovide, Paris 1861; 
Fr. Haase, De medii aevi studiis philologicis p. 17. Zu den Scherzgedichten hätte Teuffel 

$ 251 Ovidius de vetula nicht rechnen dürfen. Es ist ernst gemeint. 
69) aligui asscribunt sibi (scil. Ovidio) De vetula — — — quem librum scripsit ma- 
gister Richardus de Furnivallis cancellarius Ambianensis et imposuit Ovidio. So Arnoldus 
Geilhoven von Rotterdam 1424 in seiner großen, leider noch immer nicht ganz veröffent- 
lichten beachtenswerten Enzyklopädie, dem sogen. Vaticanus in Paris Bibl. Mazarine 
Ms. 1563 im Kapitel über Ovid. Darauf fußend H. Cocheris, l.c. und G. Paris in der Histoire 
litteraire de la France. XXIX 456. 

70) Über die Auffindung vgl. auch B. Nogara in den Miscellanea Ceriani (1910) 
P- 431. 

71) In der Biblionomia. 

72) Spec. hist. lib. VI (VII) cap. 120. 

73) Opus maius ed. Bridges. I (Oxford 1897) p. 256, 263 sqq.; Metaphysica, ed. 
R. Steele, Oxford 1905, p. 45, 51 SQ. 

74) Das umfangreiche Testamentum Ovidii Nasonis, quod repertum fuit in eius urna in 
lapide plumbeo nec ulla vetustate consumptum, das H. Sedlmayer im Laur. Gaddian.LXXXIX 
inf. 35 fand (Wiener Studien VI 145) ein scholastisches Lehrgedicht nannte und veröffent- 
lichen wollte, ist nichts anderes als De Vetula. | 

75) Vgl. P. de Nolhac, Petrarque et l’humanisme. I (Paris 1907) p. 179. 

76) 1907 teilte C. Pascal, Poesia p. 144 mit, ein junger Gelehrter bereite eine Aus- 
gabe und Erklärung vor. Meines Wissens ist das Werk aber bisher nicht erschienen. 


Anmerkungen 77—94 97 


77) Vgl. Pascal, Poesia p. 137 sqq., ders., Letteratura p. 88 sqq. Gedruckt ist es 
schon durch J. A. Schmeller in den Carmina Burana, Stuttgart 1847, no. 185. Text- 
zeugen gibt es fast in allen Ländern, Pascal hat nur die italienischen herangezogen. Die 
älteste mir bekannte Überlieferung bietet München Lat. 14836 saec. XI ex., hier ist das 
Gedicht, das mit dem Verse 

Qui cupit (oder vult) egregium scacorum noscere oder discere ludum 
beginnt, anonym. Als Dichtung Ovids z. B. in Oxford (Bodl.) Ms. D’Orville 168; Volterra 
204; Wittingau Ms. A.4. — DieVerse, die man im ı. Buche von De vetula über das Schach- 
spiel fand, gehen für sich beispielsweise in Neapel. IV. F. ı2; ebenso wie De vetula III 
31—46 als Ovidius de coniunctione planetarum in Rom Reg. Lat. 314. 

78) CLM. 18910 saec. XV fol. 100 —ıIoıV, inc. Mensae doctrinam da nobis discere 
Christe mit der Randbemerkung: Presens liber intitulatur Liber Ovidii de facecia mense. 
Non enim Ovidius Naso qui gentilis fuit hunc librum conscripsit, sed qui in brandio de 
Christo salvatore loquitur, qui nondum incarnatus erat tempore Ovidii Nasonis. Ohne Autor- 
namen auch in Escorial K. III. 24 und T. II. 16 und anderwärts. Die Behauptung bei 
Hartel-Loewe, Bibliotheca patrum Lat. Hispaniensis. I (Wien 1837) S. 245, daß diese 
pseudo-ovidianische Tischzucht 1838 aus einer Lübecker Hs. durch Fr. Jacob heraus- 
gegeben wäre, beruht auf einer Verwechselung. 

79) Inc. Ardua virtutum faciles carpe, lector, ad usus. Über die Überlieferung dieses 
in Wahrheit von einem Abt Johannes stammenden Gedichtes s. H. Walther, Das Streit- 
gedicht S. 119. 

80) Vgl. Wiener Studien. VI 144. 

81) Giraldi Cambrensis opera. VIII 54. 

82) Liber consolationis et consilii, ed. Th. Sundby, Kopenhagen 1873, p. 26 (= Godefr. 
no. CCVII), 44 (= Godefr. no. LIII), 5ı (= Godefr. no. CXXIX), 53 (= Godefr. 
no. CLIV), 7ı (= Godefr. no. L.), 102 sq. (= Godefr. no. CCXIX), 103 (= Godefr. no. 
CXTI). In De dilectione Dei et proximi kommen unter Martials Firma vor Godefr. no. 
CCVII, CLXIV, III, CCXXIX, CLIV, LIIL, CLXIII, XXII, LIV, CXL, CCXVI, CLVIII, 
CLXIV, XVIL, LXXVIIL CCXXXIII, CXI u.a.; in De arte loquendi et tacendi Godefr. 
no. XII u. XXXIII. Überall rühren die Identifizierungen von mir her. 

83) Vgl. R. Sabbadini, Le scoperte p. 220. 

84) Vgl. Avena in den Atti dell’ accademia d’agric., scienze, lett. di Verona. IV 7 
(1906). i 

85) Ausgabe auf Grund unzureichender Kenntnis der Überlieferung durch Thomas 
Wright, The Anglo-Latin satirical poets and epigrammatists of the XIIth century. II 
(1872) p. 103 sqq. 

86) Vgl. Schneidewins Martialausgabe. I (Grimma 1842) p. IX und 638. — Mazza- 
tintis Angabe, Inventari di mss. delle bibl. d’Italia. IV 9, in dem Isidorcodex saec. XI. 
Ivrea 37 (LIII) stünde auch ‘Martialis poete profetia’, hat R. Sabbadini, II 235, verleitet 
darin ein Stück Pseudo-Martial zu vermuten. Nach Bethmann, Archiv der Ges. f. ältere 
deutsche Geschichtskunde IX 618, stehen in der Hs. Xenia Martialis poetae cocique, d.h. 
lib. XIII 1—ı10 des echten Martialis. 

87) Opuscula I. 

88) Philologus. XLVII 434 ff. 

89) Apuleii, L. Caec. Minutiani, de orthographia fragmenta et Apuleii minoris de 
nota aspirationis et de diphthongis libri duo, Darmstadt 1826. 

90) Vgl. R. Sabbadini, Spogli Ambrosiani Latini: Studi Italiani di classica. 
XI (1903) p. 289. 

g9ı) Pädag.-philol. Literaturblatt zur Allgem. Schulzeitung. 1827 S. 325. j 

92) Der Hiat bei Plautus usw. Marburg ıgoı S. 165: ‚‚Sie liegen in Hss. des 15. 
Jahrhunderts vor, können aber nicht älter als das Jahr 1400 sein. Daß man dies verkannt 
hat, ist schwer begreiflich.‘ 

93) Geschichte der römischen Literatur. $ 367, 10. 

94) Le scoperte p. 178. 

Studien der Bibliothek Warburg ı3. Heft: Lehmann 7 


98 


Anmerkungen 95—Ioo 


95) Geschichte der römischen Literatur. III? S. 183. 

96) Orthographica; Index lect. academ. Marpurgensis 1894/95. 

97) erechtho im Codex Gemblacensis der Annotationes super Lucanum, ed. J. Endt, 
ad VI 519 und 635. Ob bei VI 549, 575, 652, 658, 663, 693, 705, 762, 825, 830 auch Doppel- 
aspiration geschrieben ist, sagt der Herausgeber leider nicht, wie überhaupt viele Aus- 
gaben für Orthographica nicht zuverlässig sind. 


98) Vat. Urbin. Lat. 1180. 
Catania 1896, p. 73. 


vgl. R. Sabbadini, La scuola e gli studi di Guarino, 


99) Pars I (De orthographia), cap. De litera: /dem (quod Priscianus) sentit Apuleius, 
qui dicit, quod vicium Jacit, qui aspirat “pulcer’ vel “sebulcrum’, quia nec ulla consonans 


debet apud Latinos consonari. 


Sed contra hoc potest obici de 'michi’ et 'nichilum’. Sed dicit 
Apuleius, quod debet dici “mici’, licet communis usus habeat “michi’ 


. De 'nichilum’ dico, 


quod componitur a 'non’ et 'hilum’, unde non per se aspiratur. Vgl. Apuleius de nota aspir. 


cap. 45 (ed. Osann p. Iı3 sq. und 117). 
— — Dellitera s ante e. 


‘Sepulcerum’ — — ut dicit Apuleius, vicium Jacit, qui post c ponit asdirationem in 
Latinis dictionibus; unde viciose aspiratur 'sepulcrum’ et “pulcrum’ vel ‘pulcer’. 


P ante u. 
Non debet aspirari ‘Pulcer'. 


Unde dicit Apuleius: errant qui “pulcer’ et 'sepulcrum’ 


per ch scribenda existimant, quia in Latinis dictionibus post c nota aspirationis scilicet h 


nunguam reperitur. 


Von diesen drei Stellen stimmt die letzte wörtlich mit Ps.-Apuleius überein. Wenn 
um 1400 eine Orthographie italienischen Ursprungs sagt (R. Sabbadini in der Rivista di 


filologia e d’istruzione classica. XXVIII 530): 
‘dulcer’ et “sepulcrum’ vitium facit et addit, quod debet dici “mici’ et non “michi 


munis usus habeat dicere “michi 


Unde bene dixit Apuleius, quod aspirans 
’, licet com- 


’, verrät er durch ‘'mici’ und das nichtwörtliche Zitieren 


von Apuleius, daß er nicht auf diesen selbst, sondern auf die erste von mir angeführte 


Stelle des Catholicon zurückgegangen ist. 


100) Roger Baco. 
Opus tertium cap. LXI (ed. Brewer 
P- 245): 


Si igitur nulla consonans aspiratur in 
Latinis dictionibus, tunc, cumdicitur ‘michi’ 
‘nichil’ in usu modernorum, male apponi- 
tur c litera in ultima syllaba, quia Latinae 
dictiones sunt, habentes aspirationem in 
ultima syllaba. Et patet in omnibus bibliis 
et aliis libris antiquis recte scriptis, quod 
non invenitur c litera in istis vocabulis, sed 
solum dicitur “mihi’ et ‘'nihil’. Sed cum 
sint ibi duae vocales breves, oportet quod 
in sono, propter hiatum, causa euphoniae 
coincidant in unam longam; et ideo recte 
dieitur ‘nil’ et ‘mi’. 

Compendium studii philosophiae cap. XI 
(ed. Brewer p.5ıosq.): Nulla vero dictio 
Latina, ut dixi, habet aspirationem con- 
sonantem, quia non est instantia in huius- 
modi dictionibus ‘nichil’, ‘michi’. Non 
enim debent scribi per c, sed sine c ‘nihil’, 
“mihi’. Et quia ibisunt duoi brevia, coinci- 
dunt propter brevitatem in unam vocalem 
longam melius, ut dicatur ‘nil’, ‘mi’. 

Vgl. auch Grammatica Graeca, Pars Il 


Apuleius. 

De nota aspirationis cap. 45 (ed. Osann 
p. 113sq.): 

Quaeritur utrum ‘michi’ et ‘'nichil’ perch 
an per hsinec scribidebeant. Etusus quidam 
modernus obtinuit, ut c interponatur, sed 
rationabilius sine c scribuntur, cum in Lati- 
nis dictionibus post c nota aspirationis num- 
quam reperiatur; unde errant, qui ‘pul- 
cher’ et ‘sepulchrum’ per ch scribenda 
existimant. Ad haec numquam ‘mi’ pro 
‘michi’ et ‘nil’ pro ‘nichil’ invenirentur. 
l.c. cap. 8 (l.c.p. 90): 

A ante r aspiratur in ‘'harum’ genitivo. 
‚In ‘hara’ quoque, quando stabulum signi- 
ficat porcorum, et ut discrepet ab ara deo- 
rum. Dicit praeterea Servius, quod ‘hara’ 
aspiratum avem augurialem significat; a 
quo nomine “haruspex’ et “hariolus’ asserit 
derivata, eosque falsitatis arguit, qui 
‘aruspex’ et ‘ariolus’ ab ara deorum 
astruunt derivari. 

l.c.cap. 2 (l.c.p. 88): 

“Abundo’ quod in plerisque locis aspira- 
tum invenitur, scriptorum vicio tribuendum 
est, cum ‘ab’ praepositio aspiratione careat, 


Anmerkungen I00—104 | 09 


Dist. VII cap. A (edd. Noland et Hirsch unde componitur ‘undo’ ‘-as’. Quod deri- 
p- 131). - vatur ab eo, quod est ‘unda’. 
Opus tertium cap. LXI (l.c.p. 246): 
‘Hariolus’ et ‘haruspex’, quae saepius 
sunt in biblia, aspirantur in omnibus 
libris antiquis; ergo non dicuntur de ‘ara’, 
quod est altare, quia ‘ara’ non aspiratur. 
Quandocunque enim derivatum vel com- 
positum aspiratur, oportet quod eius primi- 
tivum aspiretur et e converso. Et ideo du- 
cuntur ab ‘hara’, quod est avis augurialis. 
Propter igitur inconsiderationem aspira- 
tionis mutantur non solum voces hae, sed 
significata. 
Et per haec eadem patet, quod ‘abunde’ 
adverbum et ‘abundo’ verbum et omnia, 
quae his attinent, non habent aspirationem 
in principio. Nam secundum omnes auc- 
tores nulla praepositio Latina aspiratur. 
Sed haec componuntur de ‘ab’ et ‘unda’. 


ı01) Vgl. P. Lehmann in den Miscellanea Francesco Ehrle. V (1924) p. 378sqq. 

102) Weit ist man bei diesem Problem über Hugo Schuchardt, Vokalismus des Vulgär- 
lateins, nicht hinausgekommen. Einige Nachträge bieten Rönsch, Birt, Bechtel, Grandgent, 
Löfstedt u.a. Da Schuchardt sich auf nicht immer zuverlässige Textwiedergaben stützen 
mußte und seit Erscheinen seines Werkes viele Sprachquellen neu erschlossen sind, dürfte 
es sich lohnen, dem Gebrauch von michi und nichil in der Antike planmäßig nachzufor- 
schen. — Für die Charakteristik der mittelalterlichen Praxis hat man sich gewöhnlich mit 
nichtssagendenVerallgemeinerungen begnügt. So muß man bei Birtinseinem auch für die Ge- 
schichte der mittelalterlichen Orthographie nicht unwichtigen Buch über den Hiat bei Plau- 
tus und die lat. Aspiration S. ızı lesen: „Bekannt ist, daß das Mittelalter regelrecht michi 
und xichil schrieb.‘‘ Er hätte sagen müssen „dasspäteMittelalter.‘‘ Esisteine Ausnahme, 
wenn man in einem Codex des 9. Jahrhunderts wie Paris Arsenal Ms. 483 (vgl. Feder im 
Corpus Scriptorum ecclesiasticorum Latinorum LXV p. XXXIJI) michi, nichil, conchilium 
findet. Auch hundert Jahre später bevorzugt man mihi und nihil. Dagegen drängt sich 
michi, nichil etc. seit dem ıı. Jahrhundert sehr stark vor. In Montecassino z. B. wird die 
aspirierte Schreibung mit großer Regelmäßigkeit gebraucht, ja ältere Codices, die noch die 
ältere Orthographie hatten, werden abkorrigiert, vgl. E. A. Loew, The Beneventan Script p. 
283sq. Wie schnell man sich in Frankreich, Deutschland, England zu michi usw. bekehrt 
hat, ist noch festzustellen. Ich will hier nicht meinen ganzen Zettelkasten umstülpen und 
anderen vorgreifen. 

103) Dictiones multe sunt— — — que aspirantur in medio velin quibus aspiratio poni- 
tur post predictas quatiuor consonantes c p tr, quales sunt: prehendo, michi, nichil, Philippus, 
Rhenus, chorus et similia; ed. Ch. Thurot in den Notices et extraits. XXII 2 p. 142. 

104) Vgl.oben Anm.100.— Aus der spätmittelalterlichen Theorie wähleich zwei Stellen 
aus, um das Interesse für das Schreibungsproblem zu belegen. In einem “Tractatulus Ulrici 
Eberhardi de Neuburga Claustrali’, CLM. 16450saec. XV, heißt es (fol. 248°): ‘Michinichil 
nichilum’ quidam per c scribunt, quidam sine c. Unde, si usum grammaticorum inspexerimus, 
sine c pocius quam cum illa scribere poterimus. Accedit eciam ad hoc, quod c in Lalinis 
diccionibus aspirari non patitur. Johannes Hus in seiner ‘Orthographia Bohemica’ (M. 
Murko in ZTPQMATEIZ. Grazer Festgabe zur 50. Versammil. deutscher Philologen und 
Schulmänner, Graz 1909, S. 148): | 

Illa autem litera (chet und chir) carent Latini, sed utuntiur in prolatione et scribunt c 
cum h, ut patet in his dictionibus “chamus, michi, nichil, Michael’, quem sonum non faciunt 
illae literae; et hinc Latini diversarum gentium varie has dictiones pronunciant, ul quidam 


g7* 


IOo Anmerkungen IOo4—I29 


dicunt “‘kamus, miki, nikil, Mikael’, alii dicunt ‘c-hamus, mic-hi, nic-hil, Mic-hael’, reser- 
vantes sonum proprium ipsius c; alii subticent c et dicunt “hamus, mihi, nihil, Mihael’. 

105) Varro de lingua Latina, Leipzig I91o, p. X. 

106) Rom (Vat.) Reg. lat. 1650 mit einer einzigen aus alten Vergilscholien stam- 
menden Stelle. Ich kenne ihn seit mehreren Jahren aus Photographien, die mir 
W.M. Lindsay freundlichst verschafft hat, und bereite Veröffentlichung im Philologus vor, 

107) Apuleius de nota aspirationis cap. 5, 13, 30, 38; De diphthongis cap. 3,9, 11, 
I2, 15, IQ, 20, 22, 23, 26, 29. 

108) Die unteritalischen Dialekte, Leipzig 1870, S. 358 Anm. 7. 

109) Der Hiat S. ı65f., 260, 281. 

110) Gedruckt Migne, Patrol. Lat. CLXXVII ı3ff. 

ııı) Expositio Virgilianae continentiae, ed. R. Helm (Bibl. Teubneriana) p. gısq. 

ı12) Vgl. Pitra, Spicilegium Solesmense. III p. XLIX. 

113) Verzeichnis astrologischer und mythologischer illustrierter Hss. des lateinischen 
Mittelalters in römischen Bibliotheken, Heidelberg 1915: Sitz.-Ber. der Heidelberger 
Akademie d. Wiss. philos.-hist. Kl. 1915. Abh. 6 u. 7. 

114) Fulgentius metaforalis: Studien der Bibliothek Warburg. Heft 4, Leipzig 1926. 

115) Vgl. die Hss. Fulda B. 3 saec. XI1I/XIII (K.Löffler, Die Handschriften des 
Klosters Weingarten, Leipzig ı912, S. 102), Kolmar 18 saec. XIII (nach Mitteilungen von 
+R. Wackernagel und J. Gabler). Beachtenswert ist auch die Verbindung von ‘Fulgen- 
cius de fabulis poetarum’ mit einem ‘liber de ymagine mundi’ in einem Codex, den 1513 
die Wiener Dominikaner besaßen, vgl. Mittelalterliche BibliothekskatalogeÖsterreichs. I412. 

116) Hs. 164 (2707) saec. XV fol. r—ıı®; vgl. Serapeum VI36. Näheren Aufschluß 
verdanke ich Dr. L. Bertalot (München). 

117) Poetria36. Item commentum solempne Fuigencii insignis viri super duobus libris 
Marciani de nupciis Mercurii et philologie. Idem Fulgencius de astronomia quam Marcia- 
nus bangit in secundo; W. Schum, Beschreibendes Verzeichniss der Amplonianischen Hand- 
schriftensammlung zu Erfurt, Berlin 1887, S. 793. 

ı18) Vgl. Cambridge Trinity College Ms. 884 und Oxford Digby Ms. 221. 

119) Vgl. Pitra, Spicilegium Solesmense. III. p. LXXXIV. 

120) So verzeichnet der alte Katalog der St. Augustine’s Abbey Canterbury (M.R. 
James, The ancient libraries of Canterbury and Dover, Cambridge 1903, p. 369) Mithologie 
Fulgencii et in eodem liber de gestis Romanorum. Heute enthält diese Hs., London Brit. 
Mus. Harl. 5369 saec. XIV, vor den Gesta Romanorum nur noch eine tabula super methalo- 
gias Fulgentii, vgl. J. A. Herbert, Catalogue of romances in the department of mss. in the 
British Museum. III 146, 183sq. 

ı21) Jahrgang ı914 Sp. 990. 

122) Das ganze Werk mit Prolog gedruckt in Martin Gerberts Scriptores de musica 
medii aevi. II 230sqq., Nachdruck bei Migne, Patrol. lat. CL 1391 sqq. 

123) Dictionary of National biography XII (1887) p. 305. Dort werden 6 Hss. er- 
wähnt; die Zahl der erhaltenen Textzeugen ist aber viel größer. Vgl. auch Gerbert. 

124) In CLM. 2599 saec. XIII heißt es nur Musica Johannis Fulgentio episcopo. 
Joannis Cottonis ad Fulgentium episcobum Anglorum de musica im 17. Jahrhundert 
bei den Jesuiten in Antwerpen, vgl. A. Sanderus, Bibliotheca Belgica manuscripta. 
I (Lille 1641) p. 334. 

125) MG. Poetae. III 708. 

126) Vgl. P. Utto Kornmüller, O.S.B., im Kirchenmusikalischen Jahrbuch f.d. 
Jahr ı888, redig. von F. X. Haberl S. ıff. und Rob. Eitner, Biogr.-bibliogr. Quellen- 
lexikon der Musiker und Musikgelehrten. III.(1900) S. 81. 

127) Bellermann in der Allgemeinen Deutschen Biographie. XIV (1881) S. 453f. 

128) Patrol. lat. XXX 262sqq. Handschriftlich mit dem Namen des Hieronymus 
z. B. in Basel E. II. 62 saec. XIV/XV; Florenz Magliab. VII 1064. 

129) Vgl. M. R. James vor seiner Ausgabe von Walter Map, De nugis curialium, Ox- 
ford 1914, p. XXXI. 


Anmerkungen 130—I57 IoI 


130) 1.c.p. XXXIV. 

Ähnlich führt der Katalog der Erfurter Karthause saec. XV ex. ans Werk als Schrift 
des Valerius Maximus auf. 

131) James, l.c.p. XXXVI. 

132) Jahrbücher für klassische Philologie. XCV 790. 

133) Publications of the Modern Language Association of America. XXXII ı (1917) 
p. 81—132. 

134) James l.c. p. XIIlsq. 

135) Studies in philology. XX (1923) p. 448—468. 

136) An diese Stellen erinnerte mich freundlichst Kollege M. Leumann (München). 

137) Corpus glossariorum Latinorum. IV 185; V 486, 517, 612. 

'138) Joh. Saresber. Policraticus. ed. C. Webb. Ip. XLVI. 

139) XVI (1861) S. ı2ff. 

140) Die Sammlungen der Shuchverss des Publilius Syrus, Leipzig 1877, S. 44ff. 

141) De sententiis quas dicunt Caecilii Balbi, München 1879. 

142) Vgl. Teuffel $ 428, ı. 

143) De Aristotelis librorum ordine et auctoritate p. 253. 

144) M.R. James, The ancient libraries of Canterbury and Dover p. 378. 

145) Vgl. Pitra, Spicilegium Solesmense. III p. LXXXV. 

146) L. Bertalot, Humanistisches Studienheft eines Nürnberger Scholaren aus Pavia, 
Berlin 1910, S. 78f. 

147) ed. James p. 260sgq. 

148) London Cotton Ms. Vespasianus E. XII (vgl. Tas p. 271) und Harleian. 
7322 (vgl. Hinton in Studies in philology. XX 466.) 

149) Hinton |.c. 

150) Ed. C. Webb. Ip. XLVI. 

151) Ep. 14, 3, gelegentlich verwechselt mit Cassius Etruscus, den Horatius Sat. 
I ıo, 62f. verspottet. 

152) Letzte Ausgabe bei Migne, Patrol. lat. LXIV. Wertvolle Bibliographie bieten 
Erman und Horn, Bibliographie der deutschen Universitäten. I no. 6037sqq. Nach 
M. Manitius, Geschichte der lat. Literatur des Mittelalters. I 36 kommt der Titel bereits 
1247 im Katalog von Glastonbury vor. Im 13. Jahrhundert kennen das Werk ferner 
Vincentius Bellovacensis, Richard von Fournival (L. Delisle, Cabinet des Mss. II 530), 
Guibert von Tournai (Revue Celtique I 265), Albertus Magnus (M. Grabmann, Forschun- 
gen über die lat. Aristotelesübersetzungen des 13. Jahrhunderts. S. 82), Roger Baco (vgl. 
hier Anm. 154). Textzeugen des 13. Jahrhunderts sind beispielsweise Cambridge Trinity 
College Ms. 598, ibidem S. John’s College E. 17, ibidem Gonville and Caius College 136 
und 341, Oxford Bodl. Digby 56, ibidem Auct. F. 5. 28. — Deutsche Paraphrase in Wien 
Nationalbibl. Hs. 3223, französische in Lille (vgl. A. Scheler in der Revue de l’instruction 
publique de Belgique. XXII 25sq.). 

153) Migne, l.c. 1238. 

154) Vgl. Roger Baco im Opus ein cap. XV (ed. Brewer. I 54), im Compendium 
studii philosophiae (ed. Brewer. I 410), im Compendium studii theologiae (ed. Rashdall 
p. 29, 38), in der Metaphysica (ed. Steele. I 9). Von modernen Gelehrten nenne ich J. de 
Morawski, Pamphile et Galatee, Paris 1917, p. 105; O. Scheel, Martin Luther. I passim; 
Hugo Lemcke im Register zu seiner Ausgabe des Liber beneficiorum des Karthäuser- 
klosters bei Rügenwalde, Stettin 1922, S. 224: „ob von ihm (d.h. von Boethius) oder von 
Joh. Scotus Erigena ?‘“ 

155) Vgl. auch Ella Bourne, Classical elements in the Gesta Romanorum: Vassar 
mediaeval studies, New Haven 1923, p. 345 sqgq. 

156) Blätter f. d. bayer. Gymnasialschulwesen. XXVII (1891) S. 1g9ff. 

157) Nicht benutzt hat Schepss die Karlsruher Hs. 403 saec. XIII, Leiden B.P.L. 
201I saec. XV, auch nicht Antwerpen Muse Plantin-Moretus Ms. 126 saec. XI, von dem 
er aber wußte, nur unvollkommen Wolfenbüttel Helmst. 237 saec. XV. In der Hs. des 


102 Anmerkung 157 


Museum Plantin-Moretus ist fol. 69V die Erzählung in der Form eines Gesprächs zwischen 
L. und Beda wiedergegeben. 


L. Quid spectas, Anglice bos? 
B. Specto ruinam urbis vestrae. 
L. Vides, sed non intelligis. 
B. Virum intelligam, veni et audi: 
P.P.P. S.S.S. V.V.V.V.V.V.V. F.F.F.F.F. R.R.R.R.R. et est: 
Pater Patrie Profectus est, 
Secum Salus Sublata est. 
Venit Victor Validus, Vicit Vires Vrbis Vestrae 
Ferro, Flamma, Frigore, Fuga, Fame. 
Regale Regnum Ruit Romanorum Ruina. 


In Wolfenbüttel Helmst. 237 steht die Anekdote in folgender Weise auf einem hinten ein- 
gehefteten Pergamentblatte, das die Form eines gleichschenkligen Dreiecks hat und 
die Anfangsbuchstaben der Inschrift bietet: Sibilla prophetissa dedit Rome presentem 
clippeum, sic hiteris clippeo inscriptis decoratum: 


Princeps Pacis Perditur, 
Sapientia Secum Suffertur, 
Regna Ruunt Rome, 
Ferro, Flamma, Fame. 


Beda venerabilis interpretabatur similiter has litteras ut supra, quia, antequam Beda veniebai 
Romam, nemo novit nec excogilare potuil interpretationem solummodo litterarum in clippeo 
signatas. 


Anders wieder Leiden B. P.L. Ms. 2011, fol. 220V. 


Item nota, quod hee litere scripte erant Rome in porta ferrea PPP. SSS. RRR. FFF. 
Quarum interpretationem nullus exprimere potuit doctorum, sed adveniens ille venerabilis 
Beda eas sic interpretatus est. Nam primas tres sic exposuit: | 

PPP. Idest Pater Patrie perditus est. 

Secundas sic: 

SSS. Sapiencia Secum Sublata est. 
Tertias sic: 

RRR. Roma Ruina Ruet. 

Quarias sic: 
FFF. Flamma, Fame, Ferro. 


Eine längere Fassung als in den gedruckten ‘Gesta Romanorum’ findet sich in 
London Harleian. 7322 saec. XIV fol. 49V, der auch die Karthagoanekdote überliefert. 


Die Abbildungen von Pyramus und Thisbe sind ausgewählt, um zu weiterer Be- 
schäftigung anzuregen. Es ist von mir weder Vollständigkeit des mittelalterlichen Bild- 
materials noch seine Einzeldeutung angestrebt worden. Die Verwandtschaft zwischen 
den Elfenbeinarbeiten in Krakau und London wird jedem Betrachter auffallen. Auch 
das ist deutlich, daß die künstlerische Behandlung (z. B. Flucht der Thisbe auf einen 
Baum, Tötung der Löwin durch Pyramus) gelegentlich von Ovid abweicht, dagegen mit 
Texten des Mittelalters (vgl. z. B. die mittelhochdeutschen Erzählungen) übereinstimmt. 
Angesichts der mannigfaltigen Verwertung der tragischen Lebensgeschichte von Pyramus 
und Thisbe in der bildenden Kunst des Mittelalters kann man sagen, daß Hartmann von 
Aue nicht einfach nach Belieben und ohne Anschauung aus Ovid schöpfte, als er im 
_Erec (v. 7704ff.) das Sattelkissen Enitens Reitpferd folgendermaßen beschrieb: 


Anmerkung 103 


Swaz man sin vor dem satel sach, 
daz was gesteppet dicke. 

Ze guoten anblicke 

was daran entworfen sus, 

wie Tisp& und Piramus 
betwungen von der minne, 

betert rehier sinne 

ein riuwic ende namen 

dö zi zem brunnen kämen. 


Bildende Kunst und Literatur zeigen in gleichem Maße die Beliebtheit der Ge- 
schichte von Pyramus und Thisbe bei den mittelalterlichen Gebildeten, mochten sie in 
ihr eine Symbolisierung von Christi Opfertod sehen, wie der Bildhauer im Basler Münster 
und der Sammler oder der Gewährsmann der Gesta Romanorum (ed. Oesterley p. 633sq.), 
oder sie einfach als ergreifendes Beispiel menschlicher Liebeskraft, menschlichen Liebes- 
leides betrachten, wie das immer und immer wieder geschehen ist. Erinnern wir uns zum 
Schlusse der eindrucksvollen Stelle, wo Dante seine Augen von der Feuerpein nicht ab- 
wenden kann, bis ihn sein Führer Vergil an Beatrice mahnt (K. Voßler, Die göttliche 
Komödie, Heidelberg 1925, S. 762): 


Wie bei dem Namen ‚‚Tisbe‘‘ Pyramus 

im Tode noch das Auge öffnete, 

indes sein Blut dahinfloß, zu ihr aufblickt. — 
So ward ich aufgeweckt aus meiner Starrheit, 
sah meinen Führer an, da ich den Namen, 
der ewig jung in meinem Sinn ist, hörte! 


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II 


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VERZEICHNIS DER. ABBILDUNGEN 


. bis 4. Basel, Münster, Reliefs von einem Kapitell des Chores, Ende ı2. Jahrhunderts. 
. Thisbe hat sich auf einen Baum geflüchtet, Pyramus begegnet dem Löwen. 

. Pyramus tötet den Löwen. 

. Thisbe findet den Geliebten, der sich mit dem Schwerte durchbohrt hat. 

. Pyramus und Thisbe im Tode vereint. 

. bis 8. London, Victoria- and Albert-Museum, Elfenbeinkasten, 13. Jahrhundert. 

. (Unten links.) Thisbe wird von ihren Angehörigen ins Haus getrieben. 

. (Oben links.) Die Liebenden unterhalten sich durch ein Sprachrohr. 

. (Oben rechts.) Thisbe hat sich auf einen Baum geflüchtet, der Löwe zerreißt ihr Tuch. 
. (Unten rechts.) Pyramus und Thisbe im Tode vereint. 

. München, Staatsbibliothek, Cod. lat. 25187 fol. zıR, 1498. 

In der Mitte: Der Löwe am Brunnen; rechts: Thisbe flieht; links: Pyramus und 
Thisbe im Tode vereint. 

. Krakau, Schatzkammer der Schloßkirche, Reliefs an einem Elfenbeinkasten, 13. Jahrh. 
Mitte rechts: Thisbe hat sich auf einen Baum geflüchtet, der Löwe zerreißt ihr 
Tuch; ganz rechts: Pyramus und Thisbe im Tode vereint. 

. Paris, Bibl. Nat. Ms. lat. 15158, Federzeichnungen, 13. Jahrhundert. 

Pyramus und Thisbe klagend an der Hauswand; die Liebenden verständigen sich 
durch die Mauer; Thisbe wartet auf dem Grabmal des Ninus; der Löwe naht. 

. London, Victoria- and Albert-Museum, Gobelin 14. Jahrhundert. 

Thisbe ersticht sich angesichts der Leiche des Pyramus. 


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Studien der Bibliothek Warburg ı3. Heft 


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Abb. 3 und 4. Basel, Münster, Reliefs an einem Säulenkapitell 


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Abb. 5—8. London, Victoria and Albert-Museum, Reliefs an einem Elfenbeinkasten 


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Abb. 9. München, Staatsbibl. cod. lat. 25187, 
Farbiges Bild am Schluß der oben S. 46 abgedruckten Dichtung 


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Abb. ı0. Krakau, Schatzkammer der Schloßkirche, Reliefs an einem Elfenbeinkasten 


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Gobelins 


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London, Victoria and Albert Museum, Rest ei 


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Abb 


PERSONEN- UND SACHREGISTER 


Adele von Blois 10, 93 

Aethilwulf 8 

Akrostichon 28 

Albertanus von Brescia 16, 
97 

Albertus Magnus 101 

Alcuin 6 

Alexander Neckam 20, 21, 
28 

Algebra 14 

Amplonius Ratinck 2ı 

Anekdoten 26, 28f. 

Antoniewicz, J. von 93 

Apuleius 16—20, 97ff. 

Archipoeta 7, 94 

Arithmetik 14 

Arnold von Rotterdam 21, 
96 

Aspiration ı7ff., 97ff. 

Astronomie und Astrologie 
15 

Augustinus 6, 24 

Avena 97 


Baco, Roger ı3, ı8f., g8f., 
IoI 

Balbus, Caecilius 25, 27, 
101 

Bartsch, K. 5, 92 

Basel, Münster in 4, 93, 103 

Baudouin 96 

Baudri de Bourgueil 10, 
65—87, 93 

Beda 20, 29, 102 

Bellermann 100 

Bertalot, L.63, 95, 100, IOI 

Bestiarium 7 

Bethmann, K.L. 95, 97 

Bibelzitate 24 

Birkenmajer, A. 95 

Birt, Th. 17, 20, 99 

Bischoff, B. 31, 52 


Boer, C, de 93 

Boccaccio 28 

Boethius de disciplina sco- 
larium 27£. 

Bolte, J. 94 

Bonnard, J. 93 

Bordesholm, Bibliotheks- 
katalog 96 

Bourne, E. 101 


Briefwechsel, literarischer 


ıof., 23f., 96 
Brinkmann, H. 92, 95 
Brückner, A. 35 
Buchillustrationen 4, 7, 93 


Caesar 24 

Cahier, Ch. 93 

Canterbury, Bibliotheks- 
katalog von 100 

Carmina Burana 92, 95, 97 

Cassius Etruscus Ioı 

Catullus 16, 27 

Catulus Parmensis 27 

Chaucer 28 

Chrestien de Troyes 3 

Cicero 24 

Cloetta, W. 94 

Conradus 28 

Cocheris, H. 96 

Cotto vgl. Johannes 

Creizenach, W. 96 

Crusius, O. 17 


Dante 103 
Decknamen 22, 23, 24, 27 
decreta pape Nasonis 8 
Deidamia an Achilles 1ıo 
Delisle, L. 93, 95, IOI 
Dietrich, Dichter von Pyra- 
mus u. Thisbe 4, 35 ff. 
Dionysius Rickel 27 
Dioscurias I 


Diphthonge ı7f. 
Dracontius 94 


Eitner, R. 100 
Elegienkomödien ııf. 
Elfenbeinplastik 4, 93 
Erfurt Karthause, Biblio- 
thekskatalog 101 
Erechtho 98 
Erichthonius 17 
Erotica 17 
Erziehungsliteratur 27f. 
Erzählungsliteratur 27 ff. 
Escher, Konr. 93 
Eugenius Toletanus 6, 94 
Evans, E.P.93 _ 


Fälschungen ı, 10, 17, 30 

Faral, E. 4, 5, 36, 46, 92ff. 

Feder, A. 99 

Federzeichnungen 93 

Feifalik, J. 35 

Flaccensius 26 

Flaccianus 26 

Flavianus 25 ff. 

Flores morales 26 

Florilegium Veronense 16 

Florus 81fl. 

Fresken 7 

Fulgentius von Afflighem 22 

Fulgentius, Ehrentitel 22 

Fulgentius Planciades und 
Pseudo-Fulgentius 2off., 
100 

—, de aetatibus mundi et 
hominis 21 

—, de contemptu mundi 21 

—, expositio Virgilianae 
continentiae 20 

— fabularum 20 

—, de fugiendis litteris 21 

—, de gestisRomanorum 21 


106 


Fulgentius, de imaginibus 
deorum 20f. 

—, in Marcianum Capellam 
2I, IOoO 

—, de musica 22 

—, Mythologiae 2off. 

—, de naturis rerum 20 

— , de ornatu orbis 21 

Fuscus u. Dicheophilus, Ge- 
dicht von 9 


Gabler, J. 100 

Gerbert, Martin 100 

Gesta Carthaginiensium 26 

— Grecorum 26 

— Romanorum 21, 26, 28f. 
Ioo, 102 

Gilson, J. P. 63 

Giraldus Cambrensis 16, 97 

Glastonbury, Bibliotheks- 
katalog ı01I 

Glossare 25 

Gobelins 4, 7, 10, 93 

Goetz, G. 19 

Goldast, Melchior 3, 92 

Goldschmidt, A. 93 

Gottfried von Winchester 
16 

Gottlieb, Th. 96 

Gottschalk, Haeretiker 22 

Grab Ovids I, 13 

Grabmann, M. 101 

Graf, A. 92 

Gregorius Magnus I7 

Grey, W. ı8 

Groeber, G. 12 

Grotefend 17 

Guarino 18 

Guibert von Tournai 101 


Haase, F. 96 | 

Hamersleben, Bibliotheks- 
katalog 95 

Handschriften: Antwerpen 
ıoıf.; Basel 100, Berlin g, 
93, 96; Brüssel 98; Bern 
94; Breslau 96; Cambrid- 


ge 4, 7, 31, 94, 100, IOI; 


Cesena 89, Erfurt 22; 
Escorial 90, 95, 97; 
Florenz 16, Ig, 100; 


Frankfurt a. M. 63, 95; 
Fulda 100; Glasgow 4; 
. Halberstadt 96; Inns- 


bruck 93; Ivrea 97; Je- 
na 26; Karlsruhe ı01; 
Kolmar 100; Kopen- 
hagen 4, 46, 96; Kra- 
kau 4, 35, 89, 95; Leiden 
9, 94, IOI, 102; Lille 101; 
London 63, 100, I0I, 102; 
Lübeck 97; Mailand 93; 
München 4, 9, 17, 20, 
46, 5ıf., 93, 94, 96, 97, 
99, I0oo; Neapel 97; Ox- 
ford 97, Ioo, 101; Paris 
10, 16, I9, 26, 93, 94, 
96, 99, 1oı; Petersburg 
4, 35, 46, 96; Pommers- 
felden2ı; Rom 22, 65,88, 
'92, 93, 98, 100; Schlägl 
94; Troyes 94; Volterra 
97; Wien 95, 96; Wittin- 
gau 4, 35, 97; Wolfen- 
büttel 4, 35, 46, ıoıf.; 
Zürich 63, 92, 96 

Hannibal 26 

Hart, G. 4, 5, 36, 46, 93 

Hartmann von Aue Io2 

Herbert, J. A. 100 

Hartel 97 

Helena 72ff. 

Hermann, H. J. 93 

Heroiden 63ff.; vgl. auch 
Ovidius 

Hieronymus 23, 24, IoO 

Hilka, A. 96 

Hinton, J. 24, Ioı 

Holkot, Robert 20, 21 

Honorius Aug. 2I 

Horatius 24 

Hrabanus Maurus 20 

Huemer, J. 94 

Hugo de Folieto 7 

— de S. Victore 7 

— von Trimberg 5, 96 

Hus, J. 99 | 


Imagines sec, Fulgentium 
21 

Liber de ymagine mundi 100 

Initia: 
A cunis mens una 94 
Adhuc lustris bis iam 90 
Anule formose digıtum 90 
Ardua virtutum faciles 97 
Caritas castitas 26 
Carmina fingo licet 5, 36 
Consulte teneros non 94 


 Personen- und Sachregister 


Consiliabor item 23 
Conveniunt cuncti subito 
89 
Discite que Jaciem co- 
mendant 90 
Dulcis amica veni 3, 89 
Est amor amoris species 
31 
Fama tuum nomen 72 
Fletibus irriguam milto81 
Hanc tua Penelope 89 
In nova fer animus 90 
Legerat huius amor 90 
Lucus amenus evyat 90 
Mensae doctrinam da 97 
Naso Tomitane iam 90 
Ne tibi displiceam 90 
Nox erat et lentus 9 
Nox erat et magni 9 
Nox ervat et placido 9, 63 
Nox erat et sompnis 9, 90 
Nox erat et toto 9 
Nux ego iuncia 90 
Ocia si veniunt 52 
Ovidius Naso Peligni 90 
Parva pulex et amara 90 
Parve nec invideo 90 
Pater patrie perditur 26 
Postquam nobilitas 95 
Psitacus Eois imiltalrix go 
Quae vestrum nomen 65 
Quam michi non habeo 84 
Querat nemo decus 5, 46 
Qui cupit (vult) egregi- 
um 97 
Qui modo Nasonis 89 
Rebus in humanis non 88 
Rure morans quid agam 9 
Rustice lustrivage 10 
St quem forte iuvat 89 
Summi victoris fierem 90 
Tempora cum causis 90 
Tempus erat noctis 8 
Tu valeas felix 3 
Umbrifera quadam nocte 


Inschrift, armenische ı 

Inschriften, fingierte I, 29, 
ıoıf. 

Isidorus 17, 19, 20, 97 


Jacob, F. 97 


Jagd 14, 15 
Jahnke, R. 94, 96 


Personen- und Sachregisier 


James, M.R. 7, 24, 94, Ioo, 
101 
Jeremias de Montagnone 3, 
16, 93, 95 
Johannes, Abt 97 
‚— Cotto 22f., 100 
— de Janua 18 
— Ridewall 20 
— von Salisbury 25, 26f. 
IoI 
— von St. Mathias 23 
Johannes Scottus 27, IoI 
— Vatatzes 13 
Juvenalis 24, 25 


Karoch, S. ıı 

Karthago, Anekdoten von 
26, 102 

Koechlin, R. 93 

Konstantinopel ı 

Kornmüller, P. U. ıoo 

Krakau, Schloßkirche 93, 
102 

Kunst, bildende 4, 7, ıo, 
20, 93, 102 


Lambach, Bibliothekskata- 
log 13 

Lehmann, P. 94, 96, 99 

Lemcke, H. 101 

Leo, protonotarius 13 

Leumann, M. 101 

Leyser, P. 4, 36, 46 

Liebeschütz, H. 20 

Liebeskonzil zu Remire- 
mont8 _ 

Lindsay, W. M. 100 

Livius ı, 21 

Loew, E. A. 99 

London, Victoria and Al- 
bert Museum (South 
Kensington) 93, 102 

Lucanus 94 


Madvig, J. N. ı7 

Manitius, M. 92, 94, 95, 101 

Map, W. 23ff., 26, 28 

Martialis 9, 16, 23, 24, 25, 97 

Martianus Capella 21, 24, 
100 

Mathematik 14, 15 

Matthaeus von Vendöme 
4f., 13, zıff. 

Maximus Planudes 17 

Mazzatinti 97 


Meyer, W. 25, 94 
micht, nichil ı8£., g8f. 
‚Miles gloriosus’ 13 _ 
Minnesangs Frühling 96 
Misogyne Literatur 23f. 
Mommsen, Th. 20 
Montecassino 19 
Moralisierung 4 
Morawski, ]J. de 92, 95, 96, 
101 i 
Müller, Luc. 23 
Murko, M. 99 
Mythographi II et III zo 
Mythologie 20f. 


nichil, michi ı8f., g8f. 
nobilitas 95 

Nogara, B. 96 
Nolhac, P. de 96 
Novati, F. 92, 94 


Ordericus Vitalis 7 
Orosiuskommentar ı9 
Orthographie, mittelalter- 
liche ı7f£f., 97ff. 
Osann, F. 17 
Oswaldus, o. Carth. ı8 
Ovidiuss: im Mittelalter 
2ff., g92ff.; Christianisie- 
rung 13, 15; Dichtungen 
gegen O. ı1; Gebet 15; 
‚Grab1,13; Moralisierung 
15; Praecepta 8; Testa- 
mentum I, 96; Vitae 89; 
Schriften (echte und un- 
echte): 
De aetate 2 
Amores 2, 8, 12,89 
Anulus 2, 90 
Ars amandi 2, 8, ı2 
Ars procandi ıı 
Aurora 2 
De Baccho 6 
De Birria 96 
Conflictus ventris et ar- 
tuum 6, 94 
De coniunctione plane- 
tarum 97 
Cuculus 4, 5£., ıI, 89, 9ı 
Decreta 8 
De distributione mulie- 
rum 88, 9ı 
De doctrina pulicis 94 
De facecia mensae 15, 97 
Fasti go 


IO7 
Heroides 8, ı0f., 65ff., 
89, 90, 95 
De 4 humoribus ı1, 9ı 
Ibis go 
De immutatione vitae 14 
De inconstantia rerum 2; 
92 
De Jove, De libro Jovis 
90, 91,95 
De Licia (Livia ?) 95 
De lino 95; 
De luco 9, g0f., 95 
De ludo g9ı 
De lumaca 
bardo 6, 94 
De lupo 6 
De medicamine aurium 
II, 90, 9I 
De medicamine faciei 
II, 90 
De meridie 2 
Metamorph. 2, 3, 15, go 
De milite et de Afra ı3 
De mirabilibus mundi 
6f., g9ı 
De nemore 95 
De nuce 90, 9ı 
De nuntio sagaci ııf., 96 
De osea et ciconia gı 
De pediculo 6 
De philomela 3f., 5, 89, 
gI 
Ex Ponto 2, 8, 90, 92 
Praecepta 8 
Psittacus 2, 90 
Trium puellarum ııf. 
Puellarum, De puellis go, 
91, 96 
De pulice 6, 11, 90, 94 
De Pyramo et Thisbe 
'4ff. 
De rebus 9ı 
Remedia amoris 8, rı, 
12, 90 
De rustico, In rusticum 
gf. 
De ludo scaccorum 15, 
gıI 
De sine titulo 89, 90 
De senectute gı 
Sittenspiegel ı5 
Somnium, De somnio 2, 
11, 63ff., 90, gı 
Tristia 90, 94 


et Lom- 


De vetula ı3ff., go, 96f. 


De vino 9ı 


Pamphilus 12 

Pamphblet ı2 

Paris und Helena 65 ff. 

Paris, G..92, 96 

Paris, Universität 27 

Pascal, C. 91, 92, 93, 94. 95, 
96, 97 

Pasquier, H.95 _ 

Pastrengo, G. da 89 

Paulus Diaconus 25 

Peiper, R. 4, 94 

Perotti, Nic. 18 

Petrarca, F. 14 

Petrus Blesensis 24 

— Diaconus 19 

— Helie ıg 

Phthia 17 

Physiologus 20 

Pieri, M.g5 _ 

Pitra 100, ıoı 

Priscianus 19, 98 

Procatoria ars 96 

Pyramus u. Thisbe 4ff., 
3ıff., 93, 102. 


Quintilianus 25 


Rätsel 14 

Rand, E. K. 92 

Reifferscheid, A. 25 

Reime 96 

Rhodiginus, Caelius 17 

Richard de Fournival ıı, 
13, I4, 15, 95, 96, IOI 

Riese, A. 10, 93, 95 | 

Romanekdoten 26, 28f., 102 

Rose, V. ıı, 25 

Rügenwalde, O. Carth. 101 


Sabbadini, R. 17, 97, 98 


Säuleninschriften 28f. 


Sanderus, A. 100 

Sandys 92 

Saxl, F. 20, 93 

Schachspiel 15, gI, 97 

Schaer, A. 93 

Schanz, M. 17, 22, 92 

Schedel, H. 51 

Scheel, O. 101 : 

Scheibmaier 25 

Scheler, A. 101 

Schepss 29, I0I 

Scherzgedichte 2f., 6, 88f. 

Schevill, R. 92 

Schiller, F. v. 28 

Schneidewin 97 

Schoell, F. 19 

Schriftstellernamen im Mit- 
telalter 6, 27, 29f. 

Schroetter, W. 92 

Schuchardt, H. 99 

Schulze, W. 17 

Scott, W. 28 

Sedlimayer, H. 92, 94, 96 

Sentenzensammlung 25, 27 

Shakespeare, W. 28 

Sibylle 102 

Sittl, K. 22 

Spiele 14, 15 

Stettiner, R. 93 

Streitgedichte 6, 9 

Symbolisierung von Christi 
Opfertod 4, 102 

Syrus, Publ. ıoı 


Tafel, S. 92 

Teuffel 17, 22, 89, 92, IOI 
Thomas Aquinas 6 

— Cantimpratensis 27 

— de Hibernia 23 
Thurot, Ch. 99 
Tierdichtung 6f. 
Tischzucht 15, 97 


‚Personen- und Sachregister 


Tongilius 25 

Traumbilder 8f. 

Triveth, Nic. 23 

Trithemius, Joh. 23 

Trouveres und Trouba- 
dourss8 

Tugenden und Laster 2ı 


Ulrich, J. 96 

Ulricus Eberhardi von 
Klosterneuburg 99 

Unger, H. 92 


Vagantenpoesie 8 

Valerius 23f., 281. 

Valerius Maximus 23, 101 

Varro Igf., IOo 

Vatachius 13 

Venus verteilt die Frauen 
88 f. 

Vergilius 2, 26 

Verse von einem eifersüch- 
tigen Priester 8 

Vincentius Bellov. 13, Ioı 

De viris illustribus 22£. 

Vittorino da Feltre ı8 

Vogt, F. 96 

Voigt, E. 94 

Voigt, G. ı8 

Voßler, K. 92, 102 


Wackernagel, R. 100 
Walahfrid Strabo 9 
Walther, H. 94, 95, 97 
Warburg, A. 20 
Warner, G. F. 16 
Wattenbach, W.95 
Webb, C. 101 

Weine der Loireufer 10 
Werner, Jak. 63, 92, 94, 95 
Westwood, J. ©. 93 
Woelfflin, E. 25 
Wright, Th. 97 


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